Ein Rückblick der anderen Art
Der Jahreswechsel ist perfekt um auf das zurückzublicken, was man erlebt hat. Wenn es im Januar draussen grau und kalt ist, denke ich an wärmere Tage. Was könnte man draussen in der Natur nicht alles unternehmen, wenn es wieder Frühling wäre?
Um mich aufzumuntern, studiere ich dann Prospekte von Reiseanbietern. Am liebsten solche von Reisen mit dem Mountainbike. Wenn ich durch die Angebote blättere, wird mir warm ums Herz und ich vergesse die viel zu kurzen, dunklen Tage des Winters.
Erinnerungen an meine Bike-Reisen steigen in mir hoch. Bilder von wunderschönen Touren, Bilder von wilden, ursprünglichen Landschaften, lieblichen Tälern, fernab der Zivilisation. Oder Eindrücke von Dörfern, wo die Zeit stehen geblieben schien, wie z.B. im Landesinnern von Gran Canaria. Mit einem Lächeln denke ich an die Bike Enthusiasten, die ich kennengelernt habe, an die kameradschaftliche Atmosphäre während den Touren.
In solchen Momenten kommen mir aber manchmal auch meine Unfälle bei den Touren in den Sinn. Die erlittenen Verletzungen, die Bike-Pause während der langen Heilung. Mir ist dann, als ob ich die Schmerzen von damals wieder in meinen Knochen spüre.
Spurlos geht ein Unfall nie an einem vorbei.

Um mich mit den schönen Eindrücken von meinen Erlebnissen zu trösten, schaue ich mir von Zeit zu Zeit Fotos oder Videos von damals wieder an. Eine Auswahl davon zeige ich dir im Video zu diesem Blog. Die Videos habe ich damals mit meiner ersten Gopro am Lenker aufgenommen.
Tossa de Mar und die Klickpedalen 2008
Für eine Bike-Woche vom 16. bis 22. März 2008 in Tossa de Mar an der Costa Brava in Nordspanien hatte ich ein Mountainbike mit Klickpedalen reserviert. Ich hoffte, dank den Klickpedalen ich die Aufstiege leichter bewältigen können. Zuversichtlich fasste ich meine neues Cube-Bike in der Werkstatt des Veranstalters in der Hotelgarage. Am Tag danach startete meine Gruppe zur ersten Tagestour. Schon am ersten Hang bin ich seitlich mit dem Rad umgefallen, ich kam einfach nicht aus den blöden Klickpedalen raus. Bis am Abend bin ich noch sieben Mal mit dem Rad gestürzt. Meine Schienbeine waren übersäht mit blutenden Wunden. Mit seiner Digitalkamera hielt der Tourguide grinsend den Anblick fest. Am Abend vor der Abreise zeigten die Veranstalter der Bikewoche eine Dia-Show. Prompt war das Bild meiner lädierte Schienbeine zu sehen.
https://www.eitzinger.ch/de/rennvelo-ferien/tossa-de-mar
Schweizerischer Nationalpark 12. Bis 15. Juli 2014
Bei einer Bike-Woche im Engadin lernte ich fünf Frauen kennen. mit denen ich danach noch weitere Touren unternahm. Die schönste Tour, die wir selber organisiert haben, war diejenige rund um den Schweizerischen Nationalpark. Seine unverwechselbare Landschaft ist Kulisse für eine der reizvollsten, mehrtägigen Bike Touren der Schweiz. Der Nationalpark wird in vier Tagesetappen mit dem Mountainbike umrundet – und zwar ohne Gepäck. Dies wird einem täglich von Hotel zu Hotel transportiert. Sehr praktisch, klappte einwandfrei. Eine Mehrtagestour die vielseitiger nicht sein könnte.
https://www.engadin.com/de/buchen-angebote/sommerangebote/nationalpark-bike-tour

Cologna-Days
Die Mehrtagestour führt durch ursprüngliche Engadiner Dörfer, unberührte Natur, entlegene Täler und Pässe mit flowigen Abfahrten. In vier Tagen bewältigten wir vier Pässe und bis zu 4‘000 Höhenmeter. Ein Highlight war das landschaftlich atemberaubende Val Mora oder der «berüchtigte» Pass Chaschauna (2694 m ü. M.). Auf diesem Pass habe ich gefroren wie noch nie auf einer Tour. Zum Glück hatte ich warme Beinlinge dabei.
Als wir im Val Müstair ankamen, fand im Rahmen des 4. Cologna-Days ein Staffellauf statt. Wir durchquerten das Zielgelände zu Fuss, schoben unsere Bikes an den Zuschauern vorbei, und sahen Dario Cologna. Er sah sehr jünger aus, als ich ihn mir vorgestellt hatte.

Auf den letzten Kilometern wäre ich beinahe mit einem Fahrzeug zusammengestossen, das den Berg hinauffuhr. Zum Glück halte ich mich immer am rechten Strassenrand, wenn Gegenverkehr droht.
Zypern – Pissouri – März 2015
Thomas Wegmüller, ein ehemaliger Schweizer Radrennfahrer, betreibt in Zypern, im Columbia Beach Resort Pissouri ein Unternehmen für Radtouren.
Seine Touren führen über verkehrsarme Strassen, über Hügel und Berge, entlang der Küsten und durch lange Täler bis hinauf ins Troodos Gebiet. Vorbei an Ziegen und Schafen.
Schon auf unserer ersten Tour ging mein Bike Vergnügen zu Ende. Thomas wollte sehen, was ich beim Biken so draufhatte. Im Nachhinein muss ich gestehen, eine Mutprobe hätte ich besser sein lassen. Ich stürzte auf einem steilen Hügel rückwärts und wollte mich mit der linken Hand auffangen.

einhändig Rad fahren
Die Schmerzen brachen erst ein paar Minuten später los, als wir schon wieder weiterfuhren. Ich konnte nur noch einhändig fahren. Auf das Rad auf- oder absteigen tat furchtbar weh, wurde zur Qual. Bevor wir das Hotel endlich erreichten, begann es wie aus Kübeln zu regnen. Klatschnass trafen wir auf der Bike Station ein.
Es war ein Sonntag. Thomas hätte jetzt wohl frei gehabt. War ich froh, als er mit mir zu einer Arztpraxis fuhr! Das Hotel war abgelegen, kein Dorf in der Nähe, rein gar nichts. Die Praxis war geschlossen. Er rief die an der Tür angegebene Nummer an. Eine Ärztin erschien, untersuchte meinen linken Arm. Sie telefonierte ins nächstgelegene Spital, das Blue Cross Hospital.
im Spital
Nach einer Stunde Fahrt trafen Thomas und ich auf einen Arzt, der extra seine Sonntagsruhe unterbrochen hatte. Röntgen, Gips anlegen, Formulare ausfüllen, Schmerzpillen überreichen, das ganze Prozedere dauerte mit Wartezeiten nur eine Stunde.

Thomas Wegmüller wartete die ganze Zeit, war die Ruhe selbst. Er fuhr mich wieder zurück ins Hotel. Dass er sich so viele Stunden Zeit genommen hat, damit ich ärztlich versorgt wurde, fand ich echt toll von ihm.
Die restlichen Tage verbrachte ich am Pool und auf zwei, drei Ausflügen mit einer Frau, die den Tag ohne ihren Mann gestalten musste, weil der auf dem Rennrad ständig auf einer Tour war. 😊
mit dem Arm im Gips durch die Sicherheitskontrollen
Damit ich nach Hause zurückfliegen konnte, fuhr mich Thomas einen Tag vor Abflug wieder in die Arztpraxis. Mit einem gefährlich aussehenden Schneidewerkzeug beabsichtige der Arzt, meinen Gips so aufzuschneiden, dass die Zollkontrolleure hineinschauen konnten. Mir schlug das Herz bis zum Hals, als der Arzt sich ans Werk machte.
Zuhause musste ich wieder einen intakten Gips machen lassen.
Das Jakobshorn bei Davos – Juli 2015
Viele nehmen für den Aufstieg aufs Jakobshorn die Gondelbahn, der Aufstieg kann aber auch aus eigener Kraft gemeistert werden. Beim Gipfel des Jakobshorns. beginnt die Abfahrt. Über die Schotterstrasse fährt man Richtung Sertig Dörfli. Nach einem kurzen Aufstieg beginnt bereits der Single Trail. Die 730 Höhenmeter nach Sertig Dörfli vergehen wie im Flug.

Nur habe ich das Dörfli zu Fuss erreicht und nicht mit dem Rad. Wie das kam?
Flug über den Lenker
Im letzten Drittel des Singletrails blieb ich mit den rechten Pedalen an einem Stein hängen, flog ich über den Lenker ins Gebüsch, schlug hart auf, versuchte meinen Sturz mit der rechten Hand abzufedern. Diesmal erwischte es den rechten Arm. Meine Freundinnen fuhr die geplante Tour weiter, ich nahm das Postauto nach Davos und meldete mich dort im Spital an. Die Untersuchungen zeigten, dass meine rechte Speiche gebrochen.

Das waren meine Unfälle beim Biken. War jeweils ein kleiner Augenblick der Unaufmerksamkeit schuld? Oder war es einfach Pech? Zweimal im selben Jahr die Speiche gebrochen, zuerst in Zypern, dann in der Nähe von Davos.
Meine schönsten Bike-Reisen
Zum Schluss sage ich dir, welches meine Reise-Highlights waren, die ich im Velosattel erlebt habe:
- Teneriffa Ostern 2012
- Gran Canaria Ostern 2013
- Dolomiten Brenta-Umrundung vom 7. Juli bis 12. Juli 2013
- Sardinien, Cala Liberotto vom 19. bis 26. April 2014
- Kreta im August 2014


