Nach diesem Rezept hat meine Mutter die «Chouera» zubereitet. Der «Chouera»-Kuchen wie sie ihn immer gemacht hat, ist kein Gemüsekuchen und ist nicht geeignet, um Salat dazu zu essen.
Ich bin im Goms geboren. Dort spricht man das Wort für diesen Kuchen anders ausals beispielsweisen in Brig, wo ich wohne. Dort sagt man «Cholera». Jede Familie, jede Region hat ihr eigenes Rezept.
In den Restaurants meiner Region wird die Chouera anders zubereitet. Dort serviert man einen gedeckten Gemüsekuchen, der stets mit Salat zusammen angeboten wird.
Zutaten:
2 Stück Kuchenteig ausgewalzt für 4 Personen (Kuchenblech mit Durchmesser
28 cm), für eine größere Anzahl Leute vier Kuchenteige oder rechteckige Teige für ein
großes Kuchenblech nehmen, je nach Belieben.
5 Boskop-Äpfel (es sind die besten für diese Art Kuchen)
Sechs Härdäpfel (= Kartoffeln)
400 g des besten Walliser Raclette-Käses in Scheiben
1 – 2 Zwiebeln (ich nehme jeweils Frühlingszwiebeln)
Zubereitung:
Die Kartoffeln in der Schale kochen, etwas auskühlen lassen, dann schälen.
Oder wenn man am Vorabend Gschwelti (= gekochte Kartoffeln) zum Abendessen isst, etwas mehr Kartoffeln für die Chouera am nächsten Tag in die Pfanne geben.
Den einen Teig auf das eine Kuchenblech auslegen, mit einer Gabel ein paar Mal hineinstechen.
Ofen auf 180 °C vorheizen.
Die Äpfel schälen, vom Kerngehäuse befreien, in Schnitze schneiden, großzügig auf dem Teig verteilen.
Auf den Apfelschnitzen die in dünne Scheiben geschnittenen Kartoffeln legen. Obendrauf die Raclettekäse-Scheiben.
Die Zwiebeln waschen (bei mir sind es Frühlingszwiebeln inklusive des grünen Teils), in Ringe schneiden (oder fein schneiden, je nach Belieben), in Butter weich dünsten (mache ich gewöhnlich nicht) und auf der Cholera verteilen. Das ist die letzte Schicht.
Die Cholera mit dem zweiten Kuchenteig zudecken, die Ränder des Teigs mit etwas Wasser benetzen, fest andrücken. Am Schluss in den Kuchendeckel mit der Gabel ein wenig einstechen.
Im vorgeheizten Ofen ca. eine Stunde backen.
Zur Cholera der Winkelrieds braucht es keine Beilagen.
Guten Appetit! 😀
Nice to know:
In die «Cholera» packten die Leute im Goms früher Kartoffeln, Lauch, Käse, Zwiebeln, Äpfel – alles, was sie gerade hatten – in einen Mürbeteig und schoben das Ganze in den Ofen.
(= legten die Pfanne mit der Cholera in die «Kohle», daher der Name)
Viele Male bin ich über Zürich hinweggeflogen. Wenn ich einen Fensterplatz zugewiesen bekam, sah ich den Zürichsee von oben, die Stadt jedoch sah mich nie. Eigentlich schade, habe ich doch vor über vierzig Jahren in Zürich gewohnt.
Winkelriedstrasse
An der Winkelriedstrasse, um genau zu sein. Als Studentin an der ETH Zürich pendelte ich am Wochenende nach Hause ins Wallis und hatte deshalb kaum Gelegenheit, um die Stadt zu erkunden. Kam ich jeweils am Sonntagabend am Hauptbahnhof an, lief ich über die Bahnhofbrücke, am Coop vorbei, nahm das Neuner-Tram und stieg an der Haltestelle Winkelriedstrasse wieder aus. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, ich würde eines Tages unter dem Pseudonym „Winkelried“ Krimis schreiben, hätte ich gelacht und der Person eine blühende Phantasie zugeschrieben.
Architekturstudium
Auf dem Hönggerberg sassen wir Architektur-Studenten nicht nur in Vorlesungen in klimatisierten Hörsälen. Ich wurde Teil einer Gruppe, der ein eigenes Atelier zugewiesen wurde, um dort an Projekten zu arbeiten. Mit meiner Studenten-Gruppe (ausser mir war keine Frau dabei.) erkundete ich die Örtlichkeiten von Bauprojekten, wie z.B. für ein neues Affenhaus im Zoo Zürich oder für ein Töpferatelier. Wir fertigten Skizzen und Notizen an, um später darauf aufbauend, Baupläne zu zeichnen und ein Projektmodell dazu anzufertigen. Es war eine spannende Zeit, enorm kreativ, aber auch intensiv.
Verliebt
In einen der Studienkollegen, nennen wir ihn Bernhard, verliebte ich mich. Beide verbrachten wir Nächte zusammen mit anderen zukünftigen Architekten im gleichen Atelier-Raum auf dem Hönggerberg, um ein Projekt rechtzeitig fertig zu kriegen. Bernhard und ich kamen uns nicht näher, denn wir waren vom Ehrgeiz gepackt zu sehr eingespannt in unsere jeweiligen Projekte. Er arbeitete wie ich oft bis spät in die Nacht im Atelier auf dem Hönggerberg, manchmal bis zum Morgen. Auf keinen Fall wollte ich das Gebäude vor Bernhard verlassen. Doch spätestens nach Mitternacht legte ich meinen Kopf vor Müdigkeit auf den Schreibtisch und schlief ein.
Meine Hoffnung auf eine feste Beziehung mit ihm, stieg urplötzlich an, als er mich gegen Ende des Sommersemesters zu einer Party bei ihm zuhause einlud.
die Party
Mann, war das toll! Man feierte auf der Dachterrasse, von der man rundum einen Blick auf die anderen Gebäude in der Altstadt werfen konnte. Ich kannte die wenigsten Leute, die da waren. Die Gläser waren schnell leer getrunken. Die Häppchen vom Grill ebenso schnell verschwunden. Bernhard bat mich, ihm zu helfen, mehr Bier, Wein und Essen zu holen. Das war die Gelegenheit, ihm näher zu kommen, dachte ich. Weit gefehlt. Nichts lief zwischen uns, aber auch gar nichts. Nicht mal einen Kuss schenkte er mir.
Als die Partymeute weg waren, half ich ihm beim Aufräumen. Ich war so müde, dass ich das noch knapp geschafft habe. Ich fragte ihn, ob ich bei ihm schlafen dürfe.
Minuten später lief ich durch das Zürcher Niederdorf, den Kopf auf das Kopfsteinpflaster gerichtet. Ich war allein. Allein in einem Stadtteil, den ich nicht kannte, der als eher verrucht galt, so hatte man mir das jedenfalls erzählt.
der Mann im Dunkeln
Niemand war zu sehen. Die Nachtschwärmer sassen noch in den einschlägigen Etablissements oder waren schon Zuhause. Auf einmal packte mich ein Mann von hinten am Arm. Vor Schreck holte ich reflexartig mit meiner Handtasche weit aus, drehte mich gleichzeitig um und schlug dem Unbekannten damit ins Gesicht. Derweil der Mann sich an die Nase griff, von der bereits Blut herauszurinnen begann, packte ich meine Tasche fest vor der Brust, und rannte durch die Niederdorfstrasse so schnell ich konnte davon.
Krimi Tag in der Altstadt
Über 40 Jahre später erhielt ich ein Mail, demzufolge ich von der Pestalozzi-Bibliothek Altstadt in Zürich nebst zwei anderen Autorinnen und einem Autor für den Krimi Tag am 8. Dezember 2023 ausgewählt worden sei. Die PBZ hätte sich für mich, Saskia Gauthier, Susanne Mathies und Raphael Zehnder entschieden, um für einen guten Zweck zu lesen. Der Anlass finde um zwanzig Uhr statt.
Ich brauchte ein Hotelzimmer, denn kein Zug würde spät am Abend bis ins Wallis nach Brig fahren. Ein Zimmer zu finden, war schwieriger, als ich dachte. Erst nach mehreren Telefonaten fand ich ein Hotelzimmer am Hirschenplatz: in einem kleinen Altstadt-Hotel mit fünfzehn Zimmern, einem gemütliches Boutique-Hotel. Alle anderen Hotels waren für den Abend ausgebucht.
Mein Mann und ich bezogen ein sehr schönes Zimmer. Vom Erker aus sah man auf den Hirschenplatz, wo in Weihnachtshäuschen Glühwein und schnell zubereitetes Essen anboten. Vor der Lesung erkundeten wir die Altstadt samt Grossmünster und gesellten uns danach zu den Leuten auf dem Hirschenplatz. Ein Raclette auf Brot mit einem speziellen Gewürz und gehackten Erdnüssen habe ich noch nie gegessen. Es schmeckte wunderbar. Dermassen gestärkt sah ich meiner Lesung gelassen entgegen.
Pestalozzi-Bibliothek
Nicht weit von unserem Hotel fanden wir die Zähringerstrasse 17 sofort. Uns fiel das grosse, hell erleuchtete Schaufenster auf, hinter dem wir weiter hinten die aufgestellten Stühle ausmachen konnten. Wir lernten Melanie Müller von der PBZ kennen und auch die anderen Autorinnen, die lesen würden.
Vor der Lesung besprach sich Moderatorin Gabriela Kasperski in einem Sitzungszimmer im dritten Stock mit mir und Saskia Gauthier, die ich im September bei der GV von Krimi Schweiz kennengelernt hatte. Gabriela kennt das Wallis, trat früher dort als Schauspielerin auf mehreren Bühnen auf, erfuhr ich zu meinem Erstaunen.
Roland Voggenauer, der zweite Moderator, besprach sich gleichzeitig mit Susanne Mathies und Raphael Zehnder.
Wir vier AutorInnen hatten acht bis zehn Minuten Zeit aus unseren Krimis zu lesen. Danach würden Gabriela oder Roland uns ein paar Fragen stellen.
Wieder im Erdgeschoss sahen wir rund vierzig Personen sitzen, die uns zuhören würden, vier von Ihnen kannte ich.
Melanie Müller von der PBZ eröffnete den Anlass. Was sie gesagt hat und auch wie die Autorinnen vorgestellt wurden, kannst du dir im folgenden Video anschauen, für das ich spontan mit meinem Handy gefilmt habe. Wie Gabriela Kasperski mich als dritte Lesende vorgestellt hat, konnte ich natürlich nicht filmen. Die kurze Sequenz, in der ich zu sehen bin, habe ich zugesandt bekommen.
Für alle war es ein äusserst gelungener Anlass, für die Anwesenden wie für die Organisatoren.
Jana nagte an ihrem rechten Daumen. Ihre Augen wanderten zum wiederholten Mal über den Berg von Geschenken auf dem Stubentisch. Wo war denn das Geschenk, das sie für ihre Mama gekauft und mit viel Sorgfalt eingepackt hatte? Es konnte doch nicht sein, dass es verloren gegangen war.
Ihre Mutter packte ein ums andere Geschenk aus. Bisher gingen alle an ihre fünf Brüder und ihre Schwester. Nur Jana hatte noch keins bekommen. Dabei war sie ganz sicher, ein paar von ihren beiden Tanten Lisa und Crescentia zu bekommen. Grosszüge Geschenke wie all die Jahre zuvor. Hatten die Tanten beschlossen, ihr nichts mehr zu schenken, weil sie schon sechzehn war?
Jana hat noch kein Geschenk bekommen
Neidisch streiften Janas Blicke über die Geschenke, die ihre Geschwister bekommen hatten. Möglich, dass Mama genau wusste, welche Geschenke von wem stammten und für wen sie bestimmt waren. Hatte sie absichtlich mit dem Geschenk für den jüngsten Bruder begonnen? Als Drittälteste wäre jetzt doch sie an der Reihe.
Hegt Mama einen Groll gegen mich, fragte sich Jana, weil ich beim Weihnachtsessen das Tischtuch in Brand gesetzt habe? Ich kann wirklich nichts dafür, dass zwei der Kerzen im goldenen Kerzenständer umgefallen sind, als ich Papa Wein nachschenken wollte. Und wer hat dann das Feuer sofort mit dem Wasser aus der Karaffe gelöscht? Das war ich, niemand sonst. Gespannt sah sie, Mama ein voluminöses Paket auspacken. Es musste schwer sein, denn ihr Bizeps war unter dem engen T-Shirt deutlich zu erkennen.
Römertopf
Im nächsten Augenblick zog die Mutter einen ovalen Topf mit einem Deckel aus der Schachtel. Sie hob den Deckel an, holte eine Broschüre aus dem Topf und überflog rasch die Seiten.
«Das ist ein Römertopf. Aus Keramik. Damit kann man gesund und vielseitig kochen. Die Römer haben anscheinend ähnliche Tontöpfe verwendet.»
Oh, nein, dachte Jana, das darf nicht wahr sein. Enttäuscht schloss sie die Augen. So ein Scheiss! Tante Crescentia hat Mama einen Römertopf geschenkt. Mit diesem blöden Topf hat mir meine Taufpatin den Abend verdorben. Jetzt ist mir egal, was Crescentia mir schenkt. Hoffentlich keinen weiteren Pullover wie die letzten Jahre. Der flaschengrüne Kapuzenpullover vom Vorjahr war ihr Lieblingsstück. So einen gab es nicht noch einmal. Sie wünschte sich keinen neuen. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass mein Geschenk für Mama verloren gegangen ist. Aber wo ist es denn?
noch ein Römertopf
Für Jana wurde der Weihnachtsabend zu einem bösen Traum, aus dem sie am liebsten möglichst schnell aufgewacht wäre. Doch es kam noch schlimmer. Das Geschenk von Tante Lisa für Mama entpuppte sich ebenfalls als Römertopf. Gequält schloss Jana die Augen, als könne sie diesen Topf wegzaubern.
Zwei Töpfe! Das war einer zu viel, dachte wohl die Mutter und packte den Römertopf wieder in die Geschenkschachtel hinein.
Danach kam Jana an die Reihe mit den Geschenken. Mit einem gespielten Lächeln nahm sie von ihrer Mutter drei Geschenke von Tante Lisa und Crescentia entgegen: Eine iWatch, ein Buch mit dem Titel «Tschick», eine Geschichte von zwei Jungen, die mit einem Auto irgendwelche Abenteuer erlebten, einen rosafarbenen Pullover mit einem Barbie-Schriftzug und sechs Dessertgabeln für Janas bald vollständige Silberbesteck-Aussteuer.
Barbie-Pullover
Jana konnte sich nicht recht über die grosszügigen Geschenke freuen. Was sollte sie mit einer Geschichte über zwei Jungen? Den Barbie-Film hatte sie doof gefunden. Dieser Film über eine Puppe war geschmacklos. Und dann erst dieser weichgespülte Ken! Kein Mann, der ihr Herz höherschlagen liesse. Hätte ihre Freundin sie nicht überredet, wäre ihr der Film erspart geblieben. Stirnrunzelnd beschloss Jana, den Pullover so bald als möglich ganz hinten in ihrem Schrank verschwinden zu lassen. Die iWatch von Tante Lisa hingegen war echt toll.
Ein Blick zum Stubentisch, wo nur noch ein einziges Geschenk lag, liess Janas Herz schneller schlagen: Da war es ja! Endlich würde Mama Janas Geschenk auspacken. Aufgeregt rutschte Jana auf dem Sofa mit dem Hintern nach vorn, bis zur Kante. All Ihr Taschengeld, das sie hatte erübrigen können, hatte sie für Mamas Geschenk gespart. Im Haushaltwarenladen hatte man ihr sogar zehn Prozent Rabatt eingeräumt. Wahrscheinlich, weil die Ladeninhaberin ihre Mutter kannte.
Florian, der Charmeur
Als Jana mit dem Paket in der Rechten und einer vollen Einkaufstasche vor dem Laden stand, hatte ein junger Mann sie angesprochen, ob er ihr beim Tragen helfen könne, das Paket sähe aus, als sei es zu schwer für eine so zarte Lady wie sie. Ein Gentleman, hatte Jana bei sich gedacht. So viel Charme war sie nicht gewohnt. Der Mann in Cordhosen, Flanellmantel und hellrosa Mütze stellte sich als Florian vor und lud sie gleich zu einem Kaffee ins nächste Restaurant ein.
Florian warf immer wieder Blicke zum Paket, das er neben ihr auf den Tisch gestellt hatte. Er liess den Kaffee in der Tasse kreisen und nahm den letzten Schluck.
«Was ist in der Pappschachtel?», fragte er.
Jana blickte in sein Gesicht, blaue Augen, dunkler Schnauz, ein Musiker vielleicht? Auf jeden Fall sehr sympathisch. Es konnte nicht schaden, ihm zu sagen, was sie für Mama gekauft hatte, dachte sie, löste die Verschnürung um das Paket, und hob auf allen Seiten der Schachtel die Deckel an.
Ausgiebig bewunderte er den Tontopf von allen Seiten.
«Wozu kann man das Ding denn verwenden?», erkundigte er sich stirnrunzelnd, hörte ihr aufmerksam zu, als sie wiederholte, was die Verkäuferin über den Topf gewusst hatte.
das Foto
«Aha, zum Kochen im Backofen», sagte er. «Da wäre ich nie draufgekommen. Ich finde ihn schön. Deine Mutter wird sich bestimmt sehr über den schönen Topf freuen. Darf ich mal?» Er hob den Topfdeckel und schaute den unteren Teil des Topfes interessiert an. «Darf ich ein Foto von dem Topf machen? Ich möchte eventuell für meine Mutter auch einen kaufen.»
«Okay», antwortete Jana. «Aber wäre das Foto nicht schöner, wenn etwas im Topf drin wäre? In meiner Einkaufstasche habe ich Fleisch und Gemüse. Würde der Römertopf nicht besser aussehen mit solchen Dingen drin?»
«Gute Idee. Ich mache das, wenn du erlaubst.»
Derweil Florian mit Lauch, Rüben, Blumenkohl und Tomaten im Topf arrangierte, trank Jana den Rest Glühwein aus und verschluckte sich dabei. Der Husten war so stark, dass sie ruckartig aufstand und zum Kellner an der Theke eilte, um ihn um ein Glas Wasser zu bitten.
noch einen
«Mal schauen, was im letzten Geschenk ist», sagte die Mutter mit lauter Stimme und holte ihre Tochter in die Gegenwart zurück. Sie entfernte das Geschenkpapier von Janas Paket und strich es sorgfältig glatt.
Jana hielt die Luft an. Oh, je! Gleich würde Mama aus vollem Hals losprusten. Nie hätte sie gedacht, dass das ihr sorgsam ausgesuchten Geschenk für Mama ein Reinfall werden könnte. Wie hätte sie auch ahnen können, dass ihre beiden Tanten dieselbe Schenkidee gehabt hatten wie sie? Drei Römertöpfe als Geschenk für Mama am selben Weihnachtsabend. Wann hat es das schon mal gegeben?
Plötzlich war es im Wohnzimmer mucksmäuschenstill. Sprachlos sahen auf das, was die Mutter mit beiden Händen aus dem Römertopf hervorgeholt hatte. Es sah aus wie die Beute in einem Piratenfilm, wie in Pirates oft the Caribbean: Perlenketten, Goldketten, Golduhren, Colliers. Es glitzerte und funkelte im schummrigen Kerzenlicht von der geschmückten Weihnachtstanne im Wohnzimmer.
der Schmuck
Um einen Schrei zu unterdrücken, schlug Jana die Hand vor den Mund. Wie war der Schmuck in den Topf hineingekommen? Wer spielte ihr einen Streich? Was wohl Mama jetzt von ihr dachte?
Fieberhaft suchte Jana nach einer Erklärung, wie der Schmuck in den Topf hatte gelangen können.
«Mama, Der Schmuck ist nicht echt. Das sind alles Attrappen. Von H&M. Die Verkäuferin wollte den Tand wegwerfen. Da habe ich sie gefragt, ob sie mir den Schmuck geben könne», sagte Jana verlegen und überspielte ihre Angst vor einer Strafe.
«Das soll ich dir glauben? So ein Unsinn», sagte die Mutter.
Jana zuckte mit den Schultern. «Ich wollte, dass mein Geschenk etwas besonders ist. Das ist es doch. Oder?»
«Das wäre es. Ohne den Schmuck. Deine Erklärung klingt eindeutig unehrlich. Soweit ich das beurteilen kann, ist der Schmuck echt.» Sie zog die Augenbrauen zusammen und schaute Jana mit seinem stechenden Blick an. «Ich möchte jetzt die Wahrheit von dir hören, Jana. Also, woher hast du …?»
Besuch an Weihnachtsabend
Ein Hämmern an der Haustür unterbrach sie. Es hatte schon dreimal geklingelt, nur hatte es keiner von unserer Familie wahrgenommen. Papa fluchte und lief eilig aus dem Wohnzimmer. Überrascht sah Jana, wie Mama schnell den Schmuck dorthin zurücklegte, wo er vorher, und setzte den Deckel wieder auf.
Hätte ich auch gemacht, dachte Jana, wer weiss schon, welche Leute an Weihnachten um zehn Uhr abends zu uns kommen wollen.
der Verdacht
Im nächsten Moment standen zwei Polizisten im Wohnzimmer. Die Bijouterie Zum Goldenen Schloss in der Briger Innenstadt sei beraubt worden. Wertvoller Schmuck, vor allem Halsketten und allerhand wertvolle Juwelen seien gestohlen worden. Vermutlich handle es sich beim Täter um einen jungen Mann mit hellrosa Mütze. Die Überwachungskameras an den Gebäuden rings um den Laden und in der Innenstadt hätten gezeigt, dass zur selben Zeit, als der Einbruch stattgefunden hat, sich Jana in der Nähe des Ladens aufgehalten habe. Sie sei zusammen mit dem Mann in hellrosa Mütze gesehen worden.