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Mausi & Ruben

ein Weihnachtsmärchen

Es war wie immer am Freitag, und wie immer stieg er nach der Schule die verzogenen Stufen zur Wohnung seiner Uhrgrossmutter im alten Walliser Haus hoch. Wenn er ausatmete, bildete sich eine kleine, weisse Wolke vor seinem Gesicht, die kurz schwebte und dann verschwand. Schon vor der Wohnungstür roch es nach Plätzchen, süss und warm. Er freute sich auf warme Ovomaltine, Biskuits und darauf, Mausi zu streicheln. Von ihrem Kopf über den weissen Hals und weiter über das flauschige, schwarze Fell am Rücken zu fahren.

Wo ist Mausi?

«Ruben? Bist du’s», rief seine Urgrossmutter mit ihrer ein bisschen zittrigen Stimme.

Sie sass in ihrem Lieblingssessel, ein Wolltuch über den Knien.

«Hallo, Gotti, hier bin ich!» Er grinste und stellte den Einkaufskorb ab. «Wo ist Mausi?»

Sie sah kurz zum Holzstuhl, auf dem die Katze gewöhnlich ihr Nickerchen hielt. «Heute habe ich sie gar nicht gesehen.»

Er stellte sich vor, wie Mausi die ganze Nacht draussen auf der Suche nach Mäusen war. Bestimmt war sie müde und irgendwo dort draussen eingeschlafen.

«Vielleicht hat sie sich in der Scheune einen warmen Platz gesucht. Katzen finden überall ein Versteck», meinte Gotti.

Ruben runzelte die Stirn. Mausi war sonst immer da, wenn er am Freitag kam, lief schnurrend um seine Beine. «Oder auf dem Holzstapel hinter dem Haus. Katzen mögen solche Plätze.»

Sie nickte langsam.

«Ich schau mal kurz.»

Im Schlafzimmer? Nichts. In der Küche? Keine Spur. Mausis Fressnapf unberührt. Ein seltsames Gefühl breitete sich in seinem Bauch aus.

«Ich sehe mich mal draussen um, vielleicht finde ich sie», sagte Ruben, zog sich die Jacke an und spürte, wie sein Herz schneller schlug.

Rubens Suche

Vor dem Haus rief er ‘Mausi’. Lauschte. Kein Miauen. Selbst unter den Autos auf dem nahen Dorfplatz suchte er. Dann sah er etwas Weisses im Schein der Strassenlampen ganz still, unter einem der Autos liegen.

«Mausi?»

Er ging näher. Das Gesicht zum grössten Teil schwarz, rund um die Nase und Maul verlief ein weisses Feld, das sich bis zur Brust und zum Bauch fortsetzte. Die Vorderpfoten ebenfalls weiss. Das war eindeutig Mausi. Sie lag im Schatten des Reifens. Warum hatte sie sich dort verkrochen?

Der Boden war kalt und feucht. Trotzdem legte er sich auf den Bauch. Seine Jacke wurde schmutzig, doch das war ihm egal. Er streckte den Arm weit unter das Auto, bis er ihr weiches Fell berührte, sonst warm und lebendig, jetzt eisigkalt. Er schluckte. Tränen stiegen ihm in die Augen, aber er riss sich zusammen. Langsam und vorsichtig zog er Mausi näher. Ihr Körper war schwerer, als er erwartet hatte. Er zog die Katze heraus, setzte sich mit ihr im Arm auf den harten Parkplatzboden und weinte. Nach einer Weile wischte er sich über die Augen und stand auf.

Kurz darauf stand er wieder im Wohnzimmer der Urgrossmutter.

«Du hast sie gefunden», flüsterte sie mit brüchiger Stimme. «Danke, mein Junge.» Er setzte sich in einen Stuhl neben sie und nahm ihre Hand. Eine Weile sagten sie beide nichts. 

«Ich nehme Mausi mit. Ich bringe sie zum Tierarzt.»

«Ein Tierarzt?» Sie schüttelte leise den Kopf. «Nein, Ruben … ein Tierarzt kann ihr nicht mehr helfen. Sie ist schon tot.»

Rubens Idee

Am Abend, als Ruben in seinem Zimmer sass und ein paar Bilder von Mausi auf seinem Handy anschaute, kam ihm ein verrückter Gedanke, der ihn nicht mehr losliess.

Am nächsten Morgen klopfte er bei Onkel Urban an, der passionierter Jäger war, und bat ihn mit zittriger Stimme, das Fell der Katze abzuziehen, zu gerben und zu konservieren. Als Erinnerung an Mausi. Für Gotti, die Urgrossmutter.

Anschliessend besuchte er seine Schwester Lena in ihrem improvisierten Techniklabor. Überall lagen Kabel, Motoren, winzige Gelenke, Platinen und kleine Kameras herum. Lena machte die Ausbildung zur Informatikerin, konnte alles Mögliche programmieren. Sie hatte schon Drohnen gebaut, kleine Roboter und sogar ein Modellauto, das zu ihm zurückfuhr, wenn er ‘Komm!’ sagte. 

«Du siehst traurig aus», sagte sie, ohne aufzuschauen.

«Bin ich auch», antwortete Ruben. Er blieb stehen, die Hände in den Jackentaschen. Sein Blick glitt über den Bildschirm, wo Code, Zeile für Zeile flackerten.

Sie drehte sich zu ihm um. «Also? Warum kommst du zu mir?»

«Ich habe eine Idee.»

«Das habe ich mir gedacht.»

Er sah an die Decke, als suche er dort die richtigen Worte. Dann sagte er es ihr. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. «Das ist machbar», sagte sie. «Nicht einfach. Aber ich mache es.»

 

Lena arbeitete tagelang. Manchmal durfte Ruben helfen.

Jeder Besuch bei seiner Urgrossmutter fühlte sich nach Mausis Tod anders an. Ovomaltine und Plätzchen schmeckten zwar noch gleich. Aber etwas Entscheidendes fehlte. Ihre Blicke schweiften immer wieder zum Holzstuhl, auf dem Mausi früher auf einem Häkelkissen gelegen hatte.

Rubens Geschenk

Einen Tag vor Heiligabend war es so weit. Lena hatte ihn über eine WhatsApp-Nachricht in ihr Labor gerufen. Mit grossen Augen sah er, wie die Roboterkatze den Kopf hob, mit weichen LED-Augen blinzelte und ein leises ‘Miau’ ausstiess. Ruben bekam Gänsehaut. Er war enttäuscht. Nichts erinnerte an ein echtes Tier. Wie konnte man die Roboterkatze natürlicher wirken lassen? Er zerbrach sich den Kopf, bis ihm schliesslich eine Lösung einfiel: mit echtem Fell. Mit dem Fell von Mausi. Das war schwarz-weiss, weich und glänzend. An der Brust, im Gesicht und am Bauch verliefen weisse Stellen, wie frischer Schnee. Wenn der Roboter das Fell der Katze trug, würde er beinahe wie Mausi aussehen. Er holte den alten Schuhkarton mit Mausis gegerbten Fell, den er in seinem Schrank versteckt hatte.

Lena legte vorsichtig das Katzenfell über das Robotertier und befestigte es so, dass es aussah, als wäre Mausi … einfach da. Steifer zwar, aber perfekt, und vertraut.

Eine Stunde später stellte Ruben einen geflochtenen Katzenkorb rund wie eine kleine Höhle und mit einem Gittertürchen vorne auf den Tisch im Wohnzimmer der Urgrossmutter. Sie lächelte. Vorsichtig öffnete sie das Gitter, hielt einen Moment inne.

«Mausi?», flüsterte sie staunend. «Ach, Ruben … wie schön.» Ihre Augen glänzten. Langsam streckte sie die Hand aus und berührte vorsichtig das schwarz-weisse Fell.

Ein Summen ertönte. Die Roboterkatze hob langsam den Kopf, setzte sich auf, schob sich aus dem Korb und streckte ihre mechanischen Pfoten.

Gotti lachte. Ein warmes Lachen, das er lange nicht mehr gehört hatte. Sie streichelte das Fell, Mausis Fell, und schloss die Augen.

«Was für ein Wunder.»

Es war nicht wirklich Mausi. Aber es fühlte sich richtig an. Er hatte Gotti glücklich gemacht. Und dieses Gefühl war wie ein kleines, warmes Licht in seinem Herzen

Diese Geschichte ist meiner Mutter und meiner Grossmutter gewidmet. Mausi hiess die Katze meiner Mutter. Für Grossmutter, die wir 'Gotti' nannten, habe ich als Jugendliche die Einkäufe erledigt.

DAS GESCHENK

eine Weihnachtsgeschichte

Im folgenden Video lese ich dir die Geschichte vor. Den Text zur Geschichte findest du gleich weiter unten. Viel Spass!

 

in der warmen Stube

Jana nagte an ihrem rechten Daumen. Ihre Augen wanderten zum wiederholten Mal über den Berg von Geschenken auf dem Stubentisch. Wo war denn das Geschenk, das sie für ihre Mama gekauft und mit viel Sorgfalt eingepackt hatte? Es konnte doch nicht sein, dass es verloren gegangen war.

Ihre Mutter packte ein ums andere Geschenk aus. Bisher gingen alle an ihre fünf Brüder und ihre Schwester. Nur Jana hatte noch keins bekommen.  Dabei war sie ganz sicher, ein paar von ihren beiden Tanten Lisa und Crescentia zu bekommen. Grosszüge Geschenke wie all die Jahre zuvor. Hatten die Tanten beschlossen, ihr nichts mehr zu schenken, weil sie schon sechzehn war?

Jana hat noch kein Geschenk bekommen

Neidisch streiften Janas Blicke über die Geschenke, die ihre Geschwister bekommen hatten. Möglich, dass Mama genau wusste, welche Geschenke von wem stammten und für wen sie bestimmt waren. Hatte sie absichtlich mit dem Geschenk für den jüngsten Bruder begonnen? Als Drittälteste wäre jetzt doch sie an der Reihe.

Hegt Mama einen Groll gegen mich, fragte sich Jana, weil ich beim Weihnachtsessen das Tischtuch in Brand gesetzt habe? Ich kann wirklich nichts dafür, dass zwei der Kerzen im goldenen Kerzenständer umgefallen sind, als ich Papa Wein nachschenken wollte. Und wer hat dann das Feuer sofort mit dem Wasser aus der Karaffe gelöscht? Das war ich, niemand sonst. Gespannt sah sie, Mama ein voluminöses Paket auspacken. Es musste schwer sein, denn ihr Bizeps war unter dem engen T-Shirt deutlich zu erkennen.

Römertopf

 Im nächsten Augenblick zog die Mutter einen ovalen Topf mit einem Deckel aus der Schachtel. Sie hob den Deckel an, holte eine Broschüre aus dem Topf und überflog rasch die Seiten.

«Das ist ein Römertopf. Aus Keramik. Damit kann man gesund und vielseitig kochen. Die Römer haben anscheinend ähnliche Tontöpfe verwendet.»

Oh, nein, dachte Jana, das darf nicht wahr sein. Enttäuscht schloss sie die Augen. So ein Scheiss! Tante Crescentia hat Mama einen Römertopf geschenkt. Mit diesem blöden Topf hat mir meine Taufpatin den Abend verdorben. Jetzt ist mir egal, was Crescentia mir schenkt. Hoffentlich keinen weiteren Pullover wie die letzten Jahre. Der flaschengrüne Kapuzenpullover vom Vorjahr war ihr Lieblingsstück. So einen gab es nicht noch einmal. Sie wünschte sich keinen neuen. Jetzt kann ich nur noch hoffen, dass mein Geschenk für Mama verloren gegangen ist. Aber wo ist es denn?

noch ein Römertopf

Für Jana wurde der Weihnachtsabend zu einem bösen Traum, aus dem sie am liebsten möglichst schnell aufgewacht wäre. Doch es kam noch schlimmer. Das Geschenk von Tante Lisa für Mama entpuppte sich ebenfalls als Römertopf. Gequält schloss Jana die Augen, als könne sie diesen Topf wegzaubern.

Zwei Töpfe! Das war einer zu viel, dachte wohl die Mutter und packte den Römertopf wieder in die Geschenkschachtel hinein.

Danach kam Jana an die Reihe mit den Geschenken. Mit einem gespielten Lächeln nahm sie von ihrer Mutter drei Geschenke von Tante Lisa und Crescentia entgegen: Eine iWatch, ein Buch mit dem Titel «Tschick», eine Geschichte von zwei Jungen, die mit einem Auto irgendwelche Abenteuer erlebten, einen rosafarbenen Pullover mit einem Barbie-Schriftzug und sechs Dessertgabeln für Janas bald vollständige Silberbesteck-Aussteuer.

Barbie-Pullover

Jana konnte sich nicht recht über die grosszügigen Geschenke freuen. Was sollte sie mit einer Geschichte über zwei Jungen? Den Barbie-Film hatte sie doof gefunden. Dieser Film über eine Puppe war geschmacklos. Und dann erst dieser weichgespülte Ken! Kein Mann, der ihr Herz höherschlagen liesse. Hätte ihre Freundin sie nicht überredet, wäre ihr der Film erspart geblieben. Stirnrunzelnd beschloss Jana, den Pullover so bald als möglich ganz hinten in ihrem Schrank verschwinden zu lassen. Die iWatch von Tante Lisa hingegen war echt toll.

 Ein Blick zum Stubentisch, wo nur noch ein einziges Geschenk lag, liess Janas Herz schneller schlagen: Da war es ja! Endlich würde Mama Janas Geschenk auspacken. Aufgeregt rutschte Jana auf dem Sofa mit dem Hintern nach vorn, bis zur Kante. All Ihr Taschengeld, das sie hatte erübrigen können, hatte sie für Mamas Geschenk gespart. Im Haushaltwarenladen hatte man ihr sogar zehn Prozent Rabatt eingeräumt. Wahrscheinlich, weil die Ladeninhaberin ihre Mutter kannte.

Florian, der Charmeur

Als Jana mit dem Paket in der Rechten und einer vollen Einkaufstasche vor dem Laden stand, hatte ein junger Mann sie angesprochen, ob er ihr beim Tragen helfen könne, das Paket sähe aus, als sei es zu schwer für eine so zarte Lady wie sie. Ein Gentleman, hatte Jana bei sich gedacht. So viel Charme war sie nicht gewohnt. Der Mann in Cordhosen, Flanellmantel und hellrosa Mütze stellte sich als Florian vor und lud sie gleich zu einem Kaffee ins nächste Restaurant ein. 

Florian warf immer wieder Blicke zum Paket, das er neben ihr auf den Tisch gestellt hatte. Er liess den Kaffee in der Tasse kreisen und nahm den letzten Schluck.

«Was ist in der Pappschachtel?», fragte er.

Jana blickte in sein Gesicht, blaue Augen, dunkler Schnauz, ein Musiker vielleicht? Auf jeden Fall sehr sympathisch. Es konnte nicht schaden, ihm zu sagen, was sie für Mama gekauft hatte, dachte sie, löste die Verschnürung um das Paket, und hob auf allen Seiten der Schachtel die Deckel an.

Ausgiebig bewunderte er den Tontopf von allen Seiten.

«Wozu kann man das Ding denn verwenden?», erkundigte er sich stirnrunzelnd, hörte ihr aufmerksam zu, als sie wiederholte, was die Verkäuferin über den Topf gewusst hatte.

das Foto

«Aha, zum Kochen im Backofen», sagte er. «Da wäre ich nie draufgekommen. Ich finde ihn schön. Deine Mutter wird sich bestimmt sehr über den schönen Topf freuen. Darf ich mal?» Er hob den Topfdeckel und schaute den unteren Teil des Topfes interessiert an. «Darf ich ein Foto von dem Topf machen? Ich möchte eventuell für meine Mutter auch einen kaufen.»

«Okay», antwortete Jana. «Aber wäre das Foto nicht schöner, wenn etwas im Topf drin wäre? In meiner Einkaufstasche habe ich Fleisch und Gemüse. Würde der Römertopf nicht besser aussehen mit solchen Dingen drin?»

«Gute Idee. Ich mache das, wenn du erlaubst.»

Derweil Florian mit Lauch, Rüben, Blumenkohl und Tomaten im Topf arrangierte, trank Jana den Rest Glühwein aus und verschluckte sich dabei. Der Husten war so stark, dass sie ruckartig aufstand und zum Kellner an der Theke eilte, um ihn um ein Glas Wasser zu bitten.

noch einen

«Mal schauen, was im letzten Geschenk ist», sagte die Mutter mit lauter Stimme und holte ihre Tochter in die Gegenwart zurück. Sie entfernte das Geschenkpapier von Janas Paket und strich es sorgfältig glatt.

Jana hielt die Luft an. Oh, je! Gleich würde Mama aus vollem Hals losprusten. Nie hätte sie gedacht, dass das ihr sorgsam ausgesuchten Geschenk für Mama ein Reinfall werden könnte. Wie hätte sie auch ahnen können, dass ihre beiden Tanten dieselbe Schenkidee gehabt hatten wie sie? Drei Römertöpfe als Geschenk für Mama am selben Weihnachtsabend. Wann hat es das schon mal gegeben?

Plötzlich war es im Wohnzimmer mucksmäuschenstill. Sprachlos sahen auf das, was die Mutter mit beiden Händen aus dem Römertopf hervorgeholt hatte. Es sah aus wie die Beute in einem Piratenfilm, wie in Pirates oft the Caribbean: Perlenketten, Goldketten, Golduhren, Colliers. Es glitzerte und funkelte im schummrigen Kerzenlicht von der geschmückten Weihnachtstanne im Wohnzimmer.

der Schmuck

Um einen Schrei zu unterdrücken, schlug Jana die Hand vor den Mund. Wie war der Schmuck in den Topf hineingekommen? Wer spielte ihr einen Streich? Was wohl Mama jetzt von ihr dachte?

Fieberhaft suchte Jana nach einer Erklärung, wie der Schmuck in den Topf hatte gelangen können.

 «Mama, Der Schmuck ist nicht echt. Das sind alles Attrappen. Von H&M. Die Verkäuferin wollte den Tand wegwerfen. Da habe ich sie gefragt, ob sie mir den Schmuck geben könne», sagte Jana verlegen und überspielte ihre Angst vor einer Strafe.

«Das soll ich dir glauben? So ein Unsinn», sagte die Mutter.

Jana zuckte mit den Schultern. «Ich wollte, dass mein Geschenk etwas besonders ist. Das ist es doch. Oder?»

«Das wäre es. Ohne den Schmuck. Deine Erklärung klingt eindeutig unehrlich. Soweit ich das beurteilen kann, ist der Schmuck echt.» Sie zog die Augenbrauen zusammen und schaute Jana mit seinem stechenden Blick an. «Ich möchte jetzt die Wahrheit von dir hören, Jana. Also, woher hast du …?»

Besuch an Weihnachtsabend

Ein Hämmern an der Haustür unterbrach sie. Es hatte schon dreimal geklingelt, nur hatte es keiner von unserer Familie wahrgenommen. Papa fluchte und lief eilig aus dem Wohnzimmer. Überrascht sah Jana, wie Mama schnell den Schmuck dorthin zurücklegte, wo er vorher, und setzte den Deckel wieder auf.

Hätte ich auch gemacht, dachte Jana, wer weiss schon, welche Leute an Weihnachten um zehn Uhr abends zu uns kommen wollen.

der Verdacht

Im nächsten Moment standen zwei Polizisten im Wohnzimmer. Die Bijouterie Zum Goldenen Schloss in der Briger Innenstadt sei beraubt worden. Wertvoller Schmuck, vor allem Halsketten und allerhand wertvolle Juwelen seien gestohlen worden. Vermutlich handle es sich beim Täter um einen jungen Mann mit hellrosa Mütze. Die Überwachungskameras an den Gebäuden rings um den Laden und in der Innenstadt hätten gezeigt, dass zur selben Zeit, als der Einbruch stattgefunden hat, sich Jana in der Nähe des Ladens aufgehalten habe. Sie sei zusammen mit dem Mann in hellrosa Mütze gesehen worden.

weihnächtliches Potpourri

Weihnachtszeit – Zeit einander Freude zu bereiten. Mit diesem Beitrag schenke ich dir ein paar Tipps für dein Festtagsessen und als Nachspeise eine Portion Lesefreude.

Rezept für Fondue Chinoise Saucen

Fondue Chinoise ist unkompliziert in der Vorbereitung. Ohne Stress und stundenlange Vorbereitung hat man die Mahlzeit im Nu auf dem Tisch. Niemand muss stundenlang in der Küche stehen.

Ich nehme immer Rindsfilet und lasse es vom Metzger in Würfel schneiden.

Bei Fondue Chinoise wird das Fleisch dünn geschnitten. Ich finde, das ist schade um das Fleisch. In Würfel geschnitten hat es viel mehr Geschmack. Und in Bouillon schmeckt es besser als in Öl gebraten wie in Fondue Bourguignon.

Neben dem Fleisch spielen die Saucen die Hauptrolle. Man kann natürlich Döschen mit Fertigsaucen öffnen. Wie viel besser schmecken da doch die selbst gemachten Saucen. Wenn man die Mayonnaise nicht selbst zubereitet, geht das schnell. Wie ich die Saucen zubereite siehst du im Video. Hier noch das Rezept dazu.

Die kräftige Bouillon, in die man das Fleisch eintaucht, kann man mit Rotwein verfeinern. Am Ende kann man die Brühe gemeinsam in einem Schälchen trinken oder für eine Suppe am folgenden Tag verwenden.

Geniesse das Essen gemeinsam mit deiner Familie oder Freunden. Ich wünsche dir schöne Festtage und alles Gute fürs Jahr 2023.

Kochtipps und Weihnachtsgeschichte

Die Idee, in Gesellschaft Fleischhäppchen in eine Bouillon zu tauchen, ist vom asiatischen Feuertopf inspiriert. „Fondue“ heisst auf Französisch bekanntlich „geschmolzen“. Zum Glück schmilzt das Fleisch beim Fondue Chinoise nicht.

Meine Weihnachtsgeschichte

Bei uns bringt an Weihnachten das Christkind die Geschenke, nicht der Weihnachtsmann. Meine jüngere Schwester, meine fünf Brüder und ich konnten es jeweils kaum erwarten, dass es Heiligabend wurde, schon wegen den Geschenken und dem guten Essen.

Vor der Bescherung durften wir die Küche nicht verlassen. Brav sassen wir am langen Esstisch in der Küche. Mama schloss die Küchentür und war danach eifrig damit beschäftigt, das Dessert zuzubereiten. Wir Kinder spielten Eile mit Weile. Es ging also ziemlich laut zu und her in der warmen Küche, die noch vom Duft des genossenen Fondue Chinoise erfüllt war.

Das Christkind vor der Tür?

Papas Schritte im Flur hörten wir deshalb nicht. Er wartete natürlich nicht bei der Haustür, um das Christkind zu empfangen. Nein, nein. Das hatte ich mal ausgespäht. Bis er alle Geschenke für uns vom Elternschlafzimmer ins Wohnzimmer getragen hatte, dauerte es eine Weile. Angespannt spitzten wir Kinder die Ohren, um keinen Fall das helle Läuten des Glöckleins jenseits der Küchentür zu verpassen. Das Zeichen, dass das Christkind uns besuchte hatte.

Das war immer der Startschuss für uns. Wir rannten so schnell als möglich ins Wohnzimmer, um einen guten Platz mit Aussicht auf den Geschenktisch zu ergattern. Am Weihnachtsbaum brannten schon die Kerzen, spiegelten sich in den roten Kugeln wider. Uns interessierte nur noch eines: Wer von uns würde das schönste, das teuerste, das grösste Geschenk bekommen?

Weihnachtslieder

Kaum sass mein ältester Bruder auf dem besten Platz, dirigierte ihn Mutter ans Klavier. Die sonore Stimme meines Vaters hob an. Da er gerne bei Operetten auf seinen Schallplatten mitsang, übertönte er unsere Kinderstimmen bei weitem. Wohl oder übel sangen wir mit:

«O Tannenbaum». Ich dachte an die blöden Nadeln, die ich später mühsam vom Spannteppich saugen musste.

Und «O du fröhliche» Ich fühlte mich überhaupt nicht fröhlich, denn ich hatte Bauchkrämpfe, weil ich zu viel und zu schnell gegessen hatte und ich fühlte, dass mir gleich schlecht werden würde.

Endlich das letzte Lied: «Es ist ein Ros entsprungen». Ich habe nie gewusst, was mit ‘Ros’ gemeint war, wahrscheinlich das Jesuskind.

Ich hätte gescheiter nicht von Papas Wein trinken sollen.

Meine älteren Brüder

Der Zweitälteste schloss mit Wucht den Deckel des Klaviers, auf die Finger meines zweitältesten Bruders, die immer noch auf den Tasten klimperten. Ein Wehgeschrei ging los. Vor Schmerz hob mein ältester Bruder den Deckel wieder an, schüttelte die Finger, blies mit dem Mund auf die Stellen, wo es besonders weh tat, ballte dann die Hände zu Fäusten und boxte auf den Bauch seines Peinigers.

Papa zog beide am Ohr und bugsierte sie zur Strafe in ihre Zimmer. Mutter schüttelte besorgt den Kopf, fing aber endlich an, die Pakete auszupacken. An jedem hing ein kleines Kärtchen mit dem Namen des Beschenkten. War ein Paket ausgepackt, glättete sie jedes der Geschenkpapiere sorgfältig, um sie nächstes Jahr wieder zu verwenden.

Gitarre

Ich bekam das grösste Geschenk: Eine Gitarre, von meiner Taufpatin. Ich zupfte ein paar Mal an deren Saiten und lehnte die Gitarre danach ans Sofa. Der jüngste Bruder in Windeln am Hintern und Schnuller im Mund brachte sie bald darauf zum Kippen.

Mir war inzwischen weniger schlecht als befürchtet, aber ich hatte natürlich noch etwas viel Stärkeres als Wein getrunken. Ich hatte Mama am Nachmittag geholfen, die Tanne mit Christbaumkugeln und Kerzen zu schmücken. Unauffällig hatte ich mich bei der Gelegenheit in Papas Spirituosenbar in der Wohnwand bedient und ein Fläschchen in meiner Hosentasche mitgehen lassen.

Wie heisst es so schön? Ein Schnäpschen in Ehren kann niemand verwehren und es helfe bei der Verdauung. Deshalb habe ich beim letzten Toilettengang das Fläschchen bis auf den letzten Tropfen ausgetrunken. Es half tatsächlich. Komisch war nur, ich sah meine Familie mit völlig anderen Augen, in einem viel sanfteren Licht.

Teddybär

Mein Bruder, der nur ein Jahr jünger war als ich, zwinkerte mir ständig zu. Er hatte einen grossen Teddybären von seinem Paten geschenkt bekommen, er hätte aber lieber meine Gitarre gehabt. Leider war er stärker als ich und riss mir meine Gitarre weg. Mir fehlte die Kraft, mich dagegen zu wehren. Ich sann auf Rache. Als er eine Weile nicht hinschaute, nahm ich die Schere vom Salontisch, schnitt eine Saite an zwei Stellen durch und riss sie weg. Mit der Saite erdrosselte ich seinen Teddybären.

Mama sah plötzlich, was los war und verpasste mir eine Ohrfeige. Mein Kopf flog zur Seite. Ich fand das ungerecht. Vor Wut warf ich den Teddybären in Richtung Weihnachtsbaum. Der Kopf des Teddybären fiel ab und landete auf einer brennenden Kerze der Weihnachtstanne, fiel danach auf das Jesuskind und setzte das Stroh in der Krippe in Brand. Oh, du fröhliche!