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Krimi Tag mit Vergangenheit

 

Mein Krimi Tag in Zürich vom 8. Dezember 2023

 

Viele Male bin ich über Zürich hinweggeflogen. Wenn ich einen Fensterplatz zugewiesen bekam, sah ich den Zürichsee von oben, die Stadt jedoch sah mich nie. Eigentlich schade, habe ich doch vor über vierzig Jahren in Zürich gewohnt.

Winkelriedstrasse

An der Winkelriedstrasse, um genau zu sein. Als Studentin an der ETH Zürich pendelte ich am Wochenende nach Hause ins Wallis und hatte deshalb kaum Gelegenheit, um die Stadt zu erkunden. Kam ich jeweils am Sonntagabend am Hauptbahnhof an, lief ich über die Bahnhofbrücke, am Coop vorbei, nahm das Neuner-Tram und stieg an der Haltestelle Winkelriedstrasse wieder aus. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, ich würde eines Tages unter dem Pseudonym „Winkelried“ Krimis schreiben, hätte ich gelacht und der Person eine blühende Phantasie zugeschrieben.

Architekturstudium

Auf dem Hönggerberg sassen wir Architektur-Studenten nicht nur in Vorlesungen in klimatisierten Hörsälen. Ich wurde Teil einer Gruppe, der ein eigenes Atelier zugewiesen wurde, um dort an Projekten zu arbeiten. Mit meiner Studenten-Gruppe (ausser mir war keine Frau dabei.) erkundete ich die Örtlichkeiten von Bauprojekten, wie z.B. für ein neues Affenhaus im Zoo Zürich oder für ein Töpferatelier. Wir fertigten Skizzen und Notizen an, um später darauf aufbauend, Baupläne zu zeichnen und ein Projektmodell dazu anzufertigen. Es war eine spannende Zeit, enorm kreativ, aber auch intensiv.

Verliebt

In einen der Studienkollegen, nennen wir ihn Bernhard, verliebte ich mich. Beide verbrachten wir Nächte zusammen mit anderen zukünftigen Architekten im gleichen Atelier-Raum auf dem Hönggerberg, um ein Projekt rechtzeitig fertig zu kriegen. Bernhard und ich kamen uns nicht näher, denn wir waren vom Ehrgeiz gepackt zu sehr eingespannt in unsere jeweiligen Projekte. Er arbeitete wie ich oft bis spät in die Nacht im Atelier auf dem Hönggerberg, manchmal bis zum Morgen. Auf keinen Fall wollte ich das Gebäude vor Bernhard verlassen. Doch spätestens nach Mitternacht legte ich meinen Kopf vor Müdigkeit auf den Schreibtisch und schlief ein.

Meine Hoffnung auf eine feste Beziehung mit ihm, stieg urplötzlich an, als er mich gegen Ende des Sommersemesters zu einer Party bei ihm zuhause einlud.

die Party

Mann, war das toll! Man feierte auf der Dachterrasse, von der man rundum einen Blick auf die anderen Gebäude in der Altstadt werfen konnte. Ich kannte die wenigsten Leute, die da waren. Die Gläser waren schnell leer getrunken. Die Häppchen vom Grill ebenso schnell verschwunden. Bernhard bat mich, ihm zu helfen, mehr Bier, Wein und Essen zu holen. Das war die Gelegenheit, ihm näher zu kommen, dachte ich. Weit gefehlt. Nichts lief zwischen uns, aber auch gar nichts. Nicht mal einen Kuss schenkte er mir.

Als die Partymeute weg waren, half ich ihm beim Aufräumen. Ich war so müde, dass ich das noch knapp geschafft habe. Ich fragte ihn, ob ich bei ihm schlafen dürfe.

Minuten später lief ich durch das Zürcher Niederdorf, den Kopf auf das Kopfsteinpflaster gerichtet. Ich war allein. Allein in einem Stadtteil, den ich nicht kannte, der als eher verrucht galt, so hatte man mir das jedenfalls erzählt.

der Mann im Dunkeln

Niemand war zu sehen. Die Nachtschwärmer sassen noch in den einschlägigen Etablissements oder waren schon Zuhause. Auf einmal packte mich ein Mann von hinten am Arm. Vor Schreck holte ich reflexartig mit meiner Handtasche weit aus, drehte mich gleichzeitig um und schlug dem Unbekannten damit ins Gesicht. Derweil der Mann sich an die Nase griff, von der bereits Blut herauszurinnen begann, packte ich meine Tasche fest vor der Brust, und rannte durch die Niederdorfstrasse so schnell ich konnte davon.

Krimi Tag in der Altstadt

Über 40 Jahre später erhielt ich ein Mail, demzufolge ich von der Pestalozzi-Bibliothek Altstadt in Zürich nebst zwei anderen Autorinnen und einem Autor für den Krimi Tag am 8. Dezember 2023 ausgewählt worden sei. Die PBZ hätte sich für mich, Saskia Gauthier, Susanne Mathies und Raphael Zehnder entschieden, um für einen guten Zweck zu lesen. Der Anlass finde um zwanzig Uhr statt.

Ich brauchte ein Hotelzimmer, denn kein Zug würde spät am Abend bis ins Wallis nach Brig fahren. Ein Zimmer zu finden, war schwieriger, als ich dachte. Erst nach mehreren Telefonaten fand ich ein Hotelzimmer am Hirschenplatz: in einem kleinen Altstadt-Hotel mit fünfzehn Zimmern, einem gemütliches Boutique-Hotel. Alle anderen Hotels waren für den Abend ausgebucht.

Mein Mann und ich bezogen ein sehr schönes Zimmer. Vom Erker aus sah man auf den Hirschenplatz, wo in Weihnachtshäuschen Glühwein und schnell zubereitetes Essen anboten. Vor der Lesung erkundeten wir die Altstadt samt Grossmünster und gesellten uns danach zu den Leuten auf dem Hirschenplatz. Ein Raclette auf Brot mit einem speziellen Gewürz und gehackten Erdnüssen habe ich noch nie gegessen. Es schmeckte wunderbar. Dermassen gestärkt sah ich meiner Lesung gelassen entgegen.

 

Pestalozzi-Bibliothek

Nicht weit von unserem Hotel fanden wir die Zähringerstrasse 17 sofort. Uns fiel das grosse, hell erleuchtete Schaufenster auf, hinter dem wir weiter hinten die aufgestellten Stühle ausmachen konnten. Wir lernten Melanie Müller von der PBZ kennen und auch die anderen Autorinnen, die lesen würden.

Vor der Lesung besprach sich Moderatorin Gabriela Kasperski in einem Sitzungszimmer im dritten Stock mit mir und Saskia Gauthier, die ich im September bei der GV von Krimi Schweiz kennengelernt hatte. Gabriela kennt das Wallis, trat früher dort als Schauspielerin auf mehreren Bühnen auf, erfuhr ich zu meinem Erstaunen.

Roland Voggenauer, der zweite Moderator, besprach sich gleichzeitig mit Susanne Mathies und Raphael Zehnder.

Wir vier AutorInnen hatten acht bis zehn Minuten Zeit aus unseren Krimis zu lesen. Danach würden Gabriela oder Roland uns ein paar Fragen stellen.

Wieder im Erdgeschoss sahen wir rund vierzig Personen sitzen, die uns zuhören würden, vier von Ihnen kannte ich.

Melanie Müller von der PBZ eröffnete den Anlass. Was sie gesagt hat und auch wie die Autorinnen vorgestellt wurden, kannst du dir im folgenden Video anschauen, für das ich spontan mit meinem Handy gefilmt habe. Wie Gabriela Kasperski mich als dritte Lesende vorgestellt hat, konnte ich natürlich nicht filmen. Die kurze Sequenz, in der ich zu sehen bin, habe ich zugesandt bekommen.

Für alle war es ein äusserst gelungener Anlass, für die Anwesenden wie für die Organisatoren.