Ich wollte einen Busen haben wie meine Freundin Eliane. Sie trug schon einen Büstenhalter, nur bei mir tat sich nichts. Meine Brust war flach wie ein Brett.
Am Tag von Heiligabend stöberte ich in Mutters Kommode und fand einen hautfarbenen Büstenhalter. Ich zog ihn an und stopfte ein paar Stofftaschentücher in die leeren Schalen. Als ich mich von der Seite her im Spiegel betrachtete, sah ich eine kurvenreiche Frau. Mich!
Wir hatten eine kleine Tankstelle mit zwei Zapfsäulen von BP, eine für Benzin, eine für Diesel. Es war hauptsächlich Mutter, die den Leuten die Autos betankte. Bei jedem Wetter, zu jeder Zeit, rannte sie die Treppe von unserer Wohnung hinunter zur Tankstelle. Meist reinigte sie , während das Benzin in den Tank strömte, die Scheiben der Autos. Mit den Jahren zeigten ihre Hände immer mehr Risse und Schrunden, doch sie klagte nie. Wenn ich nicht zu faul war, entlastete ich sie ein wenig und lief an ihrer Stelle hinunter zu den Zapfsäulen. Oft lernte ich dabei interessante Männer kennen, die mit mir flirteten. Natürlich bediente ich auch die Damen, versteht sich.
An jenem Heiligabend, ich war schon zwölf, klingelte die Glocke von der Tankstelle unten. Und schon begann der übliche Streit, wer denn jetzt vom Tisch aufstand, die Pommes kalt werden lässt und womöglich kein geschnittenes Rindfleisch mehr bekommt. Seufzend opferte ich mich und lief die Treppe hinunter. Unten stand ein junger Mann mit schwarzem kinnlangem Haar. Er sah aus wie der Mann meiner Träume, wie der Prinz im Film «Drei Nüsse für Aschenbrödel». Ohne Busen fühlte ich mich wie ein Aschenbrödel. Aber jetzt hatte ich ja einen Busen, geformt vom Büstenhalter meiner Mutter und den Taschentüchern, sah es aus, als hätte ich einen.
Während ich seinem Wagen Benzin nachfüllte, konnte ich ihn in aller Ruhe anschauen. Mir klopfte das Herz bis zum Hals. Als ich das Geld einkassierte, kam er mir ganz nahe. Ich roch sein Aftershave. Er neigte sich zu meinem Mund, gleichzeitig bewegte sich seine rechte Hand auf meinen Busen, drückte ihn, liess ihn aber sofort wieder los, als er merkte, dass da garkeiner war. Mit einem unterdrückten Schrei rannte ich weg von ihm. Aus meinem Versteck sah ich, wie er in den Wagen stieg und losfuhr. Meine Enttäuschung war enorm. Endlich hätte ich nicht mehr zum Klub der Ungeküssten gehört.
Niedergeschlagen zog ich Mutters BH aus und legte ihn zusammen mit den Taschentüchern zurück in ihre Kommode.
Zwei Tage später klingelte der Postbote und brachte ein längliches Paket. Als Mutter die Empfängeradresse las, lachte sie laut auf.
An das blonde Mädchen von der Tankstelle
Sie hatte zwei blonde Töchter. Doch ihr war sofort klar, welche von beiden gemeint war. Meine Schwester Sabine war erst sechs und war noch zu klein, um als Tankwartin eingesetzt zu werden. Mutter brachte mir das Paket und blieb neben mir stehen. Auf keinen Fall wollte sie sich entgehen lassen, was der Unbekannte mir schickte.
Ich zögerte eine Weile, wartete darauf, dass ich mein Paket ohne sie öffnen konnte, denn ich hatte keine Ahnung, was der Absender hineinverpackt hatte und es war möglich, dass der Inhalt mich in Verlegenheit bringen konnte oder dass sich daraus der Absender erraten liess.
Meine Wangen wurden rot und röter. Mutter wich immer noch nicht von meiner Seite. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Paket zu öffnen. Mit zitternden Fingern riss ich das Packpapier auf und öffnete den Deckel der Schachtel. Ein roter Büstenhalter auf schwarzem Seidenpapier lag darin und auf einem roten Kärtchen war zu lesen: Cup A = für das blonde Girl vom Heiligabend.
Jana nagte an ihrem rechten Daumen. Ihre Augen wanderten zum wiederholten Mal über den Berg von Geschenken auf dem Stubentisch. Wo war denn das Geschenk, das sie für ihre Mama gekauft und mit viel Sorgfalt eingepackt hatte? Es konnte doch nicht sein, dass es verloren gegangen war.
Ihre Mutter packte ein ums andere Geschenk aus. Bisher gingen alle an ihre fünf Brüder und ihre Schwester. Nur Jana hatte noch keins bekommen. Dabei war sie ganz sicher, ein paar von ihren beiden Tanten Lisa und Crescentia zu bekommen. Grosszüge Geschenke wie all die Jahre zuvor. Hatten die Tanten beschlossen, ihr nichts mehr zu schenken, weil sie schon sechzehn war?
Jana hat noch kein Geschenk bekommen
Neidisch streiften Janas Blicke über die Geschenke, die ihre Geschwister bekommen hatten. Möglich, dass Mama genau wusste, welche Geschenke von wem stammten und für wen sie bestimmt waren. Hatte sie absichtlich mit dem Geschenk für den jüngsten Bruder begonnen? Als Drittälteste wäre jetzt doch sie an der Reihe.
Hegt Mama einen Groll gegen mich, fragte sich Jana, weil ich beim Weihnachtsessen das Tischtuch in Brand gesetzt habe? Ich kann wirklich nichts dafür, dass zwei der Kerzen im goldenen Kerzenständer umgefallen sind, als ich Papa Wein nachschenken wollte. Und wer hat dann das Feuer sofort mit dem Wasser aus der Karaffe gelöscht? Das war ich, niemand sonst. Gespannt sah sie, Mama ein voluminöses Paket auspacken. Es musste schwer sein, denn ihr Bizeps war unter dem engen T-Shirt deutlich zu erkennen.
Römertopf
Im nächsten Augenblick zog die Mutter einen ovalen Topf mit einem Deckel aus der Schachtel. Sie hob den Deckel an, holte eine Broschüre aus dem Topf und überflog rasch die Seiten.
«Das ist ein Römertopf. Aus Keramik. Damit kann man gesund und vielseitig kochen. Die Römer haben anscheinend ähnliche Tontöpfe verwendet.»
Oh, nein, dachte Jana, das darf nicht wahr sein. Enttäuscht schloss sie die Augen. So ein Scheiss! Tante Crescentia hat Mama einen Römertopf geschenkt. Mit diesem blöden Topf hat mir meine Taufpatin den Abend verdorben. Jetzt ist mir egal, was Crescentia mir schenkt. Hoffentlich keinen weiteren Pullover wie die letzten Jahre. Der flaschengrüne Kapuzenpullover vom Vorjahr war ihr Lieblingsstück. So einen gab es nicht noch einmal. Sie wünschte sich keinen neuen. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass mein Geschenk für Mama verloren gegangen ist. Aber wo ist es denn?
noch ein Römertopf
Für Jana wurde der Weihnachtsabend zu einem bösen Traum, aus dem sie am liebsten möglichst schnell aufgewacht wäre. Doch es kam noch schlimmer. Das Geschenk von Tante Lisa für Mama entpuppte sich ebenfalls als Römertopf. Gequält schloss Jana die Augen, als könne sie diesen Topf wegzaubern.
Zwei Töpfe! Das war einer zu viel, dachte wohl die Mutter und packte den Römertopf wieder in die Geschenkschachtel hinein.
Danach kam Jana an die Reihe mit den Geschenken. Mit einem gespielten Lächeln nahm sie von ihrer Mutter drei Geschenke von Tante Lisa und Crescentia entgegen: Eine iWatch, ein Buch mit dem Titel «Tschick», eine Geschichte von zwei Jungen, die mit einem Auto irgendwelche Abenteuer erlebten, einen rosafarbenen Pullover mit einem Barbie-Schriftzug und sechs Dessertgabeln für Janas bald vollständige Silberbesteck-Aussteuer.
Barbie-Pullover
Jana konnte sich nicht recht über die grosszügigen Geschenke freuen. Was sollte sie mit einer Geschichte über zwei Jungen? Den Barbie-Film hatte sie doof gefunden. Dieser Film über eine Puppe war geschmacklos. Und dann erst dieser weichgespülte Ken! Kein Mann, der ihr Herz höherschlagen liesse. Hätte ihre Freundin sie nicht überredet, wäre ihr der Film erspart geblieben. Stirnrunzelnd beschloss Jana, den Pullover so bald als möglich ganz hinten in ihrem Schrank verschwinden zu lassen. Die iWatch von Tante Lisa hingegen war echt toll.
Ein Blick zum Stubentisch, wo nur noch ein einziges Geschenk lag, liess Janas Herz schneller schlagen: Da war es ja! Endlich würde Mama Janas Geschenk auspacken. Aufgeregt rutschte Jana auf dem Sofa mit dem Hintern nach vorn, bis zur Kante. All Ihr Taschengeld, das sie hatte erübrigen können, hatte sie für Mamas Geschenk gespart. Im Haushaltwarenladen hatte man ihr sogar zehn Prozent Rabatt eingeräumt. Wahrscheinlich, weil die Ladeninhaberin ihre Mutter kannte.
Florian, der Charmeur
Als Jana mit dem Paket in der Rechten und einer vollen Einkaufstasche vor dem Laden stand, hatte ein junger Mann sie angesprochen, ob er ihr beim Tragen helfen könne, das Paket sähe aus, als sei es zu schwer für eine so zarte Lady wie sie. Ein Gentleman, hatte Jana bei sich gedacht. So viel Charme war sie nicht gewohnt. Der Mann in Cordhosen, Flanellmantel und hellrosa Mütze stellte sich als Florian vor und lud sie gleich zu einem Kaffee ins nächste Restaurant ein.
Florian warf immer wieder Blicke zum Paket, das er neben ihr auf den Tisch gestellt hatte. Er liess den Kaffee in der Tasse kreisen und nahm den letzten Schluck.
«Was ist in der Pappschachtel?», fragte er.
Jana blickte in sein Gesicht, blaue Augen, dunkler Schnauz, ein Musiker vielleicht? Auf jeden Fall sehr sympathisch. Es konnte nicht schaden, ihm zu sagen, was sie für Mama gekauft hatte, dachte sie, löste die Verschnürung um das Paket, und hob auf allen Seiten der Schachtel die Deckel an.
Ausgiebig bewunderte er den Tontopf von allen Seiten.
«Wozu kann man das Ding denn verwenden?», erkundigte er sich stirnrunzelnd, hörte ihr aufmerksam zu, als sie wiederholte, was die Verkäuferin über den Topf gewusst hatte.
das Foto
«Aha, zum Kochen im Backofen», sagte er. «Da wäre ich nie draufgekommen. Ich finde ihn schön. Deine Mutter wird sich bestimmt sehr über den schönen Topf freuen. Darf ich mal?» Er hob den Topfdeckel und schaute den unteren Teil des Topfes interessiert an. «Darf ich ein Foto von dem Topf machen? Ich möchte eventuell für meine Mutter auch einen kaufen.»
«Okay», antwortete Jana. «Aber wäre das Foto nicht schöner, wenn etwas im Topf drin wäre? In meiner Einkaufstasche habe ich Fleisch und Gemüse. Würde der Römertopf nicht besser aussehen mit solchen Dingen drin?»
«Gute Idee. Ich mache das, wenn du erlaubst.»
Derweil Florian mit Lauch, Rüben, Blumenkohl und Tomaten im Topf arrangierte, trank Jana den Rest Glühwein aus und verschluckte sich dabei. Der Husten war so stark, dass sie ruckartig aufstand und zum Kellner an der Theke eilte, um ihn um ein Glas Wasser zu bitten.
noch einen
«Mal schauen, was im letzten Geschenk ist», sagte die Mutter mit lauter Stimme und holte ihre Tochter in die Gegenwart zurück. Sie entfernte das Geschenkpapier von Janas Paket und strich es sorgfältig glatt.
Jana hielt die Luft an. Oh, je! Gleich würde Mama aus vollem Hals losprusten. Nie hätte sie gedacht, dass das ihr sorgsam ausgesuchten Geschenk für Mama ein Reinfall werden könnte. Wie hätte sie auch ahnen können, dass ihre beiden Tanten dieselbe Schenkidee gehabt hatten wie sie? Drei Römertöpfe als Geschenk für Mama am selben Weihnachtsabend. Wann hat es das schon mal gegeben?
Plötzlich war es im Wohnzimmer mucksmäuschenstill. Sprachlos sahen auf das, was die Mutter mit beiden Händen aus dem Römertopf hervorgeholt hatte. Es sah aus wie die Beute in einem Piratenfilm, wie in Pirates oft the Caribbean: Perlenketten, Goldketten, Golduhren, Colliers. Es glitzerte und funkelte im schummrigen Kerzenlicht von der geschmückten Weihnachtstanne im Wohnzimmer.
der Schmuck
Um einen Schrei zu unterdrücken, schlug Jana die Hand vor den Mund. Wie war der Schmuck in den Topf hineingekommen? Wer spielte ihr einen Streich? Was wohl Mama jetzt von ihr dachte?
Fieberhaft suchte Jana nach einer Erklärung, wie der Schmuck in den Topf hatte gelangen können.
«Mama, Der Schmuck ist nicht echt. Das sind alles Attrappen. Von H&M. Die Verkäuferin wollte den Tand wegwerfen. Da habe ich sie gefragt, ob sie mir den Schmuck geben könne», sagte Jana verlegen und überspielte ihre Angst vor einer Strafe.
«Das soll ich dir glauben? So ein Unsinn», sagte die Mutter.
Jana zuckte mit den Schultern. «Ich wollte, dass mein Geschenk etwas besonders ist. Das ist es doch. Oder?»
«Das wäre es. Ohne den Schmuck. Deine Erklärung klingt eindeutig unehrlich. Soweit ich das beurteilen kann, ist der Schmuck echt.» Sie zog die Augenbrauen zusammen und schaute Jana mit seinem stechenden Blick an. «Ich möchte jetzt die Wahrheit von dir hören, Jana. Also, woher hast du …?»
Besuch an Weihnachtsabend
Ein Hämmern an der Haustür unterbrach sie. Es hatte schon dreimal geklingelt, nur hatte es keiner von unserer Familie wahrgenommen. Papa fluchte und lief eilig aus dem Wohnzimmer. Überrascht sah Jana, wie Mama schnell den Schmuck dorthin zurücklegte, wo er vorher, und setzte den Deckel wieder auf.
Hätte ich auch gemacht, dachte Jana, wer weiss schon, welche Leute an Weihnachten um zehn Uhr abends zu uns kommen wollen.
der Verdacht
Im nächsten Moment standen zwei Polizisten im Wohnzimmer. Die Bijouterie Zum Goldenen Schloss in der Briger Innenstadt sei beraubt worden. Wertvoller Schmuck, vor allem Halsketten und allerhand wertvolle Juwelen seien gestohlen worden. Vermutlich handle es sich beim Täter um einen jungen Mann mit hellrosa Mütze. Die Überwachungskameras an den Gebäuden rings um den Laden und in der Innenstadt hätten gezeigt, dass zur selben Zeit, als der Einbruch stattgefunden hat, sich Jana in der Nähe des Ladens aufgehalten habe. Sie sei zusammen mit dem Mann in hellrosa Mütze gesehen worden.
Ich liebe es Geschenke auszupacken. Noch mehr liebe ich es, welche einzupacken. Ich stelle mir dann vor, wie die beschenkte Person reagieren wird, wie sie überrascht sein wird, wie sie Freude ausstrahlen wird. Die Freude fühle ich dann ganz warm in meinem Herzen.
Kennst du jemand, der einen spannenden Krimi über alles schätzt? Dann würde diese Person einen weiteren Krimi bestimmt schätzen. Hier mein Geschenktipp für dich im Video.
Nützliche Geschenke
Einer meiner fünf Brüder dachte lange darüber nach, was er unserer Mama schenken könnte. Das Geschenk durfte auf keinen Fall viel kosten. Er wollte sein Taschengeld sparen. Für wichtigere Dinge. Mama hatte doch schon alles.
die Idee
Da hatte er auf einmal eine Idee, was er ihr schenken könnte. Etwas, das nützlich und billig war. Heimlich kaufte er es im Supermarkt nebenan. Dort fand er auch gleich in einer Ecke Geschenkpapier und eine leere Schachtel. Als er fertig war, sah das Geschenk ganz ordentlich aus. Er war stolz auf sich.
Wie jeden Weihnachtsabend sassen wir nach dem Festessen im Wohnzimmer, wo der geschmückte Tannenbaum bis an die Decke reichte und die aufgestapelten Geschenke die Erfüllung kühnster Träume versprach. Wer würde welche Geschenke bekommen? Wer mehr als der andere beschenkt werden?
Als Mama das Geschenk meines Bruders öffnete, blieb ihr zunächst vor Überraschung der Mund offen stehen, doch dann lächelte sie nur ein zartes Lächeln, anstatt meinen Bruder für sein Geschenk auszulachen. Fürs Auslachen hätten wir Geschwister danach bestimmt gesorgt, wenn nicht Mama uns mit einer Geste Stillschweigen geboten hätte.
derKartoffelschäler
Er hatte ihr einen Kartoffelschäler geschenkt, weil sie so wunderbar kochte und er seit langem hoffte, seine Magerkeit überwinden zu können. Dann würden ihn seine Kollegen nicht immer hänseln, er sei ein schmächtiger „Strich in der Landschaft“ .
Ist die Geschichte wahr?
Ja, ich habe wirklich fünf Brüder? Und eine Schwester.
Mein zweitjüngster Bruder hat unserer Mama wirklich als Kind einen Kartoffelschäler zu Weihnachten geschenkt.
Weihnachtszeit – Zeit einander Freude zu bereiten. Mit diesem Beitrag schenke ich dir ein paar Tipps für dein Festtagsessen und als Nachspeise eine Portion Lesefreude.
Rezept für Fondue Chinoise Saucen
Fondue Chinoise ist unkompliziert in der Vorbereitung. Ohne Stress und stundenlange Vorbereitung hat man die Mahlzeit im Nu auf dem Tisch. Niemand muss stundenlang in der Küche stehen.
Ich nehme immer Rindsfilet und lasse es vom Metzger in Würfel schneiden.
Bei Fondue Chinoise wird das Fleisch dünn geschnitten. Ich finde, das ist schade um das Fleisch. In Würfel geschnitten hat es viel mehr Geschmack. Und in Bouillon schmeckt es besser als in Öl gebraten wie in Fondue Bourguignon.
Neben dem Fleisch spielen die Saucen die Hauptrolle. Man kann natürlich Döschen mit Fertigsaucen öffnen. Wie viel besser schmecken da doch die selbst gemachten Saucen. Wenn man die Mayonnaise nicht selbst zubereitet, geht das schnell. Wie ich die Saucen zubereite siehst du im Video. Hier noch das Rezept dazu.
Die kräftige Bouillon, in die man das Fleisch eintaucht, kann man mit Rotwein verfeinern. Am Ende kann man die Brühe gemeinsam in einem Schälchen trinken oder für eine Suppe am folgenden Tag verwenden.
Geniesse das Essen gemeinsam mit deiner Familie oder Freunden. Ich wünsche dir schöne Festtage und alles Gute fürs Jahr 2023.
Kochtipps und Weihnachtsgeschichte
Die Idee, in Gesellschaft Fleischhäppchen in eine Bouillon zu tauchen, ist vom asiatischen Feuertopf inspiriert. „Fondue“ heisst auf Französisch bekanntlich „geschmolzen“. Zum Glück schmilzt das Fleisch beim Fondue Chinoise nicht.
Bei uns bringt an Weihnachten das Christkind die Geschenke, nicht der Weihnachtsmann. Meine jüngere Schwester, meine fünf Brüder und ich konnten es jeweils kaum erwarten, dass es Heiligabend wurde, schon wegen den Geschenken und dem guten Essen.
Vor der Bescherung durften wir die Küche nicht verlassen. Brav sassen wir am langen Esstisch in der Küche. Mama schloss die Küchentür und war danach eifrig damit beschäftigt, das Dessert zuzubereiten. Wir Kinder spielten Eile mit Weile. Es ging also ziemlich laut zu und her in der warmen Küche, die noch vom Duft des genossenen Fondue Chinoise erfüllt war.
Das Christkind vor der Tür?
Papas Schritte im Flur hörten wir deshalb nicht. Er wartete natürlich nicht bei der Haustür, um das Christkind zu empfangen. Nein, nein. Das hatte ich mal ausgespäht. Bis er alle Geschenke für uns vom Elternschlafzimmer ins Wohnzimmer getragen hatte, dauerte es eine Weile. Angespannt spitzten wir Kinder die Ohren, um keinen Fall das helle Läuten des Glöckleins jenseits der Küchentür zu verpassen. Das Zeichen, dass das Christkind uns besuchte hatte.
Das war immer der Startschuss für uns. Wir rannten so schnell als möglich ins Wohnzimmer, um einen guten Platz mit Aussicht auf den Geschenktisch zu ergattern. Am Weihnachtsbaum brannten schon die Kerzen, spiegelten sich in den roten Kugeln wider. Uns interessierte nur noch eines: Wer von uns würde das schönste, das teuerste, das grösste Geschenk bekommen?
Weihnachtslieder
Kaum sass mein ältester Bruder auf dem besten Platz, dirigierte ihn Mutter ans Klavier. Die sonore Stimme meines Vaters hob an. Da er gerne bei Operetten auf seinen Schallplatten mitsang, übertönte er unsere Kinderstimmen bei weitem. Wohl oder übel sangen wir mit:
«O Tannenbaum». Ich dachte an die blöden Nadeln, die ich später mühsam vom Spannteppich saugen musste.
Und «O du fröhliche» Ich fühlte mich überhaupt nicht fröhlich, denn ich hatte Bauchkrämpfe, weil ich zu viel und zu schnell gegessen hatte und ich fühlte, dass mir gleich schlecht werden würde.
Endlich das letzte Lied: «Es ist ein Ros entsprungen». Ich habe nie gewusst, was mit ‘Ros’ gemeint war, wahrscheinlich das Jesuskind.
Ich hätte gescheiter nicht von Papas Wein trinken sollen.
Meine älteren Brüder
Der Zweitälteste schloss mit Wucht den Deckel des Klaviers, auf die Finger meines zweitältesten Bruders, die immer noch auf den Tasten klimperten. Ein Wehgeschrei ging los. Vor Schmerz hob mein ältester Bruder den Deckel wieder an, schüttelte die Finger, blies mit dem Mund auf die Stellen, wo es besonders weh tat, ballte dann die Hände zu Fäusten und boxte auf den Bauch seines Peinigers.
Papa zog beide am Ohr und bugsierte sie zur Strafe in ihre Zimmer. Mutter schüttelte besorgt den Kopf, fing aber endlich an, die Pakete auszupacken. An jedem hing ein kleines Kärtchen mit dem Namen des Beschenkten. War ein Paket ausgepackt, glättete sie jedes der Geschenkpapiere sorgfältig, um sie nächstes Jahr wieder zu verwenden.
Gitarre
Ich bekam das grösste Geschenk: Eine Gitarre, von meiner Taufpatin. Ich zupfte ein paar Mal an deren Saiten und lehnte die Gitarre danach ans Sofa. Der jüngste Bruder in Windeln am Hintern und Schnuller im Mund brachte sie bald darauf zum Kippen.
Mir war inzwischen weniger schlecht als befürchtet, aber ich hatte natürlich noch etwas viel Stärkeres als Wein getrunken. Ich hatte Mama am Nachmittag geholfen, die Tanne mit Christbaumkugeln und Kerzen zu schmücken. Unauffällig hatte ich mich bei der Gelegenheit in Papas Spirituosenbar in der Wohnwand bedient und ein Fläschchen in meiner Hosentasche mitgehen lassen.
Wie heisst es so schön? Ein Schnäpschen in Ehren kann niemand verwehren und es helfe bei der Verdauung. Deshalb habe ich beim letzten Toilettengang das Fläschchen bis auf den letzten Tropfen ausgetrunken. Es half tatsächlich. Komisch war nur, ich sah meine Familie mit völlig anderen Augen, in einem viel sanfteren Licht.
Teddybär
Mein Bruder, der nur ein Jahr jünger war als ich, zwinkerte mir ständig zu. Er hatte einen grossen Teddybären von seinem Paten geschenkt bekommen, er hätte aber lieber meine Gitarre gehabt. Leider war er stärker als ich und riss mir meine Gitarre weg. Mir fehlte die Kraft, mich dagegen zu wehren. Ich sann auf Rache. Als er eine Weile nicht hinschaute, nahm ich die Schere vom Salontisch, schnitt eine Saite an zwei Stellen durch und riss sie weg. Mit der Saite erdrosselte ich seinen Teddybären.
Mama sah plötzlich, was los war und verpasste mir eine Ohrfeige. Mein Kopf flog zur Seite. Ich fand das ungerecht. Vor Wut warf ich den Teddybären in Richtung Weihnachtsbaum. Der Kopf des Teddybären fiel ab und landete auf einer brennenden Kerze der Weihnachtstanne, fiel danach auf das Jesuskind und setzte das Stroh in der Krippe in Brand. Oh, du fröhliche!