Alle Beiträge von Brigitta Winkelried

Kriminalmuseum

Wie kann deine Wohnung, dein Haus in Brand geraten, ohne dass ein Brandstifter am Werk war? Oder ohne dass man dich, beim Feuerlegen erwischt?

Hast du einen Tresor zuhause? Wenn ja: Hast du das Gefühl, deine Wertsachen seien dort sicher?

Die Antwort auf diese beiden Fragen kannst du bekommen, wenn du wie ich das Kriminalmuseum in Bern besucht hättest. Oder indem du diesen Text liest und / oder mein Video zu diesem Blog schaust. Für Krimi-Fans ist der Besuch eines Kriminalmuseums ein Muss.

Das Kabinett der Abgründe

So betitelte einmal die Berner Zeitung ihren Bericht über das Museum. Mord, Diebstahl, Erregung öffentlichen Ärgernisses, solche und ähnliche Verbrechen sind im Kriminalmuseum der Kantonspolizei  Bern dokumentiert.

Bild der Berner Zeitung: Diese angsteinflössenden Masken gelangten von den Gesichtern der gefassten Räuber direkt in den Ausstellungsraum.

kein öffentliches Museum.

In erster Linie dient es der Ausbildung von angehenden Polizistinnen und Polizisten. Auf Gesuch hin können Gruppen das Museum besuchen. Die Führung durch einen Spezialisten der Kriminalpolizei gibt Einblick in historische und aktuelle Kriminalfälle im Kanton Bern und zeigt, wie vielfältig Verbrechen sein können, zeigt wie Kriminelle ihre Verbrechen geplant und ausgeführt haben, und wie die Polizei sie überführen konnte.

Rundgang mit einem Führer

In einem Rundgang erfährt man vom Museumsführer was sich in den Fallbeispielen wirklich zugetragen hat. Hinter jedem der Ausstellungsexponate steckt eine spannende Geschichte, sei es Einbruch, Brandstiftung, Betrug, Sexualdelikte, Kapitalverbrechen oder andere Verbrechen. Es ist doch sehr erstaunlich, was im Kanton Bern doch so alles passieren kann und was sich einige (kriminelle) Leute so alles einfallen lassen.

Methoden von früher

Eine erste Kamera, um Kriminelle fotografisch festzuhalten, verfügte noch über kein Zoom-Objektiv. Deshalb musste die kriminell gewordene Person im genau richtigen Abstand zur Kameralinse Platz nehmen und stillhalten. Die Fotos standen dann den Fahndern in einem Handbuch zur Verfügung, ein Art Fächerkatalog oder Nachschlagewerk der Kriminellen. Dort konnte ein Fahnder schnell nachschauen, ob ein Verdächtiger schon einmal straffällig geworden war. Heute hat man dafür das Handy. Der Polizist scannt die Identitätskarte, für eine schnelle Fahndung, ist das sehr praktisch.

Vermessung des Kriminellen

Zunächst hat man 1915 damit begonnen, die Täter zu vermessen. Man hoffte, damit würde er nicht noch einmal straffällig werden, wenn die Polizei seine Messdaten hatte und ihn schnell identifizieren konnte.

Fingerabdrücke – wichtigste Spuren

Kein Rillenprofil auf der Kuppe eines menschlichen Fingers gleicht einem anderen. Im späten 19. Jahrhundert begannen Ermittler diese wissenschaftliche Erkenntnis zu nutzen, um Kriminelle eindeutig zu identifizieren. Am Anfang presste man ihre Daumen erst auf ein Stempelkissen und dann auf ein Blatt Papier. Das Vergrößerungsglas zeigte dann, ob zum Beispiel das Muster mit einem blutigen Abdruck auf einer Tür übereinstimmte.

Fingerabdrücke von Zwillingen

Nach wie vor stützt sich die Polizei bei der Aufklärung von Verbrechen auf die zuverlässigen herkömmlichen Methoden, wie die Auswertung von Finger-, Ohr- und/oder Schuh- und sonstigen Spuren (Mikrospuren etc.). Jeder Mensch hat einmalige Fingerabdrücke. Einige Zwillinge haben nicht die gleichen Fingerabdrücke. Das gilt jedoch nicht für ihre DNA, denn die ist bei Zwillingen dieselbe.

Digitaler Abgleich

Heute verläuft alles digital. Die Abdrücke werden abgespeichert, im System eingelesen und mit den Datenbanken für Spuren und derjenigen für Personen abgeglichen. Für eine saubere Identifikation braucht es zuerst einmal 12 ganz bestimmte Punkte, die bei Fingerabdrücken übereinstimmen müssen. Auch von der Handfläche wird ein Abdruck genommen, nicht nur von jedem Finger.

96 % der Weltbevölkerung ist nicht erkennungsdienstlich erfasst. Du und ich, wir sind in dieser Zahl enthalten. 😊

Wie ich mich an den Besuch des Kriminalmuseums erinnere …

Kreative Brandstiftung

Ein Ehepaar hat mit einer ausgeklügelten Konstruktion versucht, die Versicherung zu betrügen, indem sie ihr Haus in Brand setzten. Sie haben es geschafft, dass sie nicht zuhause waren, als sie ihr Haus in Flammen aufgehen liessen. Wie war das möglich?

Die Ausgangslage sah so aus: Das Ehepaar hatte sich bei der Renovation ihres Hauses überschuldet. Deshalb kamen sie auf die Idee, ihr Haus anzuzünden.

Die Konstruktion war sehr raffiniert: Eine Uhr, deren Stunden- und Minutenzeiger je mit feinen Drähten an zwei Kugellager verbunden war. Als die Zeiger sich bewegten, fielen nach einer gewissen Zeit die Kugeln hinunter, auf ein Zündhütchen und brennbares Material. Das hat gereicht.

Alibi?

Das Ehepaar war beim Brand – wie geplant – nicht zu Hause. Das Haus brannte vollständig ab. Sie hatten sozusagen ein Alibi. Was ihnen zum Verhängnis wurde: Sie haben das Fotoalbum der Kinder mitgenommen.  Nebst diesem Umstand, den Schulden und dem ganze Drumherum der Tat, haben sich für die Polizei die Zusammenhänge ergeben.

Anhand der Schilderungen des Ehepaares hat die Polizei die Konstruktion nachgebaut. Sie ist im Museum zu sehen.

Tipp

Wir alle haben heute unzählige elektrische Gerät und Kabel aller Art zuhause, die zu einer Gefahr werden können, wenn sie sich entzünden. Unser Museumsführer gab uns einen Rat: Kauft gute Qualität, nicht Billiggeräte oder Billigkabel. Und installiert Brandmelder in eurer Wohnung. Oftmals werden Brandopfer bewusstlos und merken gar nicht, dass es brennt.

Bild: Pistole Marke Eigenbau, Anleitungen zum Bombenbau

Tresor zuhause

Die ausgestellten Exemplare von Tresoren im Museum waren entweder kalt aufgebrochen worden, mit verschiedenen Messern, oder mit Schneidbrenner, mit Körpergewicht, sogar mit einem Trafo. Winkelschneider kommen am häufigsten zum Einsatz. Deshalb rät unsere Museumsführer: Kauft euren Tresor nicht im Hobbymarkt. Der bietet nur schlechte Qualität, die Tresore sehen schwer aus.

Wichtig ist eine gute Wandung. Die Füllung der Tresore ist oft teils nur aus Sand, manche haben Steinwolle, das brennt zwar nicht. Die guten Tresore haben aber eine Wandung aus Betongemisch. Die Verriegelung sollte von allen vier Seiten ausgehen, das Scharnier innen liegen. Außerdem sollte der Tresor verankert sein, damit man ihn nicht einfach abtransportieren kann.

Virtueller Tatort

Die dreidimensionale Erfassung eines Tatorts gehört schon seit ein paar Jahren zum Berner Polizeialltag. Schon seit längerem werden Tatorte digital mit verschiedenen Scannern vermessen. Mehr zu diesem Thema konnten unsere Gruppe nicht mehr erfahren, denn die nächste Führung stand an.

Bild: Mit einer VR-Brille können Spezialisten und Zeugen einen Tatort virtuell besichtigen.

weihnächtliches Potpourri

Weihnachtszeit – Zeit einander Freude zu bereiten. Mit diesem Beitrag schenke ich dir ein paar Tipps für dein Festtagsessen und als Nachspeise eine Portion Lesefreude.

Rezept für Fondue Chinoise Saucen

Fondue Chinoise ist unkompliziert in der Vorbereitung. Ohne Stress und stundenlange Vorbereitung hat man die Mahlzeit im Nu auf dem Tisch. Niemand muss stundenlang in der Küche stehen.

Ich nehme immer Rindsfilet und lasse es vom Metzger in Würfel schneiden.

Bei Fondue Chinoise wird das Fleisch dünn geschnitten. Ich finde, das ist schade um das Fleisch. In Würfel geschnitten hat es viel mehr Geschmack. Und in Bouillon schmeckt es besser als in Öl gebraten wie in Fondue Bourguignon.

Neben dem Fleisch spielen die Saucen die Hauptrolle. Man kann natürlich Döschen mit Fertigsaucen öffnen. Wie viel besser schmecken da doch die selbst gemachten Saucen. Wenn man die Mayonnaise nicht selbst zubereitet, geht das schnell. Wie ich die Saucen zubereite siehst du im Video. Hier noch das Rezept dazu.

Die kräftige Bouillon, in die man das Fleisch eintaucht, kann man mit Rotwein verfeinern. Am Ende kann man die Brühe gemeinsam in einem Schälchen trinken oder für eine Suppe am folgenden Tag verwenden.

Geniesse das Essen gemeinsam mit deiner Familie oder Freunden. Ich wünsche dir schöne Festtage und alles Gute fürs Jahr 2023.

Kochtipps und Weihnachtsgeschichte

Die Idee, in Gesellschaft Fleischhäppchen in eine Bouillon zu tauchen, ist vom asiatischen Feuertopf inspiriert. “Fondue” heisst auf Französisch bekanntlich “geschmolzen”. Zum Glück schmilzt das Fleisch beim Fondue Chinoise nicht.

Meine Weihnachtsgeschichte

Bei uns bringt an Weihnachten das Christkind die Geschenke, nicht der Weihnachtsmann. Meine jüngere Schwester, meine fünf Brüder und ich konnten es jeweils kaum erwarten, dass es Heiligabend wurde, schon wegen den Geschenken und dem guten Essen.

Vor der Bescherung durften wir die Küche nicht verlassen. Brav sassen wir am langen Esstisch in der Küche. Mama schloss die Küchentür und war danach eifrig damit beschäftigt, das Dessert zuzubereiten. Wir Kinder spielten Eile mit Weile. Es ging also ziemlich laut zu und her in der warmen Küche, die noch vom Duft des genossenen Fondue Chinoise erfüllt war.

Das Christkind vor der Tür?

Papas Schritte im Flur hörten wir deshalb nicht. Er wartete natürlich nicht bei der Haustür, um das Christkind zu empfangen. Nein, nein. Das hatte ich mal ausgespäht. Bis er alle Geschenke für uns vom Elternschlafzimmer ins Wohnzimmer getragen hatte, dauerte es eine Weile. Angespannt spitzten wir Kinder die Ohren, um keinen Fall das helle Läuten des Glöckleins jenseits der Küchentür zu verpassen. Das Zeichen, dass das Christkind uns besuchte hatte.

Das war immer der Startschuss für uns. Wir rannten so schnell als möglich ins Wohnzimmer, um einen guten Platz mit Aussicht auf den Geschenktisch zu ergattern. Am Weihnachtsbaum brannten schon die Kerzen, spiegelten sich in den roten Kugeln wider. Uns interessierte nur noch eines: Wer von uns würde das schönste, das teuerste, das grösste Geschenk bekommen?

Weihnachtslieder

Kaum sass mein ältester Bruder auf dem besten Platz, dirigierte ihn Mutter ans Klavier. Die sonore Stimme meines Vaters hob an. Da er gerne bei Operetten auf seinen Schallplatten mitsang, übertönte er unsere Kinderstimmen bei weitem. Wohl oder übel sangen wir mit:

«O Tannenbaum». Ich dachte an die blöden Nadeln, die ich später mühsam vom Spannteppich saugen musste.

Und «O du fröhliche» Ich fühlte mich überhaupt nicht fröhlich, denn ich hatte Bauchkrämpfe, weil ich zu viel und zu schnell gegessen hatte und ich fühlte, dass mir gleich schlecht werden würde.

Endlich das letzte Lied: «Es ist ein Ros entsprungen». Ich habe nie gewusst, was mit ‘Ros’ gemeint war, wahrscheinlich das Jesuskind.

Ich hätte gescheiter nicht von Papas Wein trinken sollen.

Meine älteren Brüder

Der Zweitälteste schloss mit Wucht den Deckel des Klaviers, auf die Finger meines zweitältesten Bruders, die immer noch auf den Tasten klimperten. Ein Wehgeschrei ging los. Vor Schmerz hob mein ältester Bruder den Deckel wieder an, schüttelte die Finger, blies mit dem Mund auf die Stellen, wo es besonders weh tat, ballte dann die Hände zu Fäusten und boxte auf den Bauch seines Peinigers.

Papa zog beide am Ohr und bugsierte sie zur Strafe in ihre Zimmer. Mutter schüttelte besorgt den Kopf, fing aber endlich an, die Pakete auszupacken. An jedem hing ein kleines Kärtchen mit dem Namen des Beschenkten. War ein Paket ausgepackt, glättete sie jedes der Geschenkpapiere sorgfältig, um sie nächstes Jahr wieder zu verwenden.

Gitarre

Ich bekam das grösste Geschenk: Eine Gitarre, von meiner Taufpatin. Ich zupfte ein paar Mal an deren Saiten und lehnte die Gitarre danach ans Sofa. Der jüngste Bruder in Windeln am Hintern und Schnuller im Mund brachte sie bald darauf zum Kippen.

Mir war inzwischen weniger schlecht als befürchtet, aber ich hatte natürlich noch etwas viel Stärkeres als Wein getrunken. Ich hatte Mama am Nachmittag geholfen, die Tanne mit Christbaumkugeln und Kerzen zu schmücken. Unauffällig hatte ich mich bei der Gelegenheit in Papas Spirituosenbar in der Wohnwand bedient und ein Fläschchen in meiner Hosentasche mitgehen lassen.

Wie heisst es so schön? Ein Schnäpschen in Ehren kann niemand verwehren und es helfe bei der Verdauung. Deshalb habe ich beim letzten Toilettengang das Fläschchen bis auf den letzten Tropfen ausgetrunken. Es half tatsächlich. Komisch war nur, ich sah meine Familie mit völlig anderen Augen, in einem viel sanfteren Licht.

Teddybär

Mein Bruder, der nur ein Jahr jünger war als ich, zwinkerte mir ständig zu. Er hatte einen grossen Teddybären von seinem Paten geschenkt bekommen, er hätte aber lieber meine Gitarre gehabt. Leider war er stärker als ich und riss mir meine Gitarre weg. Mir fehlte die Kraft, mich dagegen zu wehren. Ich sann auf Rache. Als er eine Weile nicht hinschaute, nahm ich die Schere vom Salontisch, schnitt eine Saite an zwei Stellen durch und riss sie weg. Mit der Saite erdrosselte ich seinen Teddybären.

Mama sah plötzlich, was los war und verpasste mir eine Ohrfeige. Mein Kopf flog zur Seite. Ich fand das ungerecht. Vor Wut warf ich den Teddybären in Richtung Weihnachtsbaum. Der Kopf des Teddybären fiel ab und landete auf einer brennenden Kerze der Weihnachtstanne, fiel danach auf das Jesuskind und setzte das Stroh in der Krippe in Brand. Oh, du fröhliche!

Gratisbuch

kein Märchen

Überraschung zum Frühstück

Am morgen früh lese ich gewöhnlich die Lokalzeitung Walliser Bote auf dem iPad. Bei einem Artikel auf Seite fünf unten stutzte ich vor ein paar Tagen. Noch nie habe ich etwas ähnliches gelesen: «Walliser dürfen dreimal pro Woche gratis ins Kino» stand da als Titel zu lesen. Ich nahm sofort einen großen Schluck Kaffee und dachte, dass ich schon lange nicht mehr im Kino war. Würde ich jetzt hingehen, wenn es von Dienstag bis Donnerstag gratis war? Wohl kaum, denn für mich ist es wichtiger, dass mir die Story des Films gefällt und natürlich die Schauspielerinnen und Schauspieler.

Unterstützungspaket

Gespannt las ich den Text unter dem Titel, den manche Leute in der Fülle von Nachrichten möglicherweise nicht gelesen haben.  «Das Buch- und Verlagswesen, die Kinos und die visuellen Künste im Wallis erholen sich nur langsam von der Corona-Krise. Deshalb hat der Kanton nun ein Unterstützungspaket geschnürt.» Ach so, es geht nicht nur um die Kinos, es geht auch um Bücher. Als Autorin finde ich das schon mal toll. Und wie will der Staat diejenigen unterstützen, die Bücher schreiben? Schenkt er all seinen Staatsangestellten ein Buch zu Weihnachten? Nein, so ist es nicht.

Gratisbuch

Im Text erfahre ich mehr darüber, wie der Kanton Wallis den kleinen unabhängigen Buchhandel unterstützen will. Während einer gewissen Zeit bis zum 24. Dezember bekommt jede Person beim Kauf eines Buches ein zweites von einer Walliser Autorin, eines Walliser Autors geschenkt. Das Gratisbuch kann die Kundschaft aus einer Palette von Büchern auswählen, die vorrätig sind. Damit soll auf die Walliser Literatur aufmerksam gemacht werden und das gesamte Buch- und Verlagswesen im Wallis unterstützt werden. Eine löbliche Absicht. Funktioniert das auch so, wie es sollte? Schwer zu sagen.

Vielleicht entdecken gewisse Kunden erst jetzt, dass es auch eine Walliser Literatur gibt, weil sie bisher nur Bücher gekauft haben, die auf den Schweizer Bestseller-Listen stehen? Falls man die Frage mit ‚Ja‘ beantwortet, wäre ein Ziel des Gratisbuches erreicht.

mit Interviews von Leserinnen und Lesern

Ökonomie

Für mich als Autorin ist es eine zwiespältige Sache. Wenn mehr Leute meine Bücher lesen, hätte ich eine größere Leserschaft als ich ohne diese Maßnahme des Staates. Aber ist dieser Anreiz, Bücher zu kaufen, um eines geschenkt zu bekommen, der richtige Ansatz, um Walliser Autorinnen und Autoren zu unterstützen?

Ich habe Ökonomie studiert. Ökonomisch gesehen sagt ein Preis immer etwas darüber aus, welchen Nutzen sich ein Kunde von einer Sache verspricht. Sein Nutzen entspricht dem Preis, den er für die Sache bereit ist zu zahlen. Sei das Geld und/oder Zeit. Interessiert sich jemand überhaupt nicht für Bücher von Walliser Autorinnen und Autoren, dann ist sein Nutzen gleich null, den ihm ein solches Buch ihm bringt. Wenn ihm das Buch aber geschenkt wird, nimmt er es auf jeden Fall mit. Denn Null Nutzen = Preis Null. Preis und Nutzen entsprechen einander. Ob der Kunde das Buch lesen wird, ist eine andere Frage. Was gratis ist, lässt sich kaum jemand entgehen.

Nichts ist gratis!

Das ist ein Grundsatz aus der Ökonomie. Wenn ein Laden etwas gratis an die Kundschaft abgibt, dann ist das nicht kostenlos. Jemand zahlt im Grunde diese Sache. In einem Geschäft steckt die kostenlose Sache im Preis der begleitenden Sache mit drin, z.B. die kostenlose Einkaufstasche in einem Lebensmittelgeschäft.

Im Beispiel mit dem Gratisbuch ist es nicht so, dass der Kunde dies indirekt über die Preise aller anderen Produkte zahlt. Es ist der Staat, der das Gratisbuch bezahlt. Er vergütet die Bücher den Buchhandlungen zurück. Er finanziert die Maßnahme über die kantonale Covid-Unterstützung. Wer schlussendlich zahlt, ist der Steuerzahler.

Buchhandlungen verschwinden?

 Neben der finanziellen Seite darf man etwas nicht vergessen: Im kleinen Raum Oberwallis hat es nur noch wenige Buchhandlungen und nur einen einzigen Kleinverlag. Wenn diese wegfallen, geben wir einen Teil unserer Identität weg. Bücher werden dann nur noch im Online-Handel gekauft. Ist der Wandel der Zeit in dieser Branche noch aufzuhalten?

Eine Black-Friday-Aktion?

Man hört und liest immer wieder, dass die Aktion des Kantons Wallis eher nach Black-Friday-Ausverkauf aussehe als nach Förderung der Walliser Literaturszene.

Vorläufig ist die Aktion für die Literatur gestoppt, denn es erhob sich heftige Kritik. Der Besitzer der Buchladenkette Payot moniert Ungleichbehandlung, weil die drei Buchhandlungen im Oberwallis zugelassen sind, obwohl sie zur Orell-Füssli-Gruppe gehören.

Fazit: Die Aktion gestaltet sich alles andere als geplant.

Artikel aus dem Walliser Boten vom 23. November 2022

WAdS? Wer???

Was sich hinter der Abkürzung WAdS verbirgt, erfuhr ich zufällig auf einer Fahrt mit dem Zug.

Ich gebe zu, ich hatte bis zu dem Zeitpunkt noch nie etwas von WAdS gehört. Es war eine elegante Frau, die mich auf die WAdS aufmerksam gemacht hat, eine Frau, die ich auf Facebook schon gesehen habe, aber nicht näher kannte. Aber der Reihe nach.

Im Winter 2019 saß ich im selben Abteil wie sie im Zug Richtung Goms, Wir sassen uns gegenüber. Annelies Benelli gegenüber.

Ich wusste, dass sie Kunstschaffende war, ihr Bild, das sie für das Buch gemalt hatte, und ihren Namen hatte ich auf dem Cover von Nicolas Eyers Buch „Hinter den Rändern der Welt“ gesehen.

Annelies hatte an dem Tag Langlaufskis dabei und sie trug einen chicen Langlaufdress. Ich sprach sie an. Das Eis war gebrochen. Sie ist eher eine zurückhaltende Person, die von sich selber sagt, sie sei schüchtern. Und doch kamen wir ins Gespräch. Über ihre Kunst, über meinen ersten Krimi, der damals noch nicht lange in den Buchhandlungen zu kaufen war.

Im Gespräch machte sie mich auf die Vereinigung der Walliser Autorinnen und Autoren deutscher Sprache aufmerksam. Da ich schon einen Kriminalroman geschrieben hätte, solle ich doch dem Verein beitreten. Da würde ich sehr gut reinpassen.

Die Mitglieder würden sich einmal im Monat treffen, um bei einem Glas Wein oder Bier die Kameradschaft zu pflegen. Ich traute mich nicht, bei diesem Stammtisch mitzumachen, war ich doch eine kleine, unbekannte Autorin und kannte kaum jemand vom Verein. Dann kam Corona und der Stammtische war nicht mehr möglich. Meine Chance vertan, dachte ich.

Interview mit dem Co-Präsident der WAdS und mit Annelies Benelli, Autorin

Doch ein Jahr später wurde ich Mitglied der WAdS. An der ersten Versammlung lernte ich ein paar der Autorinnen und Autoren kennen. Zu meiner grossen Freude kannte ich schon zwei Mitglieder. Es waren Christine Bonvin und Eyer Nicolas. Beide hatte ich für meine Blogbeiträge im Vohrjahr interviewt.

Das Interview in Siders mit Christine Bonvin habe ich in drei von meinen Blogbeiträgen eingearbeitet:

– Mordmotive, vom28. Juli 2021,

– Du sollst nicht morden, vom 30. Juni 2021 und

– Warum Buch und Film nicht dasselbe sind, am 18. Juni 2021.

Mit Nicolas Eyer habe ich über zwei Themen geredet. Die Blogbeiträge dazu findest du hier:

  • der erste Satz, vom 13. Mai 2021
  • Sex sells?, vom 23. Mai 2021

Aus dem Walliser Boten vom 25. Oktober:

Krimi Schweiz

Wo liegt Grenchen? Das fragte ich mich, als ich am Samstagmorgen früh im Zug nach Grenchen saß. Nach zweimal umsteigen und etwas mehr als zwei Stunden Fahrt war ich dort.

Krimi-Mekka der Schweiz

Grenchen – hier schlägt das Herz der Schweizer Krimiliteratur. Hier war ich das erste Mal bei der Mitgliederversammlung von Krimi Schweiz dabei. Dass es erst die zweite Versammlung des Vereins war, erfuhr ich später von Christof Gasser, dem Präsidenten des Vereins.

Ich war gespannt. Wer von den Autorinnen und Autoren des Vereins würde kommen? Ich kenne nur zwei der Autorinnen. Alle anderen vielleicht von Facebook oder von der Werbung in den Zeitungen und den Flyern der Bibliotheken.

Who is who?

Bei Kaffee und Gipfeli trafen die Ersten ein. Händeschütteln. Lächeln. Small Talk. Die Atmosphäre war freundschaftlich, entspannt. Schön, dass mehr als zwei Dutzend Vereinsmitglieder kamen. Facebook oder Webseite können niemals einer Autorin, einem Autor gerecht werden. Der unmittelbare Kontakt bleibt hängen, schafft Erinnerungen, die viel stärker sind als jedes Medium.

Erstaunt war ich, wie Silvia Götschi auf mich wirkte. Ich habe sie mir grösser vorgestellt, nicht so zierlich. Sie ist eine herzliche, sehr einnehmende Frau. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen.

Interviews mit Autorinnen und einem Autor

Nach dem offiziellen Teil hatte ich Gelegenheit, vier Autorinnen und einen Autor zu interviewen und gleichzeitig mit meinem Handy zu filmen. Ich habe sie über ihren neuesten Krimi befragt. Das Video, das ich daraus gemacht habe, gibt dir ein paar Inputs für deine Lektüre in der Jahreszeit, in der die Tage kürzer und die Nächte länger werden. 😊

Die nachfolgenden Informationen findest du auch auf der Webseite von Krimi Schweiz.

https://krimischweiz.org/

Silvia Götschi

Zählt zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen der Schweiz. Für ihre Krimis „Einsiedeln“ und „Bürgenstock“ wurde sie mit dem GfK No 1 Buch Award ausgezeichnet. Geboren wurde sie 1958 in Stans. Sie hat drei Söhne und zwei Töchter und wohnt heute mit ihrem Mann in der Nähe von Luzern.

Publikationen: “Auf der schwarzen Liste des Himmels” (2021), “Interlaken” (2020), “Engelfinger” (2020)

www.silvia-goetschi.com

Susanne Mathies

Geboren 1953 in Hamburg, lebt in Zürich, promovierte in Wirtschaftswissenschaften und in Philosophie. Sie schreibt auf Deutsch und Englisch. Bisher wurden fünf ihrer Kriminalromane veröffentlicht, daneben auch noch zahlreiche Gedichte und Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien.

Sie ist Redaktionsmitglied der orte-Literaturzeitschrift und Mitherausgeberin der orte Poesie Agenda. Publikationen: «Mord mit Limmatblick»» (2022) «Mord im Lesesaal» (2021), «Das Auge der Ahnen» (2018), «Offline – der verschwundene Berater» (2015)

http://die-aus-zuerich.ch/mediawiki/index.php?title=Susanne_Mathies

Christine Bonvin

Bürgerlicher Name: Christine Evard stammt aus dem Aargau. Über Umwege ist sie im Wallis gestrandet. Die Lust am Schreiben erwachte bei ihr in reiferen Jahren. Vorher setzte sie ihre Energien ein, um eine Firma aufzubauen. Die Geschichten schlummerten in einer Schublade, bis es Zeit war sie herauszuholen.

Daraus entstanden Genusskrimis und diverse Kurzgeschichten.

Publikationen: „Lieblingsplätze Wallis“ (2021), „Olympiade der Köche“ (2015), „Gourmetfahrt im Glacier Express“ (2012)

http://bonvinc.bonne-eau.ch/

Stefan Haenni

Geboren 1958 in Thun, studierte an den Universtäten Bern und Fribourg Kunstgeschichte, Psychologie und Pädagogik. Seit 2009 lebt und arbeitet er als freischaffender Autor und Kunstmaler in seiner Geburtsstadt.

Haenni publizierte zahlreiche Kriminalgeschichten in thematischen Anthologien Im Gmeiner-Verlag erschienen seine Kriminalromane „Narrentod“, „Scherbenhaufen“, „Berner Bärendreck“ und Tellspielopfer“ sowie die Kurzkimi-Bände „Todlerone“ und „Zürihegel“.

https://www.stefanhaenni.ch/

Ina Haller

lebt mit ihrer Familie im Kanton Aargau. Nach dem Abitur studierte sie Geologie. Seit der Geburt ihrer drei Kinder ist sie «Vollzeit-Familienmanagerin» und Autorin. Sie veröffentlicht zwei erfolgreiche Krimireihen um die zivilen Ermittlerinnen Andrina und Samantha.

Zudem gehören zu ihrem Repertoire Kurz- und Kindergeschichten sowie Reisberichte.

https://inahaller.ch/

Krimi-Fenster

Mit dem Krimi-Fenster bot Grenchen den Leserinnen und Lesern von Krimis die Möglichkeit, bekannte und beliebte Schweizer Autorinnen und Autoren zu treffen.

Einige von ihnen nahmen sich Zeit für ein Interview mit mir.

Für Krimi-Fans

Nächstes Jahr, vom 15. Bis 17. September 2023 findet zum zweiten Mal das Schweizer Krimifestival statt.

Das Schweizer Krimifestival von Krimi Schweiz ist ein nationaler Anlass, der die Vielfalt der Schweizer Krimis zeigt. Es findet alle zwei Jahre statt. Es werden Krimi-Autorinnen und Autoren aus der ganzen Schweiz da sein. Höhepunkt des Festivals ist die Verleihung des Schweizer Krimipreises, der mit insgesamt 10’000 CHF dotiert ist.

Mach mehr aus deinen Handy-Videos

Wie sich Personen bewegen, wie sie sprechen, das kann kein Foto wiedergeben. Die schönsten Augenblicke mit deinem Handy filmen und daraus einen tollen Kurzfilm gestalten – wäre das nicht toll?

Federleichte Filmausrüstung

Mit dem Handy hast du eine komplette, federleichte Filmausrüstung immer dabei. Nutze die Möglichkeiten, die du damit hast. Du kannst freihändig Aufnahmen machen, ohne Stativ. Einfach drauflos. Oder du denkst vor dem Filmen darüber nach, wie du das Video am besten hinbekommst? Wichtig ist, dass du’s machst. Immer wieder.

Hoch oder Quer?

Der vielleicht wichtigste Tipp zuerst: Es hat keinen Vorteil, im Hochformat zu filmen. Genau das sieht man immer wieder. Alle Fernseher, im Kino und auch alle Videoplayer zeigen das Querformat, zumal es auch der Art entspricht, in der wir Menschen uns in der Umgebung umsehen. Das Hochformat widerspricht unserm Sehverhalten und unseren Sehgewohnheiten.

Beidhändig

Unbedingt das Handy immer mit beiden Händen halten. (Aufpassen, dass du nicht eine der Linsen verdeckst 😊) Mit beiden Händen gehalten gibt viel ruhigere Videos. Beim Schwenken das Handy möglichst langsam bewegen und immer breitbeinig hinstehen. Zoomen wenn möglich sein lassen. Besser näher ran gehen und noch ein Video drehen. Mit dem Schnittprogramm auf deinem Handy kannst du dann den Teil, während dem du dich bewegst, rausschneiden.

Schnitt!

Man kann die Video-Clips vollkommen unbearbeitet lassen und in dieser Form verschicken. Viel interessanter wirken die Clips jedoch meist, wenn man sie ein wenig beschneidet. Dafür – und leider nicht für allzu vielmehr – kann man die Fotos-App benutzen. Doch lassen sich aus den Clips auch richtige Filme schneiden.

iMovie

Mehr Möglichkeiten bietet zum Beispiel die kostenlose App iMovie auf dem iPhone. Wenn nötig im App Store herunterladen. Es ist immer wieder verblüffend, wie gut der Filmschnitt selbst auf dem kleinen iPhone-Bildschirm klappt. Dabei beherrscht iMovie auch komplexere Werkzeuge: So lassen sich Filter auf Filme legen, Überblendungseffekte wählen oder Texte und Audiokommentare über den Film legen.

Effekte / Magic Movie

Aber mit allen Arten von Effekten für Filter und Überblendungen sollte man möglichst sparsam umgehen, denn allzu schnell hat man genug von diesen Dingen und kann sie einfach nicht mehr sehen. Magic Movie, das iMovie anbietet und mit dem iMovie den Film selber erstellt, sind zwar ein paar Mal sehr witzig, erschöpfen sich aber schnell.

Video im Blog

In meine Blogs baue ich jeweils ein Video mit ein. Weil ich denke, dass du gerne mehr über das Blogthema erfährst und weil ich sehr gerne Videos drehe und daraus noch lieber Kurzfilme aus den Clips mache. Das fordert meine Kreativität. Ich zeige ich dir mit einem Video in diesem Blog, welches die wichtigsten Möglichkeiten sind, um einen tollen Film zu erstellen. Weil ich ein iPhone habe, zeige ich dir die wichtigsten Werkzeuge in iMovie. Andere Apps für das Erstellen von Filmen auf Handys funktionieren ähnlich.

Krimi-Lesung im Bula 2022

im Kafi Dschinni

Ein Bundeslager im Goms mit 30‘000 Pfadis. Ein Krimi mit dem Titel „Die Vergeltung des Engels“. Passt das zusammen? Und wenn ja, wie?

Es passt. Denn das Zentrum des Bundeslagers zieht sich über die ganze Länge der ehemaligen Militärflugpiste von Ulrichen bis Geschinen genau über jenes Landstück, wo der größte Teil der Handlung meines Krimis spielt. Im östlichen Teil der Flugpiste lernen die Fahrschüler eines Driving Centers alle möglichen Fahrtechniken. Gegen das Ende der Flugpiste im Westen steuern Modellflieger ihre Flugzeuge in waghalsigen Manövern in der Luft. Vom letzten Drittel der einstigen Flugpiste sieht man nichts mehr: Hier lädt ein See zum Baden, Fischen oder zum Beobachten der Vögel in einem Biotop ein.

All das sind Schauplätze in meinem dritten Krimi. Und weil dem so ist, bekam ich die Chance, im Bundeslager eine Krimi-Lesung zu machen. Erst als ich in der mova-App sah, dass meine Lesung unter Info, Walk-in, mova-Beizen & Rover aufgelistet war, war ich sicher, dass es klappen würde.

Meine Lesungen – meine Videos

Wer schon mal in einer meiner Lesungen war, weiß, dass ich nicht allzu viel vorlese. Dass ich Videos zu meinen Krimis zeige, in denen wunderschöne Bilder zu sehen sind. Videos, die höchst spannend sind und die mit passender Musik untermalt sind. Sie zeigen konkrete Schauplätze und Buchinhalte.

Dass ich Videos zeige, war ein großer Vorteil im Kafi Dschinni, in dem ich am 28. Juli «aufgetreten» bin. Mein Anlass gehörte zu den «Walk in»-Aktivitäten. Das heißt, jeder kann kommen und gehen, wann er will. Das Publikum am Anfang war nicht das gleiche wie das Publikum am Ende meiner Vorstellung. Ich habe mein Programm zweimal durchgezogen. Es hat Spaß gemacht. Dem Publikum und mir. Am besten gefielen den Leuten meine Videos.

Vorarbeit

Gekommen sind Rovers (Pfadi-Leiter). Für diese galt das Angebot meiner Lesung, nicht für die jüngeren Pfadis. Für die habe ich einen Kurz-Krimi geschrieben: «Pfadi Franz und der Riesen-Fisch vom Geschinersee), siehe Blog vom 20. Juli 2022.

Wenn du das Video zu meiner Krimi-Lesung im Kafi Dschinni schaust, kannst du sehen, dass es schwierig war, Videos zu zeigen. Im Vorfeld habe ich eine Leinwand gebastelt aus drei Dingen: 1.50 m Stoff, beidseitig klebendes Montageband und zwei 1.63 m lange Rundhölzer.

im Kafi Dschinni, Kontinentsplatz Oscilla

Ich hatte keine Ahnung, wie die Beiz aussehen würde, in der ich meine Lesung abhalten sollte. In meiner Vorstellung war es eine Art Hütte aus Holz. Und so war es auch.

Aber das Kafi Dschinni war wunderschön: orientalisch, mit chilligen Loungesesseln, in einem äußerst speziellen Look. Ich habe mir sofort vorgestellt, dass um die Hütte ein Dschungel wäre und dass ich liebend gerne immer wieder herkommen würde, um zu chillen und ein Glas Wein zu trinken. (Im Kafi gab’s nur alkoholfreie Getränke 😊

Als ich das Kafi von innen sah, stellte sich mir sofort eine für mich wichtige Frage: Wo sollte ich die Leinwand anbringen? An den Wänden aus grobem Holz hingen Holzskulpturen eines Künstlers. Dort durfte ich die Leinwand nicht aufhängen. Die einzige Möglichkeit war der Dachbalken. Ein zwei Meter langer junger Mann aus der Küchen-Crew kam mir zu Hilfe und befestigte meine Leinwand mit Kabelbindern. Jetzt sah man die Küchen-Crew nicht mehr. Aber das System sollte sich bewähren.

Im Anschluss an meine Lesung war ich zum Podcast eingeladen. Der Chef des Kafi Dschinni, Pfadi-Name: Twister, machte ein Interview mit mir.

Zum Schluss

Es war ein echt tolles Erlebnis, für mich bleibt es unvergesslich. Die Atmosphäre, die Leute, das Kafi Dschinni. Einfach alles. Schade nur, dass die Zeit so schnell verging.

Laufzeit 10:36 Minuten

BuLa-Kurz-Krimi

https://brigitta-winkelried.com/wp-content/uploads/2022/07/Pfadi-Franz-und-der-Riesen-Fisch.wav
Vorgelesen von der Autorin

Franz war klein und dünn. Auf seiner Nase saß eine runde Hornbrille mit Gläsern wie Flaschenböden. Kurz nach dem Mittagessen war er mit seinen Pfadfinderkollegen zum Geschinersee gelaufen: Stand Up Paddling, kurz SUP, stand auf dem Programm.

Er rückte seine Brille zurecht, um den Mann vorne im Neopren sehen zu können. Vergebens. Seine Pfadikollegen vor ihm versperrten die Sicht auf den Leiter des SUP-Kurses. Er stellte sich auf die Zehen, wandte sich nach rechts, dann nach links. Er sah einfach nur die Boards, die auf der Sandbank lagen und die nackten Füße des Leiters.

Franz zuckte mit den Schultern und nestelte an seiner Badehose herum. Warum behandelte ihn seine Mutter immer noch wie ein Kind und hatte ihm diese altmodische Badehose in seinen Pfadi-Rucksack gepackt, die vom vielen Waschen längst ihre Form verloren hatten und immer wieder von seinen Hüften zu gleiten drohten?

Er lauschte den Worten des Mannes vom Gommer Sportgeschäft, der ihnen erklärte, was sie tun sollten, um schön übers Wasser zu gleiten. Das Stand Up Paddling im Geschinersee schien nicht allzu schwierig zu sein. Verstohlen schaute er zu Wolfgang hin, der weiter vorne stand: Ein arroganter Streber. Diesmal würde er Wolfgang ausstechen. Franz verzog das Gesicht, als er sah, wie Melanie, in die er sich am ersten Tag im Bundeslager verknallt hatte, dieses Arschloch Wolfgang anlächelte.

„Auf geht‘s“, sagte der Mann im Neopren-Anzug. „Aller Anfang ist schwer.  Macht es, wie ich euch gesagt habe. Und denkt daran: Eine Abkühlung im Wasser kann auch Spaß machen. Und vergesst nicht: Ein echter Pfadi ist nicht wasserscheu.“

Endlich. Franz atmete tief durch, rannte schnell zwischen den Kollegen durch, vor zu den Boards. Wie ein Könner schob er als Erster eines ins knietiefe Wasser, fasste das Board an beiden Seiten mit den Händen an, kniete sich darauf, stellte einen Fuß nach dem anderen hin, hob langsam seinen Oberkörper auf. Mit zitternden Beinen tauchte er das Paddelblatt komplett ins Wasser und zog es in einem großen Bogen von der Spitze des Boards zum Heck. Das Board drehte sich von der Paddelseite weg, er verlor das Gleichgewicht und landete im Wasser.

Kein Gelächter? Ein Blick auf seine Freunde zeigte ihm, dass ihn niemand beachtete. Alle waren sie zu beschäftigt mit ihren Boards und hatten nicht gesehen, wie er sich blamiert hatte, und leider hatten sie auch nicht gesehen, wie elegant er aufs Board geklettert war. Dass er ins Wasser gefallen war, daran war bestimmt seine Kurzsichtigkeit schuld. Weil er eine Brille trug, war es für ihn viel schwerer auf dem Board im Gleichgewicht zu bleiben und gleichzeitig das Paddel durchs Wasser zu ziehen. Er biss die Zähne zusammen und kletterte zurück aufs Board.

Fünf Minuten später hatte er den Dreh raus. Er lächelte in sich hinein. Einige seiner Freunde hatten mehr Mühe als er. Ha, wer sagt‘s denn: Ich, der Franz, kann es mindestens so gut wie die anderen. Und erst der Wolfgang: Auf dem Board war der die reinste Lachnummer. Wenn das bloß auch Melanie sah!

Ohne dass es ihm bewusstwurde, entfernte er sich mehr und mehr Richtung dem Teil des Sees, der unter Naturschutz stand. Der See sah dort viel idyllischer aus als am See Ende mit der kleinen Sandbank, wo alle gestartet waren. Schwarze Enten mit weißen Flecken auf dem Nasenrücken schauten neugierig zu ihm hinüber. Ein Kranich flog über seinen Kopf hinweg. Plötzlich tauchte ein riesiger Fisch aus dem Wasser auf. Zu spät, um zu reagieren. Sein Paddelboard rammte das Ungetüm. Vollbremsung. Die Enten flogen blitzartig laut schnatternd davon.

Franz wusste nicht, wie ihm geschah und stürzte ins Wasser, verlor dabei seine Brille und seine Badehose, aber nicht sein Paddel. Zum Glück trug er eine Schwimmweste, vor Schreck hatte er nämlich vergessen zu schwimmen. Prustend kam er wieder nach oben, schluckte dabei eine Mundvoll Seewasser, hustete ein paar Mal und fluchte.

 Rasch schwamm er jetzt zurück zu seinem Paddelboard. Ohne Brille sah er nur schemenhafte Konturen und Farbklekse, mehr nicht. Er war halb blind. Seine Finger ertasteten etwas, das sein Board hätte sein müssen. War es aber nicht. Seine Hände lagen auf dem riesigen Bauch des Mega-Fisches, der sogar grösser war als sein Papa. Der graublaue Fisch stank fürchterlich, fühlte sich an wie ein stark aufgepumpter, unförmiger Gas-Ballon, der gleich zu platzen drohte. Igitt, igitt! Der Fisch war glitschig, wie wenn eine Kolonie Algen sich darauf festgesetzt hätte.

Scheisse! Das war kein Fisch! Das war ein Mensch! Ein Toter! Schnell ließ er die Leiche los und schwamm weg.

Jetzt muss ich cool bleiben, sagte er sich, die Kommissare im Fernsehen sehen auch cool aus, wenn sie einen Tatort betreten. Bei dem Gedanken liefen ihm die Tränen über die Wangen. Nein, er schaffte es nicht, er konnte nicht cool bleiben. Er schrie laut um Hilfe, bis ihm der Hals vom Schreien wehtat.

Sein Pfadi-Leiter rannte am Seeufer entlang, bis zu der Stelle, von wo aus er mit dem kleinen Franz reden konnte. Danach ging alles schnell.

Der Pfadi-Leiter telefonierte. Der Mann im Neopren-Anzug tauchte derweil tief ins Seewasser, um Franz Brille zu suchen. Zehn Minuten später waren Polizisten in Uniform da und sicherten die Stelle am Ufer des Geschinersees, auf der Höhe, wo die Leiche mit dem Bauch nach unten im Wasser trieb. Wie im Fernsehen, dachte Franz, der ans Ufer geschwommen und immer noch ohne Badehose war. Ein Polizist ruderte mit einem Gummi-Boot zur Fundstelle. Ein zweiter Polizist tat es ihm nach. Wenig später legten sie den Toten ins Gras neben dem Uferweg.

Franz war geblieben. Seit er wieder eine Badehose anhatte – eine modische Zweit-Badehose ausgerechnet von Wolfgang – und die Brille aufgesetzt hatte, wollte er alles mitansehen, was vor sich ging. Er fühlte sich in einen Krimi hineinversetzt.

Melanie stand wie die anderen Pfadis und ein paar Gaffer hinter der Absperrung und sahen dem Geschehen zu.

Einer der Polizisten, der keine Uniform trug und sich ihm als Kommissar Edgar Steinalper vorgestellt hatte, nahm Franz beiseite.

„Als er da vor meinem Board aufgetaucht ist, dachte ich zuerst, es wäre ein riesengroßer Fisch.“ Franz nickte zu der Leiche hin.

Da Edgar so groß und er, Franz, so klein war, setzten sie sich auf die Wiese am See. Sie redeten von Mann zu Mann. Auf einmal fühlte sich Franz wie ein Held. Dank seinem Spürsinn hatte er geholfen, einem Verbrechen auf die Spur zu kommen.

Eine Frau, viel hübscher als seine Mama, schaute sich den Toten an. Das muss wohl die Rechtsmedizinerin sein. Wie ihm Fernsehen, dachte Franz.

Die Frau redete kurz mit Edgar, der sich danach wieder neben Franz ins Gras setzte und ihm verriet, was er vermutete. Der Tote würde schon seit rund zwanzig Jahren vermisst. Nach dem Lawinenwinter 1999 hätten die Leute von Geschinen einen Lawinendamm gebaut. Dafür hätten sie Material gebraucht. Dadurch sei ein großes Loch entstanden: der heutige See. Bei den Bauarbeiten sei damals ein Arbeiter spurlos verschwunden. Man habe ihn alle die Jahre nie mehr gefunden.

Franz wollte wissen, wie es denn möglich sei, dass ein Mensch so lange im Wasser sein kann, ohne dass man ihn findet. Edgar sagte es ihm.

Ferien-Lektüre- Tipps


Ferien!!!

Endlich Zeit, um ein Buch zu lesen oder einfach nichts zu tun. Für viele die schönste Zeit des Jahres. Am Strand liegen und Faulenzen. Andere Länder, andere Sitten kennenlernen. Ein bisschen leben wie die Menschen im Süden. Mit einer Nonchalance wie sie den Tag geniessen, unbekümmert davon, was alles danach im Terminkalender steht. Diese Leichtigkeit des Seins wenigstens ein paar Tage pflegen. Der Alltag kommt nach den Ferien noch früh genug. Etwas von dem Ferien-Feeling in den Alltag hinüberretten? Gelingt meist nicht.

Lies ein Buch!

In andere Welten eintauchen geht nicht nur, wenn wir in die Ferne reisen, sondern auch zuhause, zum Beispiel mit einem Buch. Während des Jahres, wenn man arbeiten muss, sind wir oft zu müde, um ein Buch zu lesen. Ausserdem fressen uns Netflix und das Handy schon viel von unserer Freizeit weg.

Der Vorteil eines Buches gegenüber diesen Medien: So richtig ruhig und entspannt wird man am besten mit einem spannenden Buch. Man ist dann voller Konzentration, in einer anderen Welt.

Welches Buch soll ich kaufen?

Bei über 50’000 Büchern, die neu im deutschen Sprachraum jedes Jahr auf den Markt kommen, fällt die Auswahl schwer. Da dachte ich mir, ich frage mal spontan ein paar Leute, die ich in der Stadt treffe, was sie mir empfehlen würden. Es sind aber nicht alle Leute bereit, sich filmen zu lassen. Um so mehr freut es mich, dass einige dazu bereit waren. Ihre Tipps findest du im Video. Schau selbst, welche Bücher sie für die Ferien vorgeschlagen haben. Viel Spass!

Sommerlektüre aus dem Oberwallis

Wenn du gerne mit einem spannenden Krimi und einem Glas Apérol im Liegestuhl sitzt und in die Welt des Aletschgebiets oder des Goms abtauchen möchtest und wenig Grausamkeit schätzt, dem empfehle ich meine Kriminalromane.

Die Hauptfigur, Kommissar Steinalper, löst in jedem meiner Bände Fälle, die in der Region Oberwallis spielen

Bundeslager im Goms

Dieses Jahr findet vom 23. Juli bis 6. August zum ersten Mal das Schweizerische Bundeslager der Pfadfinger statt, kurz BuLa genannt. Das BuLa findet nur alle 14 Jahre statt. Das erste Mal im Goms.

30‘000 Teilnehmer werden ihre Zelte für zwei Wochen im Goms aufschlagen. Die Helfer und Betreuer sind da noch nicht mitgerechnet.

Jetzt fragst du dich vielleicht, was mich das angeht. Mein dritter Krimi «Die Vergeltung des Engels» spielt genau in dem Gebiet, in dem das BuLa sein wird. Das ist wohl auch der Grund, dass ich meinen Krimi im BuLa vorstellen darf. Voraussichtlich am 28. Juli wird es soweit sein. Dazu habe ich schon einmal einen Flyer entworfen. In der Lagerzeitung und in der BuLa-App wird meine Vorstellung erwähnt werden. Bin gespannt, wie so ein Riesen-Lager auf mich wirken wird.

Klosterfrau, Gattin, Lehrerin

Zu Besuch bei Edith Kopf zum Vorlesen


Vorlesetag

Um das Vorlesen zu fördern, wurde der «Schweizer Vorlesetag» ins Leben gerufen. In diesem Jahr fand er am 18. Mai 2022 statt. Das Vorlesen hat viele Vorteile: Es fördert die Vorstellungskraft, fördert den Wortschatz, trainiert die Konzentration usw.

Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr beim Vorlesetag mitzumachen und mindestens einer Person vorzulesen. Meine Wahl fiel auf eine Frau, die ich sehr schätze und die auf ein recht spezielles Leben zurückblicken kann: Edith Kopf, die ich nur noch selten sehe. Sie ist dieses Jahr 88 Jahre alt geworden. Sie war stets eine elegante Dame mit einem Touch Pariser Chic. Dazu gleich mehr.

Rosenkranz und Fastnachtstanz

Aus diesem Buch des Limmat Verlags, das 2004 erschienen ist, lese ich ein paar Ausschnitte aus Ediths Leben vor. Das Buch enthält dreizehn Geschichten über Frauen im Wallis. Eine dieser Geschichten erzählt das Leben von Edith Kopf. Ihre Geschichte hat mich schon bewegt, als sie mir vor vielen Jahren erzählte, dass sie zwölf Jahre lang eine Klosterfrau gewesen sei. Und auch, wie sie ihren Mann kennengelernt hat.

«Das Kloster würde ich weglassen»

Unter diesem Titel schrieb die Journalistin Susanne Perren den Text über Edith und ihr Leben, das alles andere als gradlinig war. Im Video erfährst du mehr dazu. Ich habe Edith in ihrem Zimmer in der Seniorenresidenz «Sebastian» in Glis besucht. Es war eine Freude, sie wiederzusehen und ihr aus ihrem Leben vorzulesen.

Lehrerin an der Berufsschule

Edith arbeitete ein paar Jahre an der Kaufmännischen Berufsschule in Brig. Sie unterrichtete Französisch. Die Lernenden verehrten sie. Sie tun das noch immer, auch wenn sie inzwischen Kinder und Familie haben. Mit einer Klasse reisten Edith und ich nach Paris, wo sie gearbeitet und gelebt hat. Ein paar Fotos von damals (1994) habe ich noch gefunden und im Video eingebettet.

Bei meiner Freundin Edith (88)