Jeder Mensch hat eine Muttersprache. Sie ist die Sprache, die wir spielerisch gelernt haben. Wir verbinden Sie mit Geborgenheit und engen Beziehungen mit unserem Umfeld, mit der eigenen Mutter, der Familie, dem Freundeskreis. Du hast als Kind die Sprache deiner Mutter gelernt, Grammatik oder korrekte Verbformen spielten keine Rolle. Diese Sprache beherrschen wir automatisch.
Sprachen lernen
Alle Sprachen, die weltweit gesprochen werden, haben gemeinsame grammatikalische Prinzipien und diese Prinzipien hat jeder Mensch von Geburt an verinnerlicht. Trotzdem weiss jeder, wie schwierig und zeitaufwendig es ist, wenn man eine Fremdsprache lernen will. Für Deutschsprachige am einfachsten zu lernenden Sprachen sind: Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch, Niederländisch, Schwedisch, Norwegisch und Dänisch.
Italienisch ist noch einfacher als Spanisch, sowohl in Aussprache wie Grammatik. Beides sind Sprachen, die nicht besonders schwer zu erlernen sind.
Vielsprachige Schweiz
In der Schweiz werden nicht nur die vier Landessprachen gesprochen. In den Regionen gibt es unterschiedliche Dialekte. So bereitet es den Üsserschwiizer oft grosse Mühe uns Walliser zu verstehen. Im Oberwallis, wo ich wohne, bezeichnen wir die Deutschschweizer Bevölkerung, also die restliche Schweiz, als Üsserschwiizer.
Interviews
Mein Ziel für diesen Blog war es, Menschen mit möglichst unterschiedlicher Muttersprache zu interviewen. Ich traf sie beim Einkaufen im Supermarkt, in einer Bäckerei, auf der Strasse, in der Bibliothek.
Absage
Nicht immer war ich erfolgreich, wenn ich für ein Videointerview gefragt habe. Ich hätte zum Beispiel gerne eine Frau gehabt, deren Muttersprache Persisch ist. Oder eine Friseuse, die Portugiesisch spricht. Leider waren beide Damen nicht für eine Video zu haben. Das respektiere ich. Nicht jede und jeder möchte im Internet öffentlich in Erscheinung treten.
Zusage
Immerhin haben fünf Personen mitgemacht. Mit vier unterschiedlichen Muttersprachen. Die Interviews habe ich im November 2024 durchgeführt.
Beispielsweise kamen Vietnamesisch und Albanisch drin vor.
Vietnamesisch
Vietnamesisch ist hingegen als «schwere Sprache» einzustufen. Um sich problemlos unterhalten, lesen und schreiben zu können, sind ein bis zwei Jahre konsequenten Übens nötig.
Ein Zufall brachte mich nach vielen Jahren wieder in Kontakt mit einem ehemaligen Schüler von mir, den ich an der Berufsfachschule in Brig unterrichtet hatte. In der herrlich trashig daher kommenden Polizeiserie Tschugger im Schweizer Fernsehen spielt er einen Tschugger (= einen Polizisten).
Albanisch
Albanisch ist nicht die einfachste Sprache für Deutschsprachige. Die Grammatik ist anders als im Deutschen, aber mit viel Üben ist es durchaus zu meistern.
Italienisch
Nino ist passionierter Fotograf mit sizilianischen Wurzeln. Als Schamane sieht er die Welt und ihre Zusammenhänge differenzierter als ich es tue.
Thailändisch
Ich wusste, das Angelina nicht immer in der Schweiz gelebt hat. Aber wo überall? Dies und ihre Liebe zum Kochen verrät sie im Interview.
Einblick in ein Leben
Für mich war es sehr interessant, was ich nebst dem Sprachlichen über das Leben der Interviewten erfahren habe. Offen beantworteten sie Fragen zu ihrem Leben, ihrer Beziehung zur Schweiz, zu sich selbst und vieles mehr. Alle vier Personen sprachen Walliserdeutsch, welches viele Merkmale mit dem Schweizerdeutsch gemeinsam hat und im Oberwallis gesprochen wird. Es ist aber kein einheitlicher Dialekt und unterscheidet sich je nach Lautung von Dorf zu Dorf, von Tal zu Tal.
Inspiration zum Thema
Ein Kurzfilm-Wettbewerb der Schweizer AG, Professionelle Videotechnik in Schlieren, hat mich zu diesem Blogbeitrag inspiriert.Die Kurzfilme durften maximal 5 Minuten dauern und sollten eine Geschichte zum Thema «Vielsprachigkeit Schweiz» erzählen. Ich hätte schon Lust gehabt, beim Wettbewerb mitzumachen. Zum Glück hatte ich keine Zeit, denn als ich später die prämierten Filme anschaute, wusste ich, ich hätte absolut keine Chance gehabt, überhaupt in die Wertung zu kommen. Die besten Kurzfilme wurden publiziert. Sehenswert!
Ich wollte einen Busen haben wie meine Freundin Eliane. Sie trug schon einen Büstenhalter, nur bei mir tat sich nichts. Meine Brust war flach wie ein Brett.
Am Tag von Heiligabend stöberte ich in Mutters Kommode und fand einen hautfarbenen Büstenhalter. Ich zog ihn an und stopfte ein paar Stofftaschentücher in die leeren Schalen. Als ich mich von der Seite her im Spiegel betrachtete, sah ich eine kurvenreiche Frau. Mich!
Wir hatten eine kleine Tankstelle mit zwei Zapfsäulen von BP, eine für Benzin, eine für Diesel. Es war hauptsächlich Mutter, die den Leuten die Autos betankte. Bei jedem Wetter, zu jeder Zeit, rannte sie die Treppe von unserer Wohnung hinunter zur Tankstelle. Meist reinigte sie , während das Benzin in den Tank strömte, die Scheiben der Autos. Mit den Jahren zeigten ihre Hände immer mehr Risse und Schrunden, doch sie klagte nie. Wenn ich nicht zu faul war, entlastete ich sie ein wenig und lief an ihrer Stelle hinunter zu den Zapfsäulen. Oft lernte ich dabei interessante Männer kennen, die mit mir flirteten. Natürlich bediente ich auch die Damen, versteht sich.
An jenem Heiligabend, ich war schon zwölf, klingelte die Glocke von der Tankstelle unten. Und schon begann der übliche Streit, wer denn jetzt vom Tisch aufstand, die Pommes kalt werden lässt und womöglich kein geschnittenes Rindfleisch mehr bekommt. Seufzend opferte ich mich und lief die Treppe hinunter. Unten stand ein junger Mann mit schwarzem kinnlangem Haar. Er sah aus wie der Mann meiner Träume, wie der Prinz im Film «Drei Nüsse für Aschenbrödel». Ohne Busen fühlte ich mich wie ein Aschenbrödel. Aber jetzt hatte ich ja einen Busen, geformt vom Büstenhalter meiner Mutter und den Taschentüchern, sah es aus, als hätte ich einen.
Während ich seinem Wagen Benzin nachfüllte, konnte ich ihn in aller Ruhe anschauen. Mir klopfte das Herz bis zum Hals. Als ich das Geld einkassierte, kam er mir ganz nahe. Ich roch sein Aftershave. Er neigte sich zu meinem Mund, gleichzeitig bewegte sich seine rechte Hand auf meinen Busen, drückte ihn, liess ihn aber sofort wieder los, als er merkte, dass da garkeiner war. Mit einem unterdrückten Schrei rannte ich weg von ihm. Aus meinem Versteck sah ich, wie er in den Wagen stieg und losfuhr. Meine Enttäuschung war enorm. Endlich hätte ich nicht mehr zum Klub der Ungeküssten gehört.
Niedergeschlagen zog ich Mutters BH aus und legte ihn zusammen mit den Taschentüchern zurück in ihre Kommode.
Zwei Tage später klingelte der Postbote und brachte ein längliches Paket. Als Mutter die Empfängeradresse las, lachte sie laut auf.
An das blonde Mädchen von der Tankstelle
Sie hatte zwei blonde Töchter. Doch ihr war sofort klar, welche von beiden gemeint war. Meine Schwester Sabine war erst sechs und war noch zu klein, um als Tankwartin eingesetzt zu werden. Mutter brachte mir das Paket und blieb neben mir stehen. Auf keinen Fall wollte sie sich entgehen lassen, was der Unbekannte mir schickte.
Ich zögerte eine Weile, wartete darauf, dass ich mein Paket ohne sie öffnen konnte, denn ich hatte keine Ahnung, was der Absender hineinverpackt hatte und es war möglich, dass der Inhalt mich in Verlegenheit bringen konnte oder dass sich daraus der Absender erraten liess.
Meine Wangen wurden rot und röter. Mutter wich immer noch nicht von meiner Seite. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Paket zu öffnen. Mit zitternden Fingern riss ich das Packpapier auf und öffnete den Deckel der Schachtel. Ein roter Büstenhalter auf schwarzem Seidenpapier lag darin und auf einem roten Kärtchen war zu lesen: Cup A = für das blonde Girl vom Heiligabend.
Für viele beginnt jetzt die Urlaubszeit. Im Sommer hat man Zeit, mal wieder einen Roman zu lesen, etwas, wofür man oft nicht die Zeit dafür hat. Und wenn man nur alle paar Tage im Roman liest, verliert man den roten Faden und verwechselt die Personen, die darin spielen.
Dann greift man zu Kurzgeschichten. Oder man greift zu Sachbüchern. Wenn möglich im Taschenbuchformat. Schon wegen den Limiten beim Fluggepäck.
Für dich habe ich sechs Bücher aus meiner persönlichen Bibliothek geholt. Im Video erfährst du mehr über meine Lesetipps. Die Bücher sind auf keiner Liste von Buchhandlungen oder Zeitungen. Schau dir meine Buchempfehlungen an, vielleicht findest auch du etwas für dich. Viel Spass.
Laufzeit: 8 Minuten
Bücher, die ich im Video vorstelle:
Hotelgeschichten, 11 Kurzgeschichten, Mengis Druck und Verlag, Visp
„Die Tage des Zweifels“ von Andrea Camilleri, Verlag Bastei Lübbe
„Verbrechen“ von Ferdinand von Schirach, Piper-Verlag
„Der Alltagsökonom“ von Hanno Beck, Deutscher Taschenbuch Verlag
„Der Ernährungskompass“ von Bas Kast, C. Bertelsmann Verlag
Und falls du noch keinen meiner vier Krimis gelesen hast, bieten die sich auch für spannende Sommerlektüre an.
Er ist ein Bergler mit Ecken und Kanten, mit Charme und Charisma. Sammler von Geschichten und von Kristallen. Und er moderiert meine Lesungen.
Eine seltene Aura umgibt ihn, dessen Stimme bei so vielen ein Begriff ist und wohlig unter die Haut geht. Eine sanfte Stimme.
Moderator Reinhard Eyer
Schweizergarde
1590 wurde er als Sohn eines Schreiners in Naters geboren. Er spielte Fussball mit Leidenschaft und las, was die Bücher hergaben. Sein Traumberuf war Schriftsteller. Im Germanistikstudium missfiel ihm das Sezieren der geliebten Wörter. Als Student ging er für ein halbes Jahr zur Schweizergarde in den Vatikan nach Rom.
Journalist beim Schweizer Radio
Reinhard Eyer war dabei, als ab Mitte 1978 im Schweizer Radio die täglichen Regionaljournale auf Sendung gingen. 2015 trat er ab. 36 Jahre berichtete er über das «Land» Wallis, das seine Heimat ist. Seine Stimme kennen noch heute viele Leute, genauso wie die Stimme von Heinz Schild, dem Leiter des Regionaljournals Bern, Freiburg, Wallis, des Speakers bei Laufrennen wie dem Grand Prix von Bern.
Screenshot
der Journalist
Parallel zu seiner Tätigkeit als Radiojournalist arbeitete Reinhard Eyer während langer Jahre für verschiedene Schweizer Zeitungen, zum Beispiel dem TagesAnzeiger oder für die Zeitschrift Beobachter. Als Journalist interessierten ihn stets die Geschichten hinter den Geschichten.
der Reini
Obwohl er jetzt nicht mehr der Radio-Eyer ist, sondern nur noch ds Reini, bringt er weiterhin Geschichten zu Papier. Am Kragen seines T-Shirts oder Hemdes steckt immer mindestens ein Kugelschreiber. Oft trägt er einen Schreibblock in seiner Umhängetasche mit sich, wenn er aus seinem Haus in Naters geht.
leidenschaftlicher Strahler
Reinhard ist ein leidenschaftlicher Strahler. Als richtiger Strahler hat er immer ein paar Kristalle in seinen beiden Hosentaschen. Um seinen Hals trägt einen Kristall an einer feinen Lederschnur.
Schweizer Strahlermuseum
In der Schweiz werden die Mineraliensucher «Strahler» genannt. Reinhard Eyer war bei der Gründung des Trägervereins für ein Schweizer Strahlermuseum dabei. Das Schweizer Strahlermuseum in Naterswidmet sich den Findern von Kristallen. Es werden nicht die Mineralien ins Zentrum gerückt, sondern das Handwerk des Kristallsucher. Wie entdecken Strahler in den Felsen Klüfte mit Kristallen und wie bergen sie sie? Was bewegt die Finder, sich immer wieder auf die Suche zu begeben? Antworten auf diese und noch viele mehr Fragen gibt’s im Museum in Naters.
Jeden Tag widmet er sich derchinesischen Bewegungs- und Kampfkunst Bagua. Diese besteht aus Kreis- und Spiralbewegungen, die helfen, vor allem den Rücken und die Hüften zu lockern. Das wiederum hilft, Schulter-, Rücken- und Hüftprobleme zu verhindern und zu reduzieren. In Kursen gibt er seine Kenntnisse weiter. Über Jahre habe ich seinen Bagua-Kurs besucht. In der warmen Jahreszeit geht Reini mit uns Baguaschülern in den Schlosspark des Stockalperschlosses in Brig. Dort übt er mit uns auch den Einsatz von Holzstöcken, dann ist es mehr Kampfkunst, die uns Reinhard dann beibringt. Und es sieht wirklich faszinierend und gefährlich aus, wenn er uns vorzeigt, wie unglaublich schnell er die Stöcke führen kann. Die Augen kommen gar nicht nach, um zu sehen, wie er das macht. Es sind Übungen wie man sie in asiatischen Kampffilmen sieht, es sind Übungen, die jemanden tödlich verletzten könnten.
Seit 2023 ist Reinhard Eyer Präsident des Kunstvereins Oberwallis.
In Brig und in Visp findet man je eine Galerie mit wechselnden Ausstellungen. Zudem findet man im Web seit 2020 den Virtuellen Kunstraum Wallis, in dem das Schaffen von Künstlern und Künstlerinnen aus dem gesamten Kanton Wallis zu sehen ist. Zudem auch Werke, welche sich speziell mit dem Wallis befassen. Wechselnde Virtuelle Ausstellungen sind ebenfalls auf der Platform zu finden.
Als mein erstes Buch «Das Wundermedikament» erschien, stellte er sich mir sofort als Moderator zur Verfügung, als ich ihn anfragte. Ich war extrem nervös, hatte noch nie vor Publikum Fragen beantwortet, geschweige denn aus dem eigenen Buch vorgelesen. Reinhard verwickelte mich in ein lockeres Gespräch, das mir schnell meine Nervosität nahm.
Nach den ersten Minuten war mir, als ob wir bei einem Kaffee zusammensässen und locker plauderten. Ich weiss nicht, wie viele Politiker, Funktionäre usw. er in seinem Journalistenleben interviewt hat, aber seine Erfahrung half mir über manche Klippe im Gespräch, ausser in den wenigen Fällen, wo er mich mit einer Frage ins kalte Wasser gestürzt liess. 😊
Wir traten seitdem noch ein paar Mal vor Publikum auf, und ich hoffe, Reinhard bei meiner nächsten Vernissage wieder an meiner Seite zu haben.
Als Schriftstellerin bin ich oft in meiner aktuellen Romangeschichte so tief gefangen, dass es mir schwer fällt, zurück in mein Normalleben zu finden. Ideen wollen gespeichert sein, der rote Faden soll nicht verloren gehen, das Feuer der Spannung nicht abreissen.
Die Uhr ist unerbittlich
Kann ich mich für einen kurzen Augenblick vom Schreiben lösen, riskiere ich stets einen schnellen Blick auf die Uhr unten rechts auf meinem Computer. Rückt die Zeit dann unweigerlich auf 11.30 Uhr zu, weiss ich, dass es mit dem Kochen wieder eng werden wird.
Alles eine Frage der Organisation. Sowohl beim Einkauf – ich gehen nie ohne Einkaufszettel in den Supermarkt – als auch bei der Zubereitung des Essens.
Rezept zum Herunterladen
In meinem Koch-Repertoire gibt’s so einige Rezepte, die in einer knappen Viertelstunde auf dem Teller sind. Eines davon koche ich im folgenden Video. Du kannst dir das Rezept auch runterladen.
Ich wünsche guten Appetit und schöne Ostertage.
im „Kochstudio“ Winkelried
Welche Zutat habe ich im Video am Anfang vergessen zu zeigen? Schreibe mir eine Email. (brigitte.imwinkelried@gmail.com)
Bei Angabe deiner Adresse, sende ich dir ein kleines Geschenk.
Die Spinning-Saison ist zu Ende. Bald putze ich mein Mountainbike, pumpe die Reifen auf und warte auf wärmeres Wetter. Im Winter habe ich einmal pro Woche im Cubestore Simplon in Glis pedalt, ohne vom Fleck zu kommen. 😊 Jetzt möchte ich wieder den Fahrwind spüren, die Landschaft geniessen, die Natur beobachten. Ich kann die erste Fahrt draussen kaum erwarten.
Spinning – Indoor-Cycling
Spinning im Winter gibt einem im Frühjahr einen Vorsprung gegenüber Fahrern, die das nicht machen. Der Start in die Saison fällt dann leichter. Man tut etwas für die Gesundheit obendrein. Wenn es draussen schneit und stürmt, pedalt man auf dem Spinning-Velo schön im Trockenen.
die Spinning-Stunde
Michael Walker leitet die Spinning Stunden in seinem Geschäft schon seit vielen Jahren. Ich wechselte zu ihm, weil er das so toll macht: keine überlaute Musik, dass einem die Ohren wackeln wie bei anderen Anbietern, kein Schreien des Übungsleiters, zu den Übungen passende Musik, und zudem kann man jedes Mal eine Tour auf drei Monitoren an der Wand gegenüber verfolgen und Michael macht ab und zu einen Witz. Ihm machen die Stunden immer noch Spass, auch nach all den Jahren bringt er die Leute dazu, in den Wintermonaten in die Sättel der Standvelos zu steigen.
Interview im Video
Michael kenne ich schon länger. Wie und wo wir uns kennengelernt haben, erfährst du im Video. Ausserdem erzählt er über seinen Werdegang vom Automechaniker-Lehrling über seine Profi-Karriere im Schweizerischen MB-Team und über sein Geschäft, wie er sich auf die Spinning-Stunden vorbereitet und woher die Velodresse in seinem Laden kommen und vieles mehr. Viel Spass.
Heute stelle ich hier einen ganz besonderen Mann vor. Man sieht es ihm nicht an, was er alles kann. Was er kann, treibt er bis zur Meisterschaft. Die meisten seiner Fähigkeiten und Kenntnisse hat er sich selber beigebracht. Bescheiden wie er ist, wissen viele, die ihn zu kennen meinen, nichts von dem, was er alles zustande bringt.
Lehrer
Eugen Brigger unterrichtete wie ich an der Berufsfachschule Oberwallis, zwar nicht am selben Schulort, er in Visp und ich in Brig. Weil ich zwei Jahre auch ein paar Lektionen in Visp bei den Berufsmaturanden unterrichtet habe, traf ich ihn hin und wieder in der Pause im Lehrerzimmer. Von daher kenne ich ihn.
der Hoffotograf
Als ich für meine Webseite einen Fotografen brauchte, fragte ich ihn für ein paar Fotos an. Die gefielen mir dann so gut, dass ich ihn später noch einmal für ein paar Shootings anfragte. Denn meine Webseite brauchte von Zeit zu Zeit eine Auffrischung und ein neuer Krimi benötigte für die Werbung Fotos.
unzählige Hochzeiten und ein Paparazzi
Wenn du auf meiner Webseite bist, siehst du Fotos, die Eugen Brigger hat. Er fotografiert leidenschaftlich gern Hochzeiten, gutaussehende Frauen 😊, z.B. solche, die er in Genf oder in einer anderen Stadt anspricht, ob er sie fotografieren könne. Nach der Bearbeitung der Fotos schenkt er ihnen die Aufnahmen. Ich staune immer wieder, was er da für Frauen trifft, die sehen aus wie Stars, die es gewohnt sind im Rampenlicht zu stehen.
Kletter-Freak
Eugen ist fit wie ein Turnschuh. Er klettert in Kletterhallen, z.B. in Saillon. Wer klettert, hat oft das Zeug zum Bergsteiger. Einmal habe ich die Finger auf seinen Unterarm gelegt und gestaunt, seine Muskeln und Sehnen waren verdickt, straff wie Stahl.
Gipfelrunning
Am meisten erstaunt hat mich Eugens Gipfelrunning. Im Jahr 2008 war Brig Alpenstadt. Neben vielen anderen, die mit Projekten mitgemacht haben, begann auch Eugen mit einem Projekt. Er fing an, Berge vom Bahnhof Brig aus zu besteigen.
Fotograf Eugen Brigger
„In einem Zug, aber nicht mit dem Zug, sondern zu Fuss und ohne Übernachtung“
– Eugen Brigger, Alpinist
«In einem Zug, aber nicht mit dem Zug, sondern zu Fuss und ohne Übernachtung», lautete sein Slogan.
Von Brig aus lief er auf über 300 Gipfel, darunter auch aufs Matterhorn, den schönsten Berg der Welt. Diese Touren sind in einem Buch mit dem Titel «Stern-Stunden im Wallis» festgehalten. Es ist kein Tourenführer, es sind eher Tourenbeschriebe, die zeigen, wie er die Touren erlebt hat. Leider ist das Buch vergriffen. Und leider ist seine Webseite ww.berge-wallis.org nicht mehr aktiv. Dort hätte man die Gipfeltouren herunterladen können.
Niemand weiss, dass Eugen einen Krimi geschrieben hat. Ich habe ihn gelesen und erinnere mich noch an das Cover, das er selbst entworfen hat, mit einem seiner Fotos.
Wenn du mehr über meinen Fotografen und seine vielfältigen Aktivitäten mehr erfahren möchtest, schau dir das folgende Video dazu an.
Der Jahreswechsel ist perfekt um auf das zurückzublicken, was man erlebt hat. Wenn es im Januar draussen grau und kalt ist, denke ich an wärmere Tage. Was könnte man draussen in der Natur nicht alles unternehmen, wenn es wieder Frühling wäre?
Um mich aufzumuntern, studiere ich dann Prospekte von Reiseanbietern. Am liebsten solche von Reisen mit dem Mountainbike. Wenn ich durch die Angebote blättere, wird mir warm ums Herz und ich vergesse die viel zu kurzen, dunklen Tage des Winters.
Erinnerungen an meine Bike-Reisen steigen in mir hoch. Bilder von wunderschönen Touren, Bilder von wilden, ursprünglichen Landschaften, lieblichen Tälern, fernab der Zivilisation. Oder Eindrücke von Dörfern, wo die Zeit stehen geblieben schien, wie z.B. im Landesinnern von Gran Canaria. Mit einem Lächeln denke ich an die Bike Enthusiasten, die ich kennengelernt habe, an die kameradschaftliche Atmosphäre während den Touren.
In solchen Momenten kommen mir aber manchmal auch meine Unfälle bei den Touren in den Sinn. Die erlittenen Verletzungen, die Bike-Pause während der langen Heilung. Mir ist dann, als ob ich die Schmerzen von damals wieder in meinen Knochen spüre.
Eine Rückschau auf meine Unfälle mit dem Mountainbike. Mit Fotos und GoPro-Videoaufnahmen von damals.Laufzeit: 10 Minuten
Spurlos geht ein Unfall nie an einem vorbei.
kurz nach einem seitlichen Sturz (im Dress von Eitzinger)
Um mich mit den schönen Eindrücken von meinen Erlebnissen zu trösten, schaue ich mir von Zeit zu Zeit Fotos oder Videos von damals wieder an. Eine Auswahl davon zeige ich dir im Video zu diesem Blog. Die Videos habe ich damals mit meiner ersten Gopro am Lenker aufgenommen.
Tossa de Marund die Klickpedalen2008
Für eine Bike-Woche vom 16. bis 22. März 2008 in Tossa de Mar an der Costa Brava in Nordspanien hatte ich ein Mountainbike mit Klickpedalen reserviert. Ich hoffte, dank den Klickpedalen ich die Aufstiege leichter bewältigen können. Zuversichtlich fasste ich meine neues Cube-Bike in der Werkstatt des Veranstalters in der Hotelgarage. Am Tag danach startete meine Gruppe zur ersten Tagestour. Schon am ersten Hang bin ich seitlich mit dem Rad umgefallen, ich kam einfach nicht aus den blöden Klickpedalen raus. Bis am Abend bin ich noch sieben Mal mit dem Rad gestürzt. Meine Schienbeine waren übersäht mit blutenden Wunden. Mit seiner Digitalkamera hielt der Tourguide grinsend den Anblick fest. Am Abend vor der Abreise zeigten die Veranstalter der Bikewoche eine Dia-Show. Prompt war das Bild meiner lädierte Schienbeine zu sehen.
Schweizerischer Nationalpark 12. Bis 15. Juli 2014
Bei einer Bike-Woche im Engadin lernte ich fünf Frauen kennen. mit denen ich danach noch weitere Touren unternahm. Die schönste Tour, die wir selber organisiert haben, war diejenige rund um den Schweizerischen Nationalpark. Seine unverwechselbare Landschaft ist Kulisse für eine der reizvollsten, mehrtägigen Bike Touren der Schweiz. Der Nationalpark wird in vier Tagesetappen mit dem Mountainbike umrundet – und zwar ohne Gepäck. Dies wird einem täglich von Hotel zu Hotel transportiert. Sehr praktisch, klappte einwandfrei. Eine Mehrtagestour die vielseitiger nicht sein könnte.
Die Mehrtagestour führt durch ursprüngliche Engadiner Dörfer, unberührte Natur, entlegene Täler und Pässe mit flowigen Abfahrten. In vier Tagen bewältigten wir vier Pässe und bis zu 4‘000 Höhenmeter. Ein Highlight war das landschaftlich atemberaubende Val Mora oder der «berüchtigte» Pass Chaschauna (2694 m ü. M.). Auf diesem Pass habe ich gefroren wie noch nie auf einer Tour. Zum Glück hatte ich warme Beinlinge dabei.
Als wir im Val Müstair ankamen, fand im Rahmen des 4. Cologna-Days ein Staffellauf statt. Wir durchquerten das Zielgelände zu Fuss, schoben unsere Bikes an den Zuschauern vorbei, und sahen Dario Cologna. Er sah sehr jünger aus, als ich ihn mir vorgestellt hatte.
Eindrücke vom Staffellauf siehst du im Video
Auf den letzten Kilometern wäre ich beinahe mit einem Fahrzeug zusammengestossen, das den Berg hinauffuhr. Zum Glück halte ich mich immer am rechten Strassenrand, wenn Gegenverkehr droht.
Zypern – Pissouri – März 2015
Thomas Wegmüller, ein ehemaliger Schweizer Radrennfahrer, betreibt in Zypern, im Columbia Beach Resort Pissouri ein Unternehmen für Radtouren.
Seine Touren führen über verkehrsarme Strassen, über Hügel und Berge, entlang der Küsten und durch lange Täler bis hinauf ins Troodos Gebiet. Vorbei an Ziegen und Schafen.
Schon auf unserer ersten Tour ging mein Bike Vergnügen zu Ende. Thomas wollte sehen, was ich beim Biken so draufhatte. Im Nachhinein muss ich gestehen, eine Mutprobe hätte ich besser sein lassen. Ich stürzte auf einem steilen Hügel rückwärts und wollte mich mit der linken Hand auffangen.
Bei einer Biketour kann viel passieren.
einhändig Rad fahren
Die Schmerzen brachen erst ein paar Minuten später los, als wir schon wieder weiterfuhren. Ich konnte nur noch einhändig fahren. Auf das Rad auf- oder absteigen tat furchtbar weh, wurde zur Qual. Bevor wir das Hotel endlich erreichten, begann es wie aus Kübeln zu regnen. Klatschnass trafen wir auf der Bike Station ein.
Es war ein Sonntag. Thomas hätte jetzt wohl frei gehabt. War ich froh, als er mit mir zu einer Arztpraxis fuhr! Das Hotel war abgelegen, kein Dorf in der Nähe, rein gar nichts. Die Praxis war geschlossen. Er rief die an der Tür angegebene Nummer an. Eine Ärztin erschien, untersuchte meinen linken Arm. Sie telefonierte ins nächstgelegene Spital, das Blue Cross Hospital.
im Spital
Nach einer Stunde Fahrt trafen Thomas und ich auf einen Arzt, der extra seine Sonntagsruhe unterbrochen hatte. Röntgen, Gips anlegen, Formulare ausfüllen, Schmerzpillen überreichen, das ganze Prozedere dauerte mit Wartezeiten nur eine Stunde.
Thomas Wegmüller wartete die ganze Zeit, war die Ruhe selbst. Er fuhr mich wieder zurück ins Hotel. Dass er sich so viele Stunden Zeit genommen hat, damit ich ärztlich versorgt wurde, fand ich echt toll von ihm.
Die restlichen Tage verbrachte ich am Pool und auf zwei, drei Ausflügen mit einer Frau, die den Tag ohne ihren Mann gestalten musste, weil der auf dem Rennrad ständig auf einer Tour war. 😊
mit dem Arm im Gips durch die Sicherheitskontrollen
Damit ich nach Hause zurückfliegen konnte, fuhr mich Thomas einen Tag vor Abflug wieder in die Arztpraxis. Mit einem gefährlich aussehenden Schneidewerkzeug beabsichtige der Arzt, meinen Gips so aufzuschneiden, dass die Zollkontrolleure hineinschauen konnten. Mir schlug das Herz bis zum Hals, als der Arzt sich ans Werk machte.
Zuhause musste ich wieder einen intakten Gips machen lassen.
Das Jakobshornbei Davos – Juli 2015
Viele nehmen für den Aufstieg aufs Jakobshorn die Gondelbahn, der Aufstieg kann aber auch aus eigener Kraft gemeistert werden. Beim Gipfel des Jakobshorns. beginnt die Abfahrt. Über die Schotterstrasse fährt man Richtung Sertig Dörfli. Nach einem kurzen Aufstieg beginnt bereits der Single Trail. Die 730 Höhenmeter nach Sertig Dörfli vergehen wie im Flug.
Start bei der Bergstation vom Jakobshorn
Nur habe ich das Dörfli zu Fuss erreicht und nicht mit dem Rad. Wie das kam?
Flug über den Lenker
Im letzten Drittel des Singletrails blieb ich mit den rechten Pedalen an einem Stein hängen, flog ich über den Lenker ins Gebüsch, schlug hart auf, versuchte meinen Sturz mit der rechten Hand abzufedern. Diesmal erwischte es den rechten Arm. Meine Freundinnen fuhr die geplante Tour weiter, ich nahm das Postauto nach Davos und meldete mich dort im Spital an. Die Untersuchungen zeigten, dass meine rechte Speiche gebrochen.
Das waren meine Unfälle beim Biken. War jeweils ein kleiner Augenblick der Unaufmerksamkeit schuld? Oder war es einfach Pech? Zweimal im selben Jahr die Speiche gebrochen, zuerst in Zypern, dann in der Nähe von Davos.
Meine schönsten Bike-Reisen
Zum Schluss sage ich dir, welches meine Reise-Highlights waren, die ich im Velosattel erlebt habe:
Teneriffa Ostern 2012
Gran Canaria Ostern 2013
Dolomiten Brenta-Umrundung vom 7. Juli bis 12. Juli 2013
Sardinien, Cala Liberotto vom 19. bis 26. April 2014
Nach diesem Rezept hat meine Mutter die «Chouera» zubereitet. Der «Chouera»-Kuchen wie sie ihn immer gemacht hat, ist kein Gemüsekuchen und ist nicht geeignet, um Salat dazu zu essen.
Ich bin im Goms geboren. Dort spricht man das Wort für diesen Kuchen anders ausals beispielsweisen in Brig, wo ich wohne. Dort sagt man «Cholera». Jede Familie, jede Region hat ihr eigenes Rezept.
In den Restaurants meiner Region wird die Chouera anders zubereitet. Dort serviert man einen gedeckten Gemüsekuchen, der stets mit Salat zusammen angeboten wird.
Zutaten:
2 Stück Kuchenteig ausgewalzt für 4 Personen (Kuchenblech mit Durchmesser
28 cm), für eine größere Anzahl Leute vier Kuchenteige oder rechteckige Teige für ein
großes Kuchenblech nehmen, je nach Belieben.
5 Boskop-Äpfel (es sind die besten für diese Art Kuchen)
Sechs Härdäpfel (= Kartoffeln)
400 g des besten Walliser Raclette-Käses in Scheiben
1 – 2 Zwiebeln (ich nehme jeweils Frühlingszwiebeln)
Zubereitung:
Die Kartoffeln in der Schale kochen, etwas auskühlen lassen, dann schälen.
Oder wenn man am Vorabend Gschwelti (= gekochte Kartoffeln) zum Abendessen isst, etwas mehr Kartoffeln für die Chouera am nächsten Tag in die Pfanne geben.
Den einen Teig auf das eine Kuchenblech auslegen, mit einer Gabel ein paar Mal hineinstechen.
Ofen auf 180 °C vorheizen.
Die Äpfel schälen, vom Kerngehäuse befreien, in Schnitze schneiden, großzügig auf dem Teig verteilen.
Auf den Apfelschnitzen die in dünne Scheiben geschnittenen Kartoffeln legen. Obendrauf die Raclettekäse-Scheiben.
Die Zwiebeln waschen (bei mir sind es Frühlingszwiebeln inklusive des grünen Teils), in Ringe schneiden (oder fein schneiden, je nach Belieben), in Butter weich dünsten (mache ich gewöhnlich nicht) und auf der Cholera verteilen. Das ist die letzte Schicht.
Die Cholera mit dem zweiten Kuchenteig zudecken, die Ränder des Teigs mit etwas Wasser benetzen, fest andrücken. Am Schluss in den Kuchendeckel mit der Gabel ein wenig einstechen.
Im vorgeheizten Ofen ca. eine Stunde backen.
Zur Cholera der Winkelrieds braucht es keine Beilagen.
Guten Appetit! 😀
Nice to know:
In die «Cholera» packten die Leute im Goms früher Kartoffeln, Lauch, Käse, Zwiebeln, Äpfel – alles, was sie gerade hatten – in einen Mürbeteig und schoben das Ganze in den Ofen.
(= legten die Pfanne mit der Cholera in die «Kohle», daher der Name)
Viele Male bin ich über Zürich hinweggeflogen. Wenn ich einen Fensterplatz zugewiesen bekam, sah ich den Zürichsee von oben, die Stadt jedoch sah mich nie. Eigentlich schade, habe ich doch vor über vierzig Jahren in Zürich gewohnt.
Winkelriedstrasse
An der Winkelriedstrasse, um genau zu sein. Als Studentin an der ETH Zürich pendelte ich am Wochenende nach Hause ins Wallis und hatte deshalb kaum Gelegenheit, um die Stadt zu erkunden. Kam ich jeweils am Sonntagabend am Hauptbahnhof an, lief ich über die Bahnhofbrücke, am Coop vorbei, nahm das Neuner-Tram und stieg an der Haltestelle Winkelriedstrasse wieder aus. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, ich würde eines Tages unter dem Pseudonym „Winkelried“ Krimis schreiben, hätte ich gelacht und der Person eine blühende Phantasie zugeschrieben.
Architekturstudium
Auf dem Hönggerberg sassen wir Architektur-Studenten nicht nur in Vorlesungen in klimatisierten Hörsälen. Ich wurde Teil einer Gruppe, der ein eigenes Atelier zugewiesen wurde, um dort an Projekten zu arbeiten. Mit meiner Studenten-Gruppe (ausser mir war keine Frau dabei.) erkundete ich die Örtlichkeiten von Bauprojekten, wie z.B. für ein neues Affenhaus im Zoo Zürich oder für ein Töpferatelier. Wir fertigten Skizzen und Notizen an, um später darauf aufbauend, Baupläne zu zeichnen und ein Projektmodell dazu anzufertigen. Es war eine spannende Zeit, enorm kreativ, aber auch intensiv.
Verliebt
In einen der Studienkollegen, nennen wir ihn Bernhard, verliebte ich mich. Beide verbrachten wir Nächte zusammen mit anderen zukünftigen Architekten im gleichen Atelier-Raum auf dem Hönggerberg, um ein Projekt rechtzeitig fertig zu kriegen. Bernhard und ich kamen uns nicht näher, denn wir waren vom Ehrgeiz gepackt zu sehr eingespannt in unsere jeweiligen Projekte. Er arbeitete wie ich oft bis spät in die Nacht im Atelier auf dem Hönggerberg, manchmal bis zum Morgen. Auf keinen Fall wollte ich das Gebäude vor Bernhard verlassen. Doch spätestens nach Mitternacht legte ich meinen Kopf vor Müdigkeit auf den Schreibtisch und schlief ein.
Meine Hoffnung auf eine feste Beziehung mit ihm, stieg urplötzlich an, als er mich gegen Ende des Sommersemesters zu einer Party bei ihm zuhause einlud.
die Party
Mann, war das toll! Man feierte auf der Dachterrasse, von der man rundum einen Blick auf die anderen Gebäude in der Altstadt werfen konnte. Ich kannte die wenigsten Leute, die da waren. Die Gläser waren schnell leer getrunken. Die Häppchen vom Grill ebenso schnell verschwunden. Bernhard bat mich, ihm zu helfen, mehr Bier, Wein und Essen zu holen. Das war die Gelegenheit, ihm näher zu kommen, dachte ich. Weit gefehlt. Nichts lief zwischen uns, aber auch gar nichts. Nicht mal einen Kuss schenkte er mir.
Als die Partymeute weg waren, half ich ihm beim Aufräumen. Ich war so müde, dass ich das noch knapp geschafft habe. Ich fragte ihn, ob ich bei ihm schlafen dürfe.
Minuten später lief ich durch das Zürcher Niederdorf, den Kopf auf das Kopfsteinpflaster gerichtet. Ich war allein. Allein in einem Stadtteil, den ich nicht kannte, der als eher verrucht galt, so hatte man mir das jedenfalls erzählt.
der Mann im Dunkeln
Niemand war zu sehen. Die Nachtschwärmer sassen noch in den einschlägigen Etablissements oder waren schon Zuhause. Auf einmal packte mich ein Mann von hinten am Arm. Vor Schreck holte ich reflexartig mit meiner Handtasche weit aus, drehte mich gleichzeitig um und schlug dem Unbekannten damit ins Gesicht. Derweil der Mann sich an die Nase griff, von der bereits Blut herauszurinnen begann, packte ich meine Tasche fest vor der Brust, und rannte durch die Niederdorfstrasse so schnell ich konnte davon.
Krimi Tag in der Altstadt
Über 40 Jahre später erhielt ich ein Mail, demzufolge ich von der Pestalozzi-Bibliothek Altstadt in Zürich nebst zwei anderen Autorinnen und einem Autor für den Krimi Tag am 8. Dezember 2023 ausgewählt worden sei. Die PBZ hätte sich für mich, Saskia Gauthier, Susanne Mathies und Raphael Zehnder entschieden, um für einen guten Zweck zu lesen. Der Anlass finde um zwanzig Uhr statt.
Ich brauchte ein Hotelzimmer, denn kein Zug würde spät am Abend bis ins Wallis nach Brig fahren. Ein Zimmer zu finden, war schwieriger, als ich dachte. Erst nach mehreren Telefonaten fand ich ein Hotelzimmer am Hirschenplatz: in einem kleinen Altstadt-Hotel mit fünfzehn Zimmern, einem gemütliches Boutique-Hotel. Alle anderen Hotels waren für den Abend ausgebucht.
Mein Mann und ich bezogen ein sehr schönes Zimmer. Vom Erker aus sah man auf den Hirschenplatz, wo in Weihnachtshäuschen Glühwein und schnell zubereitetes Essen anboten. Vor der Lesung erkundeten wir die Altstadt samt Grossmünster und gesellten uns danach zu den Leuten auf dem Hirschenplatz. Ein Raclette auf Brot mit einem speziellen Gewürz und gehackten Erdnüssen habe ich noch nie gegessen. Es schmeckte wunderbar. Dermassen gestärkt sah ich meiner Lesung gelassen entgegen.
Pestalozzi-Bibliothek
Nicht weit von unserem Hotel fanden wir die Zähringerstrasse 17 sofort. Uns fiel das grosse, hell erleuchtete Schaufenster auf, hinter dem wir weiter hinten die aufgestellten Stühle ausmachen konnten. Wir lernten Melanie Müller von der PBZ kennen und auch die anderen Autorinnen, die lesen würden.
Vor der Lesung besprach sich Moderatorin Gabriela Kasperski in einem Sitzungszimmer im dritten Stock mit mir und Saskia Gauthier, die ich im September bei der GV von Krimi Schweiz kennengelernt hatte. Gabriela kennt das Wallis, trat früher dort als Schauspielerin auf mehreren Bühnen auf, erfuhr ich zu meinem Erstaunen.
Roland Voggenauer, der zweite Moderator, besprach sich gleichzeitig mit Susanne Mathies und Raphael Zehnder.
Wir vier AutorInnen hatten acht bis zehn Minuten Zeit aus unseren Krimis zu lesen. Danach würden Gabriela oder Roland uns ein paar Fragen stellen.
Wieder im Erdgeschoss sahen wir rund vierzig Personen sitzen, die uns zuhören würden, vier von Ihnen kannte ich.
Melanie Müller von der PBZ eröffnete den Anlass. Was sie gesagt hat und auch wie die Autorinnen vorgestellt wurden, kannst du dir im folgenden Video anschauen, für das ich spontan mit meinem Handy gefilmt habe. Wie Gabriela Kasperski mich als dritte Lesende vorgestellt hat, konnte ich natürlich nicht filmen. Die kurze Sequenz, in der ich zu sehen bin, habe ich zugesandt bekommen.
Für alle war es ein äusserst gelungener Anlass, für die Anwesenden wie für die Organisatoren.