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Weihnächtliche Geschichten

am Kulturellen Adventskalender in Brig

Von Wäldern, einem Zauberbaum und einem Tannenbein (Gedicht)  Eingängig-besinnliche Zeilen von Christine Bonvin, Nicolas Eyer, Anton Rey und Veronika Menath. Sie lesen am Kulturellen Adventskalender im Werkhof von Brig, wo jeden Abend in der Adventszeit eine künstlerische Darbietung gezeigt wird. 

Wer ist die WAdS?

Seit fast fünfzehn Jahren bietet die Vereinigung der Walliser Autorinnen und Autoren deutscher Sprache WAdS aktiv Schreibenden und Literaturinteressierten ein inspirierendes Umfeld, um sich mit dem eigenen Schreiben und Geschriebenem von anderen auseinanderzusetzen, sich auszutauschen, einzubringen und sich zu vernetzen.

Im Zentrum steht ein Anspruch, der leiser klingt als er ist: Literatur aus dem deutschsprachigen Wallis sichtbar machen. Nicht laut und aufdringlich, sondern beharrlich, mit Qualität und Herzblut. Die WAdS sammelt Texte, kuratiert Lesungen, veröffentlicht Anthologien – und hält dabei stets die Türen offen. Denn zum Verein gehören nicht nur Schreibende, sondern auch Menschen, die zuhören, mittragen, bestärken.

Gedicht von Tony Rey
Das Tannenbein

 

Ein Schaukelpferd – das Gampfiross – geschnitzet ganz.

aus Holz und zwar aus harter Eich‘

kommt in die Jahr‘. Der Kinderstolz verliert an Glanz,

und wird vom vielen Schaukeln matt, gar weich.

Das eine Bein – das hint’re links – an Heil’ger Nacht in Brüche geht,

so dass das Pferdchen nicht mehr steht.

Die Kinderschar heult bitter.

Dem Ross fehlt nun der Ritter.

Ein Retter naht und sieht die Not. Er hat Erbarm‘.

Zum Glück ist er ein Schnitzer. Entfernt mit starkem Arm

der Tannen grüne Blätter, schnitzt aus dem Holz des Baums ein neues Bein.

Da kommt kein Borkenkäfer rein

und auch kein Wurm.

Das Pferd erträgt der Kinder Sturm

so weit’re hundert Jahr ohn‘ jede Pein

und alle Kinder fröhlich singen Weihnachts nun:

Oh Tannenbein, oh Tannenbein!

Tod am Krimifestival

Christine Bonvin fühlte, wie sich Müdigkeit in ihr breitmachte. Das Krimifestival konnte ihr für ein paar Minuten egal sein. Sie hatte alles getan, damit es ein Erfolg wurde.

Jetzt gönnte sie sich eine kleine Pause an einem Tisch am Rande der Terrasse des Parktheaters. Nur für einen Augenblick sagte sie sich, nur kurz die Augen schließen, um die Leser und Autoren auszublenden, die ständig mit irgendwelchen Fragen zu ihr kamen.

Sie konzentrierte sich endlich einmal wieder auf sich selber, anstatt auf die Leute, die ständig etwas von ihr wollten, hörte in sich hinein. Ihr Körper meldete sich: Nervenbahn Blase an Hirnzentrum – Blase ist voll! – Empfehle dringendst Entleerung.

Ach Gott, dachte sie, das kann noch warten. Ich ruh mich jetzt ein bisschen aus.

Sie blieb weiterhin still auf ihrem Stuhl sitzen, ihr Kaffee war längst ausgetrunken. Brosamen ihres Sandwichs auf der Tischplatte lockten ein Spatz an, der sie vorsichtig beäugte. Soll er doch, dachte sie. Sie schloss wieder die Augen.

Christine Bonvin lief rasch die Treppe hinunter zu den Toiletten im Foyer des Parktheaters. Sie konnte es sich nicht leisten, später dorthin zu gehen. Ein Vortrag über Rechtsmedizin stand auf dem Programm. Da musste sie hin. Ich nehme die erste WC-Kabine, dann verliere ich nicht zu viel Zeit, dache sie. Erschrocken hielt sie inne, als sie die Frau am Boden neben der WC-Schüssel liegen sah. Es war Ina, Autorin und wie sie Vorstandsmitglied von Krimi Schweiz. War Ina schlecht geworden, war ihr erster Gedanke. Erbrochenes sah Christine Bonvin nicht, doch ein dünnes Rinnsal Blut war aus einem runden Loch auf Inas Stirn geronnen, ein Einschussloch, ganz bestimmt. Mein Gott!, keuchte Christine Bonvin.

Ihr Puls schlug schneller. Das gibt’s doch nicht: Mord an einer Krimi-Autorin? Bei einem Krimi-Festival? Ausgerechnet! Wer war die Person, die Ina getötet hatte?

Sie rief die Nummer 144 an. Kaum war der Anruf zu Ende, stürmten ein Sanitäter und drei Polizisten in die Damentoilette. Unsicher machte Christine machte ein paar Schritte rückwärts und suchte zitternd Halt an einem der Waschbecken neben den WC-Kabinen.

«Das ging aber schnell», sagte sie erstaunt. «Es ist noch keine Minute her, dass ich Sie gerufen habe. Wie ist das möglich?»

«KI», brummte der Sanitäter.

«Aha», sagte Christine Bonvin, die wusste, was künstliche Intelligenz ist.

Der Älteste der Polizisten hatte seinen Blick langsam über die am Boden liegende Ina wandern lassen. Jetzt stand er Christine Bonvin breitbeinig gegenüber.

«Frau Bovin. Wie war Ihr Verhältnis zu der Frau?» Der Ton, in dem er dies sagte, ließ sie vermuten, dass er sie verdächtigte, ihre Autorenkollegin umgebracht zu haben.

«Wir sind … ». Sie stockte. «Wir waren gute Kolleginnen. Zusammen mit anderen haben wir das Krimifestival organisiert. Ich bin für das Administrative und die Finanzen zuständig. Sponsoren und solche Dinge.»

«Verstehe. Und was macht die Pistole in Ihrer Handtasche? Ist das eine Attrappe?»

Verwundert nickte Christine Bonvin. «Ja.» Sie holte die Pistole heraus. «Die brauche ich für meine Lesung am Nachmittag. Aber wie können Sie wissen, dass ich die dabeihabe?»

«KI», antwortete der Polizist lapidar und nahm ihr die Pistole ab.

Ihr blieb der Mund offenstehen, dann fragte sie in einem Ton, als würde sie sich über den Polizisten lustig machen: «KI? So weit sind Sie schon? Das heißt, Sie wissen schon vorher, wann und wo ein Mord passiert.»

Der Polizist nickte.

Mit einem listigen Blick fragte sie: «Und warum verhindern Sie die Morde nicht gleich, wenn Sie doch alles wissen.»

Er schwieg. Dachte, dass es eigentlich an ihm war, Fragen zu stellen und nicht an ihr. Aber so war das mit diesen verflixten Autoren. Die brauchten Stoff für ihre Krimis. Die hatten ja alle keine Ahnung, wie es wirklich läuft.

«Herr …», begann Christine Bonvin zögernd. «Sie haben sich vorher kurz vorgestellt. Wie war schon wieder Ihr Name …?»

«Stieg Larsson.» Bei diesen Worten richtete er die Pistole gegen sie. «KI weiß noch lange nicht alles. Dann wollen wir mal sehen, ob das hier wirklich eine Attrappe ist, Frau Evard. Sie heissen doch Evard, soweit ich das von KI mitbekommen habe. Und ich weiss auch, dass Sie Genusskrimis schreiben. Da passt doch eine Pistole nicht dazu. Und weil das hier eine Attrappe ist, drücke ich jetzt mal ab.»

Christine Bonvin hörte einen Knall und spürte nahezu gleichzeitig, wie dumpf etwas ihren Oberkörper traf. Das war’s dann wohl mit Krimi-Schreiben war ihr letzter Gedanke.

Doch dann öffnete sie vorsichtig die Augen, um ein letztes Mal den azurblauen Himmel anzuschauen. Blinzelte gegen das Sonnenlicht.

Christoph Gasser sah sie grinsend an, hob den Korken vom Boden auf, der sie getroffen hatte.

«Sorry, war nicht Absicht.» Er schenkte ihr Prosecco ein, dann auch in sein Glas und prostete ihr zu. «Auf den Erfolg unseres Krimifestivals»

Als er sie näher betrachtete, musste sich Christoph Gasser ein Lachen verkneifen,

«Was hast du da auf deinem Kleid?»

Auf ihrer Bluse klebte eine weißlich-gelbe Masse, die zu stinken anfing, stellte Christine Bonvin fest. Rasch wischte sie die Vogelscheiße von ihrem Kleid. Dann stand sie energisch auf, froh, den Krimiautor und Mitorganisator des Festivals vor sich zu haben und nicht den Polizisten, der sich einen Spass mit ihr erlaubt hatte, als er behauptet hatte, er sei der berühmte Krimiautor Stieg Larsson.

Diesen Kurzkrimi habe ich nach dem Krimifestival geschrieben. Und nun zu meinen Impressionen vom Festival:

Kurzlesungen und Interviews

Bei den Kurzlesungen am Vormittag habe ich aus meinem neuen Krimi «Mord hinter dem Vorhang» gelesen. Für mich war das eine Premiere. Wir Autorinnen und Autoren hatten nur 10 Minuten Zeit dafür. Ich las aus drei Schlüsselkapiteln in meinem Buch vor. Später bekam ich nicht nur Komplimente für meine Lesung, sondern auch für mein neues T-Shirt, das ich für den Anlass entworfen habe.

Im Foyer des Parkhotels in Grenchen hatte ich zwischendurch Zeit vier spannende Interviews zu führen: mit einer Leserin, mit einer Rechtsmedizinerin, die Krimis schreibt, mit der Filialleiterin von Lüthy Solothurn und einer Buchhändlern von Lüthy Solothurn, und mit einer Autorin und Mitorganisatorin des Anlasses.

Kurzlesungen, Interviews und mehr

Ein Höhepunkt des Festivals war die Verleihung des Schweizer Krimipreises. Dieser Preis würdigt aussergewöhnliche Leistungen im Bereich der Kriminalliteratur und ehrt Autoren, die mit ihren Werken neue Massstäbe setzen.

WAdS? Wer???

Was sich hinter der Abkürzung WAdS verbirgt, erfuhr ich zufällig auf einer Fahrt mit dem Zug.

Ich gebe zu, ich hatte bis zu dem Zeitpunkt noch nie etwas von WAdS gehört. Es war eine elegante Frau, die mich auf die WAdS aufmerksam gemacht hat, eine Frau, die ich auf Facebook schon gesehen habe, aber nicht näher kannte. Aber der Reihe nach.

Im Winter 2019 saß ich im selben Abteil wie sie im Zug Richtung Goms, Wir sassen uns gegenüber. Annelies Benelli gegenüber.

Ich wusste, dass sie Kunstschaffende war, ihr Bild, das sie für das Buch gemalt hatte, und ihren Namen hatte ich auf dem Cover von Nicolas Eyers Buch „Hinter den Rändern der Welt“ gesehen.

Annelies hatte an dem Tag Langlaufskis dabei und sie trug einen chicen Langlaufdress. Ich sprach sie an. Das Eis war gebrochen. Sie ist eher eine zurückhaltende Person, die von sich selber sagt, sie sei schüchtern. Und doch kamen wir ins Gespräch. Über ihre Kunst, über meinen ersten Krimi, der damals noch nicht lange in den Buchhandlungen zu kaufen war.

Im Gespräch machte sie mich auf die Vereinigung der Walliser Autorinnen und Autoren deutscher Sprache aufmerksam. Da ich schon einen Kriminalroman geschrieben hätte, solle ich doch dem Verein beitreten. Da würde ich sehr gut reinpassen.

Die Mitglieder würden sich einmal im Monat treffen, um bei einem Glas Wein oder Bier die Kameradschaft zu pflegen. Ich traute mich nicht, bei diesem Stammtisch mitzumachen, war ich doch eine kleine, unbekannte Autorin und kannte kaum jemand vom Verein. Dann kam Corona und der Stammtische war nicht mehr möglich. Meine Chance vertan, dachte ich.

Interview mit dem Co-Präsident der WAdS und mit Annelies Benelli, Autorin

Doch ein Jahr später wurde ich Mitglied der WAdS. An der ersten Versammlung lernte ich ein paar der Autorinnen und Autoren kennen. Zu meiner grossen Freude kannte ich schon zwei Mitglieder. Es waren Christine Bonvin und Eyer Nicolas. Beide hatte ich für meine Blogbeiträge im Vohrjahr interviewt.

Das Interview in Siders mit Christine Bonvin habe ich in drei von meinen Blogbeiträgen eingearbeitet:

– Mordmotive, vom28. Juli 2021,

– Du sollst nicht morden, vom 30. Juni 2021 und

– Warum Buch und Film nicht dasselbe sind, am 18. Juni 2021.

Mit Nicolas Eyer habe ich über zwei Themen geredet. Die Blogbeiträge dazu findest du hier:

  • der erste Satz, vom 13. Mai 2021
  • Sex sells?, vom 23. Mai 2021

Aus dem Walliser Boten vom 25. Oktober:

Krimi Schweiz

Wo liegt Grenchen? Das fragte ich mich, als ich am Samstagmorgen früh im Zug nach Grenchen saß. Nach zweimal umsteigen und etwas mehr als zwei Stunden Fahrt war ich dort.

Krimi-Mekka der Schweiz

Grenchen – hier schlägt das Herz der Schweizer Krimiliteratur. Hier war ich das erste Mal bei der Mitgliederversammlung von Krimi Schweiz dabei. Dass es erst die zweite Versammlung des Vereins war, erfuhr ich später von Christof Gasser, dem Präsidenten des Vereins.

Ich war gespannt. Wer von den Autorinnen und Autoren des Vereins würde kommen? Ich kenne nur zwei der Autorinnen. Alle anderen vielleicht von Facebook oder von der Werbung in den Zeitungen und den Flyern der Bibliotheken.

Who is who?

Bei Kaffee und Gipfeli trafen die Ersten ein. Händeschütteln. Lächeln. Small Talk. Die Atmosphäre war freundschaftlich, entspannt. Schön, dass mehr als zwei Dutzend Vereinsmitglieder kamen. Facebook oder Webseite können niemals einer Autorin, einem Autor gerecht werden. Der unmittelbare Kontakt bleibt hängen, schafft Erinnerungen, die viel stärker sind als jedes Medium.

Erstaunt war ich, wie Silvia Götschi auf mich wirkte. Ich habe sie mir grösser vorgestellt, nicht so zierlich. Sie ist eine herzliche, sehr einnehmende Frau. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen.

Interviews mit Autorinnen und einem Autor

Nach dem offiziellen Teil hatte ich Gelegenheit, vier Autorinnen und einen Autor zu interviewen und gleichzeitig mit meinem Handy zu filmen. Ich habe sie über ihren neuesten Krimi befragt. Das Video, das ich daraus gemacht habe, gibt dir ein paar Inputs für deine Lektüre in der Jahreszeit, in der die Tage kürzer und die Nächte länger werden. 😊

Die nachfolgenden Informationen findest du auch auf der Webseite von Krimi Schweiz.

https://krimischweiz.org/

Silvia Götschi

Zählt zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen der Schweiz. Für ihre Krimis „Einsiedeln“ und „Bürgenstock“ wurde sie mit dem GfK No 1 Buch Award ausgezeichnet. Geboren wurde sie 1958 in Stans. Sie hat drei Söhne und zwei Töchter und wohnt heute mit ihrem Mann in der Nähe von Luzern.

Publikationen: „Auf der schwarzen Liste des Himmels“ (2021), „Interlaken“ (2020), „Engelfinger“ (2020)

www.silvia-goetschi.com

Susanne Mathies

Geboren 1953 in Hamburg, lebt in Zürich, promovierte in Wirtschaftswissenschaften und in Philosophie. Sie schreibt auf Deutsch und Englisch. Bisher wurden fünf ihrer Kriminalromane veröffentlicht, daneben auch noch zahlreiche Gedichte und Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien.

Sie ist Redaktionsmitglied der orte-Literaturzeitschrift und Mitherausgeberin der orte Poesie Agenda. Publikationen: «Mord mit Limmatblick»» (2022) «Mord im Lesesaal» (2021), «Das Auge der Ahnen» (2018), «Offline – der verschwundene Berater» (2015)

http://die-aus-zuerich.ch/mediawiki/index.php?title=Susanne_Mathies

Christine Bonvin

Bürgerlicher Name: Christine Evard stammt aus dem Aargau. Über Umwege ist sie im Wallis gestrandet. Die Lust am Schreiben erwachte bei ihr in reiferen Jahren. Vorher setzte sie ihre Energien ein, um eine Firma aufzubauen. Die Geschichten schlummerten in einer Schublade, bis es Zeit war sie herauszuholen.

Daraus entstanden Genusskrimis und diverse Kurzgeschichten.

Publikationen: „Lieblingsplätze Wallis“ (2021), „Olympiade der Köche“ (2015), „Gourmetfahrt im Glacier Express“ (2012)

http://bonvinc.bonne-eau.ch/

Stefan Haenni

Geboren 1958 in Thun, studierte an den Universtäten Bern und Fribourg Kunstgeschichte, Psychologie und Pädagogik. Seit 2009 lebt und arbeitet er als freischaffender Autor und Kunstmaler in seiner Geburtsstadt.

Haenni publizierte zahlreiche Kriminalgeschichten in thematischen Anthologien Im Gmeiner-Verlag erschienen seine Kriminalromane „Narrentod“, „Scherbenhaufen“, „Berner Bärendreck“ und Tellspielopfer“ sowie die Kurzkimi-Bände „Todlerone“ und „Zürihegel“.

https://www.stefanhaenni.ch/

Ina Haller

lebt mit ihrer Familie im Kanton Aargau. Nach dem Abitur studierte sie Geologie. Seit der Geburt ihrer drei Kinder ist sie «Vollzeit-Familienmanagerin» und Autorin. Sie veröffentlicht zwei erfolgreiche Krimireihen um die zivilen Ermittlerinnen Andrina und Samantha.

Zudem gehören zu ihrem Repertoire Kurz- und Kindergeschichten sowie Reisberichte.

https://inahaller.ch/

Krimi-Fenster

Mit dem Krimi-Fenster bot Grenchen den Leserinnen und Lesern von Krimis die Möglichkeit, bekannte und beliebte Schweizer Autorinnen und Autoren zu treffen.

Einige von ihnen nahmen sich Zeit für ein Interview mit mir.

Für Krimi-Fans

Nächstes Jahr, vom 15. Bis 17. September 2023 findet zum zweiten Mal das Schweizer Krimifestival statt.

Das Schweizer Krimifestival von Krimi Schweiz ist ein nationaler Anlass, der die Vielfalt der Schweizer Krimis zeigt. Es findet alle zwei Jahre statt. Es werden Krimi-Autorinnen und Autoren aus der ganzen Schweiz da sein. Höhepunkt des Festivals ist die Verleihung des Schweizer Krimipreises, der mit insgesamt 10’000 CHF dotiert ist.

Warum Buch und Film nicht dasselbe sind

Schaust du Krimis oder liest du sie?

Die Leute lieben Krimis. Ein Blick auf die Bücher-Bestsellerlisten bestätigt dies. Insofern verwundert es nicht, dass rund ein Viertel der Fernsehsendungen Kriminalfilme sind, noch vor Komödien, Action- oder Liebesfilmen. Die Sender setzen wie die Buchverlage auf Krimis. Es wird fleissig gestorben. Die Zahl der Morde im Fernsehen übersteigt die realen um ein Vielfaches. Genauso wie diejenigen in Romanen.

Den Beitrag vorlesen lassen

Kriminalfilm oder Kriminalroman?

Was unterscheidet einen Kriminalfilm von einem Kriminalroman? Ein Kulturkämpfer und zwei Krimiautorinnen haben mir auf diese Frage spontan geantwortet. Schau dir das Video dazu an.

Jean-Pierre D’Alpaos

Kulturkämpfer

Christine

Bonvin

Krimiautorin

http://bonvinc.bonne-eau.ch/

Regine

Frei

Krimiautorin

https://www.reginefrei.ch/

Erfahre mehr im Video

Laufzeit: 5:14

Bilder

Film und Buch haben Gemeinsamkeiten. Beim Film nimmt der Zuschauer die Bilder so wahr, wie sie der Regisseur arrangiert hat, es sind bewegte Bilder. Beim Buch hingegen entstehen die Bilder im Kopf des Lesers. Bei jedem Leser sind sie anders. Bestimmt hast du auch schon einen verfilmten Roman angeschaut und warst enttäuscht.

Ich habe einen Krimi von Donna Leon gelesen. Später sah ich den Fernsehfilm dazu. Von Commissario Brunetti hatte ich mir beim Lesen ein Bild gemacht. Der Darsteller im Film entsprach überhaupt nicht meinem Bild von Brunetti.

Worum geht es in einem Krimi?

Es geht im Film wie im Roman um Kriminalgeschichten. Im Zentrum stehen zweifellos Schuld und Sühne. Es geht um das Böse im Menschen. Um menschliche Abgründe, um das Verderbte. Die Schattenseiten des Lebens. Die Regeln des Alltags sind auf den Kopf gestellt.

Herstellung

Für einen Roman braucht es nicht nur einen Schriftsteller und einen Verlag. Es braucht Lektoren, Korrektoren, die Druckereien usw. Für einen Film braucht es viel mehr Akteure: vom Regisseur, über den Drehbuchautor, die Schauspieler, Kameraleute, bis zum Cutter und viele mehr.

In einem gewissen Sinn ist ein Buchautor Regisseur und Drehbuchautor in einem.

Aufbau

Jeder Film, jeder Roman hat wie jede Geschichte eine Struktur. Sie hat sich – seit es Menschen gibt – bewährt. Sowohl Romane wie Videos arbeiten nach diesem Prinzip.

In einem Krimi setzt ein auslösendes Ereignis die Geschichte in Gang: Der Kommissar und seine Assistentin werden zum Tatort gerufen. Im Höhepunkt findet die entscheidende Auseinandersetzung zwischen dem Kommissar und dem Schurken statt. Im Film sind dann alle Waffen leergeschossen. Im letzten Teil gesteht der Täter. Er wird überführt.

Tempo

Durch die Sozialen Medien werden wir zur immer schnelleren Aufnahme von Eindrücken erzogen. Das zunehmende Tempo von Filmen bezahlen wir mit immer kürzeren Aufmerksamkeitsspannen. Ein Kriminalroman verlangt im Gegensatz dazu eine viel längere Aufmerksamkeit des Lesers.

Harte Schnitte – übergangslose Übergänge

Die Filmemacher haben den Zuschauern den harten Schnitt antrainiert. Dem tragen Krimiautoren längst Rechnung, wenn sie den übergangslosen Übergang wählen. Damit legen sie ein hohes Tempo vor und vermeiden beispielsweise langweilige Autofahrten vom Tatort zum Polizeiposten. Der Leser füllt die Leerstellen selbst.

Deine Meinung ist gefragt

Was meinst du zu diesem Thema? Ich bin gespannt, was du darüber denkst.