Die Macht von Cover und Titel

Die Wahrscheinlichkeit, dass du ein Buch übersiehst, ist 99 %! Warum das so ist, erkläre ich dir gleich.

Coverbild

Je nach Verlag haben Autoren beim Cover mehr, weniger oder gar kein Mitspracherecht. Bei meinem Verlag konnte ich sehr viel mitbestimmen. Die Fotos auf meinen Covers habe ich selber gemacht. Die Grafiker des Verlags haben dann aus den Bildern das Beste herausgeholt.

Ich möchte dir zeigen, warum ich mich bei meinen Krimis für das jeweilige Coverbild und den Titel entschieden habe. Ich habe zudem ein paar Leute gefragt, wie sie die Titelseite meiner Krimis empfinden, welche Gefühle das Coverbild in ihnen weckt.

Vier Männer waren bereit, mit mir das Video zu drehen. Laufzeit 7:42

Die Qual der Wahl

Und jetzt erkläre ich dir zuerst, warum ein Buch zu 99 % übersehen werden kann. In einer Buchhandlung oder online bist du mit zigtausenden Büchern konfrontiert. Meistens hast du Schwierigkeiten, dich zwischen all den Büchern zu entscheiden. Du löst das Problem dadurch, dass du auf dein «schnelles» Gehirn zurückgreifst, auf die emotionalen Mechanismen, die dir eine rasche Auswahl ermöglichen. Damit bist du in der Lage, in Sekundenbruchteilen eine Entscheidung zu treffen.

2/3 plus 1/3 =  ?

Ich habe mal gelesen: Ob ein Buch gekauft wird oder nicht, entscheide zu rund zwei Drittel das Cover und zu knapp einem Drittel der Titel. Die restlichen wenigen Prozent mache der Inhalt aus. Kaum vorstellbar, nicht wahr? Zwei Drittel und ein Drittel gibt doch 100 Prozent! Aber im Kern stimmt die Aussage: Soll ein Buch gekauft werden, müssen Cover und Titel den Käufer ansprechen.

Kaufen ja oder nein?

Wenn du Titel und Coverbild siehst, triffst du unbewusst bereits eine emotionale Entscheidung. Nimmst du daraufhin das Buch in die Hand, so suchst du (unbewusst) nur mehr nach rationalen Argumenten, um die bereits getroffene Entscheidung zu bestätigen. Du liest den Klappentext und die erste Seite. (Ich kenne Leser, die die letzte Seite zuerst anschauen. ) Doch jetzt kann nur mehr passieren, dass das Buch an deinen Vorlieben völlig vorbeigeht. Zu 95 % wird das Buch gekauft, wenn es einmal in die Hand genommen wurde.

Buchtitel

Neben dem Coverbild hat der Titel die größte Bedeutung, damit es gekauft wird. Ein Titel sollte emotionale Aufmerksamkeit erzeugen. Ein Titel kann, muss aber nicht einen Bezug zum Inhalt haben. Und er darf so noch nie verwendet worden sein, dies die Vorgabe von Verlagen.

Meine Titel

Mein erster Krimi hatte am Anfang den Titel: «Das Spiel mit den Kapseln», weil sowohl das Anti-Demenz-Medikament für die älteren Leute wie das Kokain für die Jungen von den Verbrechern in Kapselform hergestellt und verkauft werden.

In Band zwei trug der Roman am Anfang Titel wie «Mord am Bettmersee» oder «Der mit Wolf stirbt». Doch dann habe ich die Redewendung «Der Wolf im Schafspelz» in «Der Tote im Wolfspelz» umformuliert. Der Mörder kommt wie der Wolf im Schafspelz daher und das Opfer ahnt überhaupt nichts Böses. Beide definitiv gewählten Titel für Band eins und zwei nehmen Bezug auf den Inhalt des Romans.

Deine Meinung ist gefragt

Hast du dir die Titel leicht merken können? Hätten dich die anderen Titel angesprochen? Was denkst du über meine Covers, wie entscheidest du dich für oder gegen den Kauf eines Buches? Schreibe einen Kommentar, eine Nachricht auf WhatsApp oder eine E-Mail. Dankeschön.

Die Sache mit den Namen

Der passende Name

Lange habe ich mir überlegt, wie denn mein Kommissar heißen sollte. In den ersten Manuskripten hieße er mal Winkler oder Winkel. Doch das schien mir zu ähnlich mit meinem Familiennamen. Dann hieß er mal Walker. Aber da schlich sich bei mir immer ein Bild von einem Haufen Käse vor mein inneres Auge, ist der Name doch bei uns eng verbunden mit einem großen Käsehersteller.

Das Bild in unserem Kopf

Warum hatte ich diese Vorstellung vom Namen Walker? Wenn du den Namen einer Person zum ersten Mal hörst oder liest, ohne die Person zu sehen oder gesprochen zu haben, dann wirst du dir ein Bild von dieser Person machen, auch wenn du das nicht willst. Jeder Name erzeugt eine Vorstellung in unserem Kopf: in jedem Kopf eine andere.

Spontan waren Inhaber von Geschäften in der Briger Innenstadt bereit beim Video mitzumachen.

Laufzeit 5:36

Stockalper?

In einer Version hieß mein Kommissar Stockalper, wie der mächtige Handelsherr des Wallis im 17. Jahrhundert, der mit dem Stockalperschloss in Brig den größten weltlichen Barockbau im Alpenraum errichten ließ. Ich fand, einem Kommissar stünde ein solch berühmter Name nicht schlecht an. Aber womöglich wäre ich mit den Nachkommen in Konflikt gekommen.

Karten

Also musste ein anderer Name her für meinen Kommissar. Ich fragte mich, woher der Name Stockalper kam, vielleicht von Stockalpe, also von einer Alp mit diesem Namen, einem Sömmerungsgebiet für das Vieh. Ich wurde auf den geografischen Karten fündig. Und gleichzeitig entdeckte ich Alpen mit dem Namen Steinalp. Ich stellte mir vor, dass das hochalpine Zonen sind, wo außer Geröll und Steinen nichts ist.

Steinalper

Auf einmal wusste ich, wie mein Kommissar heißen sollte: Steinalper. Den Namen gibt es nicht, nirgends. Er steht für einen Mann, der hart im Nehmen ist wie die Steine auf der Hochalp. Ein Mann, der charmant und höflich im Ton, aber immer hart in der Sache ist.

Lauber & Zurwerra

Neben dem Kommissar galt es, die Namen für die engsten Mitarbeiter Steinalpers zu bestimmen. Typische Walliser Namen aus der Region sollten es sein, und trotzdem durfte kein Mensch in unserer Gegend so heißen. Lauber und Zurwerra sind bei uns häufige Familiennamen. Dem langjährigen Assistenten habe ich den Namen Leon Lauber gegeben. Die Inspektorin, die in Band zwei zum Team dazu stößt, nannte ich Lara Zurwerra. Die übrigen Figuren in meinen Krimis tragen meist lokale Namen. Aber es gibt auch erfundene Namen, wie z.B. Hirschfeld in Band zwei.

Mitmachen

Einmal hielt ich eine Lesung vor einem leicht angeheiterten Publikum. Gleich mehrere Leute wollten in meinem nächsten Krimi mit ihrem Namen mitmachen. Nach dem das allgemeine Gelächter abgeebbt war, fragte ich trocken, ob sie denn lieber als Mordopfer oder als Schurke auftreten möchten.

Pseudonym?

Eine andere Namensentscheidung war schwierig für mich. Welcher Name soll in Zukunft mit meinen Krimis verbunden sein? Soll ich ein Pseudonym als Autorenname wählen oder nicht? Als Brigitta war ich getauft worden, diesen Vornamen wählte ich. Mein Familienname ist ganz okay, schien mir aber zu lang, deshalb habe ich die ersten zwei Buchstaben weggelassen. Am Telefon habe ich mich ohnehin immer so rasch gemeldet, dass die Anrufer nur noch «Winkelried» verstanden haben.  Es kam vor, dass jemand darauf antwortete: Aber ich habe doch «Imwinkelried» gewählt. Bin ich falsch verbunden?