Der erste Satz

Es war einmal …

So beginnen die Märchen der Gebrüder Grimm, auch wenn nur knapp die Hälfte tatsächlich mit diesen Worten anfangen. Das ist zwar nicht sehr originell, aber dafür jedem bekannt. Kein Roman beginnt heute auf diese Weise. Du würdest das Buch nicht ernst neben und sofort wieder weglegen, ein Märchen willst du bestimmt nicht. Nein, du willst dich mit einem Buch vom Alltagsgrau ablenken, in eine andere Welt eintauchen, dich spannend unterhalten.

Der erste Satz aus vier verschiedenen Werken, von Autoren vorgelesen.

Und wie die Geschichte weitergeht.

Laufzeit 6:07

Der erste Satz

Das Besondere am ersten Satz ist, dass er am Anfang steht. Für die Leserinnen und Leser geht es mit dem ersten Satz los. Sie fragen sich, ob die Geschichte erzählenswert ist, ob sie das Buch kaufen sollen oder nicht. Mit dem ersten Satz will eine Autorin, ein Autor die Leser fesseln und zur Lektüre verführen. Eine Autorin muss den Satz so schreiben, dass, wer immer ihn liest, auch den zweiten lesen will. Und dann den dritten …

Inkubationszeit

Dem ersten Satz gehen manchmal Monate der Inkubationszeit und zahllose Fehlversuche voraus.

Die Initialzündung kann wie ein Blitz einschlagen wie bei mir einmal beim Joggen. Aus heiterem Himmel flogen mir die ersten Worte für meinen zweiten Krimi zu:

«Vorsichtig trat sie aus dem Gebüsch, bückte sich leicht, legte an und drückte ab.»

Bis dahin habe ich verschiedene Versionen ausprobiert, die mich nicht überzeugt haben.

Erwartungen

Was erwarten Leser von der Geschichte, wenn sie diesen Satz lesen? Dazu habe ich drei Autoren und eine Autorin interviewt, die meinen zweiten Krimi noch nicht gelesen haben. Sie bekamen nur den ersten Satz zu Gesicht. Den habe ich auf einem separaten Blatt ins Buch hineingelegt.

Der erste Satz aus drei verschiedenen Werken

Drei Autoren lesen den ersten Satz aus einem ihrer Werke vor, und erzählen, wie es mit der Geschichte weitergeht.

Eyer Nicolas liest den ersten Satz aus seinem neuesten Buch: «Hinter den Rändern der Welt»

Anton Riva liest aus seinem Kriminalroman «Dreiecke auf der Haut»

Conny Giammarresi hatte ihr Buch leider nicht dabei. Schade. «In meinem Wunderland»

Charles-Louis Joris liest die kriminelle Geschichte «Der Göttigbub» aus dem Buch «Tatort Schweiz»