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Schrott-Reiseführer

Diesen Sommer reise ich an den Chiemsee. Ich habe mich nach einem Reiseführer umgesehen. Zuerst in der hiesigen Bibliothek, dann in meiner Stamm-Buchhandlung. Doch für mein Urlaubsziel habe ich dort kein Buch gefunden. Zuhause habe ich danach auf Amazon nachgeschaut: Reiseführer 2025, von diesem Jahr, also topaktuell. Das passt, dachte ich.

Die Enttäuschung

Nach drei Tagen meine Enttäuschung. Der Reiseführer enthielt kein einziges Bild, das Layout war grenzwertig und manchmal waren Zeilen in englischer Sprache. Mein Eindruck:  Das ist kein Reiseführer, das ist Schrott! Und dafür habe ich über 16 Euro hingelegt. Ich habe  sofort vermutet, der Inhalt dieses Reiseführers ist aus allen möglichen Quellen im Internet abgekupfert worden.  Alles Inhalte, die ich im Internet auch gefunden hätte.

Der Spiegel-Artikel

Mein Ärger wurde noch grösser, als ich dann den Spiegel Nr. 26 las. Unter dem Titel „Onlinebuchhandel: Das Geschäft mit KI-generierten Schrottbüchern auf Amazon“ wurde anhand des Reiseführers „Hamburg mit Kindern“ aufgezeigt, wie das Buch vor Fehlern strotzt. Ein Beispiel daraus: Bei einer Kneipe hieß es, es sei ein beliebter Treffpunkt für Familien, doch die Kneipe ist bekannt vor allem bei Nachtschwärmern.

 

Buch ohne Autorin

Ich horchte auf und schaute mir auf Amazon die Autorin Marion J. Nelson.  Klickte auf „Autor“ war nichts von der Autorin zu sehen, dafür landete ich auf unzählige weitere Reiseführer 2025 von ihr. Unmöglich, dass eine Autorin für all diese Destinationen Recherchen durchzuführen in der Lage war: Meran, Odenwald, Potsdam, Verona, Friaul, Bretagne, Taipeh, Taiwan usw.

Der Handel mit KI-Reiseführern scheint zu florieren. Bei der Suche nach einem Reiseführer, werden die KI-Bücher von Amazon prominent vorgeschlagen. Welcher Kunde will schon  viel Zeit verlieren, um das gesuchte Buch zu finden?

Mit wenig Aufwand verdient Amazon viel Geld.

Doch der Kunde kann auf der Webseite von Amazon nicht erkennen, dass kein Mensch das Buch geschrieben hat. Wenn er dann das Buch geliefert bekommen , ärgert er sich. Sein Geld ist weg. Der Frust groß. Für gute Reiseführer will der Kunde nicht noch einmal Geld ausgeben. Das schadet den guten Reiseführer-Büchern, für die Autorinnen und Autoren gründlich recherchiert, Zeit und Geld investiert  haben.