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Brigitta’s Sommerkrimi

 

Sun, Run and something to win

Endlich durfte ich wieder laufen. Vergessen war der Unfall der vergangenen Woche, bei dem ich auf der Badematte ausgerutscht war. Meine Beine flogen nur so dahin. Es war ein Vergnügen, wieder so schnell laufen zu können, wie es meine Puste gerade noch zuließ.

Laufstrecke am Yachthafen

Entlang meiner derzeitigen Laufstrecke rund um den Hafen von Porto Rotondo, wo die teuren Yachten vor Anker lagen, gab es normalerweise viel zu sehen, nur jetzt noch nicht. Kaum jemand liess sich zu so früher Stunde auf den Decks der Yachten blicken, doch das würde sich bald ändern.

Einzig ein muskulöser Mann in T-Shirt und Shorts spritzte barfüßig mit einem Schlauch in der Hand eine kleinere Yacht ab. Vermutlich ein Mietobjekt, zu mieten für ein paar hundert Euro pro Tag. Der Angestellte des Yachtvermieters beachtete mich nicht. Er war zu beschäftigt, um mir nachzuschauen. Seine Putzarbeit hinderte ihn allerdings nicht daran, gleichzeitig ein wortreiches Gespräch mit seinem Handy zu führen. Die Sarden waren – wie alle Italiener – telefonino-süchtig.

Der Kurzkrimis vorgelesen von der Autorin / mit Fotos

Traum-Yacht

Ich lief kopfschüttelnd weiter. Gleich würde ich den Yacht-Club erreichen und weiter hinten bei den größeren Schiffen vorbeilaufen. Vorher aber näherte ich mich der luxuriösen Yacht ‚Freedom‘, die von Roberto Cavalli entworfen worden war. Welch ein Traum von einer Yacht, falls man eine Vorliebe für Schwarz hatte. Jedes noch so kleine Detail fügte sich zu einem eindrucksvollen Gesamtkunstwerk. Die Yacht war wie eines seiner Kleider, das er entworfen hatte: einzigartig und perfekt. Auf dem Kai, an dem die Yacht vor Anker lag, lief ich gewöhnlich langsamer, um beim Vorbeilaufen die Yacht zu betrachten.

Plötzlich tat sich etwas auf der ‚Freedom’-Yacht, die schwarz-silberne Plexiglastür beim Eingang glitt zur Seite und eine Frau mit aufgesteckten, blonden Haaren erschien in einem hautengen, gerafften Kleid mit Jaguar-Print. Zu schnell schloss sich die Tür hinter ihr wieder, als dass ich im Vorbeilaufen einen Blick ins Innere der ‚Freedom’ hätte werfen können. Die Frau war es anscheinend gewohnt, alle Blicke auf sich gerichtet zu sehen. Mit einer Mischung aus Erstaunen und Bewunderung sah ich sie beim Vorbeilaufen an, achtete nur noch auf sie anstatt auf den Boden mit den unebenen Pflastersteinen am Kai vor der Yacht, über den ich lief.

Der Unfall

Im nächsten Augenblick blieb ich mit meinem rechten Joggingschuh an etwas auf dem Boden hängen, stolperte und fiel hin. Meine Knie, meine Handgelenke schrammten über die harten Pflastersteine. Vor Wut stiess ich aus voller Kehle einen gequälten Schrei aus. Benommen blieb ich am Boden liegen, drehte mich nach einer Weile zur Seite und betrachtete meine Wunden an Knien und Händen, die alsbald wie Feuer brannten. So ein Mist! Meine Beine und Arme zitterten. Ob wegen des Schocks oder vor Schmerzen, wusste ich nicht. Ich versuchte aufzustehen, ohne mich mit Händen oder Knien abzustützen. Es gelang mir nicht.

Vom nahen Restaurant her eilte eine stämmige Frau mit umgebundener schwarzer Schürze auf mich zu, eine weiße Stoffserviette in der Hand, die mit etwas gefüllt zu sein schien. Sie half mir aufzustehen, gab mir die Serviette, die sie mit Eiswürfeln gefüllt hatte und bedeutete mir, das Eis sei für meine Verletzungen, damit sie nicht anschwellen würden.

Ich nickte dankend. Noch benommen vom Sturz spürte ich, wie die Schmerzen jetzt so richtig einsetzten. Die Schürfungen an Handgelenken und Knien bluteten. Abwechselnd hielt ich den Serviettenbeutel an die Schrammen. Davon färbte sich die Serviette an immer mehr Stellen rot. Ich war der Frau dankbar für ihre Hilfe, doch das Bündel Eis in der Serviette verursachte auf meinen Wunden nur noch mehr Schmerzen, so dass ich gerne auf das Eis verzichtet hätte. Ihr zuliebe behielt ich die Eisbehandlung bei. Bis ich es nicht mehr aushielt, umständlich mit einer Hand das Taschentuch aus einem der Fächer in meinem Laufgürtel herauszupfte und damit sachte das Blut von meinen Wunden tupfte.

«Grazie» sagte ich zu der Frau, die zufrieden ob ihrem gelungenen Samariter-Dienst zurück zu ihrem Restaurant auf der anderen Seite des Kais zulief.

Antonella Leopardi

Ich warf einen letzten Blick auf die elegante Frau an Deck der Cavalli-Yacht, sie schien sich seit meinem Sturz nicht von der Stelle gerührt zu haben und hatte meinen Unfall bestimmt beobachtet. Mit einem Handzeichen bedeutete sie mir zu ihr auf die Yacht zu kommen. Die Gangway fuhr bis zum schwarzen Teppich vor der Yacht am Kai aus. Mir war noch etwas schwindlig vom Sturz, skeptisch sah ich links und rechts neben der Gangway hinunter ins Meerwasser, während ich auf unsicheren Beinen langsam auf die Frau zuging. Als ich ihr Gesicht aus der Nähe sah, wusste ich sofort, wer sie war: Antonella Leopardi, die italienische Modeschöpferin. Auf einmal schämte ich mich meiner billigen Jogging-Klamotten, die ich schon seit vielen Jahren trug.

Sie erkundigte sich nicht danach, wie ich mich nach dem Sturz fühlte. Das machte mich stutzig. Hatte sie mich nicht deshalb zu sich gebeten, um mich zu verarzten? Dass das nicht der Fall war, wurde mir rasch klar. Enttäuscht erklärte ich ihr, dass irgendetwas vor ihrer Yacht am Pier meinen Sturz verursacht hatte und sie womöglich für meinen Sturz haftbar sein könnte. Denn das, was mich zu Fall gebracht hatte, sei die letzten Tage bestimmt nicht da gewesen, und ich würde die Anlagestelle ihrer Yacht noch genauer untersuchen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Meine Italienischkenntnisse reichten aus, um ihr das alles zu erklären.

Sie setzte ein nichts-sagendes Lächeln auf. Mit ihren bald siebzig Jahren war sie immer noch sehr beeindruckend, nicht schlank, eher schon mager, ja sogar ausgemergelt, aber aufrecht, mit einer königlichen Haltung. Das Gesicht gestrafft, die Lippen vom Botox Spritzen unnatürlich groß.

«Kommen Sie mit», sagte Antonella mit einer überraschend rauchigen Stimme.

Verblüfft sah ich sie an. Die Plexiglastür beim Eingang der Yacht glitt wieder geräuschlos zur Seite. Der Aufenthaltsraum dahinter bot allen Luxus, den man sich vorstellen konnte. Polstermöbel aus cremeweißem Leder, viel Chrome, hinten eine reichbestückte Bar mit Barhockern. Ich blieb stehen, um alles ausführlich zu betrachten, damit ich diesen Anblick nie wieder vergessen würde. Das Gefühl von Unsicherheit in dieser für mich fremden Luxuswelt wich allmählich und ich wandte mich wieder ihr zu.

Das Versteck

Sie kniete neben den Salontisch aus weißem Marmor und drückte auf etwas unter der Tischplatte. Ein rechteckiges Stück des Parkettbodens in der Grösse eines eReaders öffnete sich nahezu geräuschlos und gab den Blick frei auf eine Nummerntastatur. Ein Versteck? Antonella tippte auf sechs verschiedene Nummern, ein Türchen klappte hoch, sie zog ein schwarzes Stoffsäckchen mit einem aufgestickten V heraus, legte es neben sich auf den Fußboden, drückte das Türchen und danach die Bodenplatte nach unten, die augenblicklich einschnappten. Das Versteck war wieder verschlossen. Sie warf einen letzten Blick darauf. Selbst wenn man nach Auffälligkeiten im verschlungenen Parkettmuster suchen würde, hätte man kaum ahnen können, dass sich hier etwas unter dem Boden verbarg.

Langsam erhob sie sich wieder, bemüht, sich die Steifheit ihres gealterten Körpers nicht anmerken zu lassen. Eine Weile sagte sie nichts und musterte mich nur stumm. Dann gab sie sich einen Ruck und öffnete die Kordel des Stoffsäckchens, glitt mit einer Hand hinein, nahm etwas heraus und drückte es mir in die Hand.

Stumm vor Staunen besah ich das Häuflein auf meiner Handfläche. Im gedimmten Schein der Deckenbeleuchtung lagen grüne Steine, so grün wie das Meerwasser an den schönsten Stränden der Costa Smeralda, manche waren mehr als erbsengroß. Sie sahen roh und unbearbeitet aus. Selbst kitschiger, unechter Schmuck im nächstgelegenen Souvenirladen in den Geschäften an der Piazzetta San Marco funkelten mehr.

«Smeraldo»

Ich nickte eifrig. «Si, siamo in costa smeralda»

Sie schüttelte den Kopf.

Die Smaragde

«Ich meine nicht die Küste Nord-Sardiniens. Ich meine die Edelsteine auf Ihrer Hand. Es sind Smaragde. In diesem Säckchen hat es noch mehr. Die Dinger sind echt. Sie sind ein Vermögen wert.»

«Capito. Und warum zeigen Sie mir die Steine?»

«In diesem Säckchen sind Smaragde im Wert von sieben Millionen Euro. Es sind Prachtexemplare. Wenn sie einmal geschliffen und poliert sind, werden sie lupenrein sein.» Ihre Augen funkelten vor Leidenschaft.

«Wow!» Meine Augenbrauen schossen in die Höhe. Meine Hand, auf der die paar Edelsteine lagen, fühlte sich auf einmal an, als würde sie glühen. Rasch gab ich ihr die Smaragde zurück, bevor ich mir die Hand verbrannte. «Warum zeigen Sie mir diese Steine?»

«Sie sind die einzige Person, der ich im Moment traue. Sie müssen mir helfen.»

Verwirrt, aber auch gespannt, sah ich auf ihre aufgespritzten Lippen, dann in ihre dick von Schminke umrandeten Augen. «Sie kennen mich doch gar nicht. Und wie könnte ich Ihnen überhaupt helfen?» Ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine Frau wie sie, die über ein Milliardenvermögen verfügte, meine Hilfe brauchen könnte. Und noch viel weniger, konnte ich mir vorstellen, was die Edelsteine damit zu tun haben könnten.

Antonella deutete auf meinen Laufgürtel, den ich fürs Joggen immer um die Hüften trug, um Geld, Handy, eine Trinkflasche und ein Taschentuch mitnehmen zu können. «Öffnen Sie den Reißverschluss des größeren Faches an ihrem Gürtel.»

Ich tat, wie sie verlangte und sah sie fragend an.

Der Deal

Rasch warf sie einen schnellen Blick ans hintere Ende des Raumes, doch außer ihr und mir war niemand da. Danach schob sie das Stoffsäckchen mit den Smaragden in das jetzt offene Fach an meinem Laufgürtel, schloss den Reißverschluss wieder und trat abrupt zurück. «Übergeben Sie das Säckchen dem Oberkellner Antonio Rinaldi in Ihrem Hotel.»

«Woher wissen Sie, in welchem Hotel ich wohne?» Es gab wohl nicht viele Hotels im kleinen Ort Porto Rotondo mit einem Oberkellner, der Antonio Rinaldi hieß.

Sie schnaubte leicht und lachte verächtlich. «Ich weiß alles über Sie, Sie kleine Schweizer Autorin, oder soll ich sagen, ich weiß so viel über Sie, wie ich brauche, um das hier organisieren zu können.» Sie deutete auf die Edelsteine, die jetzt in meinem Laufgürtel steckten.

«Wie konnten Sie wissen, dass ich hier vor Ihrer Yacht vorbeilaufen würde? Und außerdem, wie konnten Sie wissen, wie Sie mit mir in Kontakt treten könnten?» Während ich dies sagte, wurde mir bewusst, dass ich bis anhin noch nie beim Joggen gestürzt war. Hatte Sie meinen Sturz arrangiert, um mich auf ihre Yacht zu lotsen? Das war doch absurd.

Sie verzog keine Miene. «Ich habe Sie beobachtet. Von meiner Hotelsuite aus kann ich alles sehen, was am Strand unten geschieht. Sie sind mir aufgefallen.»

Mehr brauchte sie nicht zu sagen, denn ich erinnerte mich wieder, wo die Imperial Suite lag, die sie während der ganzen Saison im Hotel mietete. Der Strandwächter hatte mir gezeigt, wo ihre Suite lag. Auf meine Frage hin, ob die Frau, die ich jeden Tag beim Baden am Strand beobachtete, Antonella Leopardi sei, verneinte er. Er beteuerte, dass die Frau zwar ähnlich aussähe wie Antonella Leopardi, in Wahrheit jedoch eine ganz andere Frau sei. Ich hatte gleich gewusst, dass er log. Welche Berühmtheit würde sonst als Gast in einem Hotel logieren, wenn jeder X-beliebige sie stören könnte, weil die Hotelangestellten nicht den Mund halten konnten.

Das Ansinnen Antonellas schien mir einfach zu bewerkstelligen, machte meiner Ansicht nach aber überhaupt keinen Sinn. «Ich soll die Smaragde nur übergeben, sonst nichts?»

Der Oberkellner

Sie richtete sich zu voller Größe auf. «Wie ich schon sagte. Übergeben Sie Antonio die Smaragde, heute nach dem Abendessen.»

«Weiß er Bescheid?»

«Ja.»

«Wie können Sie sicher sein, dass ich die Smaragde nicht für mich behalte und verkaufe?»

«Sieben Millionen sind für viele Menschen ein Vermögen, ein unerhörtes Kapital, für viele andere wie mich dagegen sind sie eine vergleichsweise unbedeutende Summe. Im Moment brauche ich nur ein sicheres Versteck für die Smaragde. Und das verschaffen Sie mir, wenn Sie sie heute Abend diskret Antonio übergeben. Diskret. Versteht sich natürlich.»

Der smarte Oberkellner schien mir alles andere als sauber zu sein. Hatte er nicht kürzlich mein Trinkgeld für sich behalten, obwohl ich es ihm gegeben hatte, damit er es an die sieben Kellner verteile? Seitdem ging mir Antonios schmierige, herablassende Art zunehmend auf die Nerven. Und ihm sollte ich die Dinger übergeben, die sieben Millionen Wert waren? Das Gefühl, dass mehr hinter der Sache steckte, ließ mich nicht los. «So wie ich Herrn Antonio einschätze, wird er die Steine für sich behalten, ja, ich denke sogar, er wird damit abhauen. So viel hat er als Kellner sein ganzes Leben lang nie verdient.»

«Oh, nein. Das wird er nicht tun. Ich weiß es. Er tut, was ich ihm sage. Nur einmal hat er das nicht getan, als … » Sie verstummte.

«Ich bin Krimiautorin. Ich kenne mich mit Verbrechen aus. Vermutlich hat er etwas gegen Sie in der Hand, das für Sie viel wertvoller ist als diese Edelsteine. Etwas, das Ihnen gefährlich werden könnte.»

«Leider ja», entfuhr es ihr verblüfft. «Hören Sie zu … »

Im Hotelzimmer

Zurück in meinem Hotelzimmer duschte ich und versorgte danach meine wegen des Duschwassers und der Seife wieder brennenden Wunden mit dem Material aus meiner Reiseapotheke. Sie enthielt sogar eine kleine Schere. Wie ich da mit der Mini-Schere ein Stück von der Mullbinde aus der Mini-Apotheke abschnitt, um die sterile Wundauflage an meinem rechten Handgelenk zu fixieren, machte sich ein Gedanke in mir breit, der mir zuerst absurd erschien, der mich dennoch den ganzen Nachmittag nicht mehr losließ.

Antonella hatte mir nicht erklärte, wie sie in den Besitz der Smaragde gekommen war. Die Sache schien mir mehr als dubios. Sollte ich im Austausch gegen ein Versace-Kleid tun, was sie von mir verlangte oder eher das, was ich für richtig hielt? Den Ausschlag gab mir die Gewissheit, dass Antonio ein Gauner war und sich keinen Deut um die Folgen kümmern würde, wenn etwas schief ging. Möglich, dass man mich dann für die Schuldige halten würde.

Ich entschied mich zu handeln und schüttete vorsichtig die Smaragde aus dem schwarzen Stoffsäckchen auf ein Kleenex-Tüchlein. Staunend betrachtete ich das Häuflein. Ein Sonnenstrahl fiel durch die Tür der Zimmer-Veranda und erweckte die Steine zum Leben. Mein Atem stockte kurz. Welch ein funkelndes Vermögen!

Schnell lief ich ins Badezimmer, holte mein Beauty Case, entnahm ihm ein Fläschchen durchsichtigen Nagellacks, ein Briefchen Nähzeug, das ich vor Jahren aus dem Grand Hotel in Hurghada mitgenommen hatte und auf Reisen immer mitführte, und eine volle Packung Hustenbonbons. Aus dem Schrank holte ich den Büstenhalter, den ich am Abend und auf meiner Rückreise tragen wollte, und ging an die Arbeit.

Am Morgen danach

Am nächsten Morgen um sechs Uhr früh fuhr das Taxi für den Transfer zum Flughafen beim Hoteleingang vor. Ich setzte mich auf den Rücksitz. Der Fahrer fuhr los bis zum grün angestrichenen Hotel Tor, hielt an und wartete darauf, dass es sich öffnete. Mein Puls schlug schneller, als ich einen Blick zurück zum Hoteleingang warf, wo in diesem Moment ein wild gestikulierender Mann im schwarzen Anzug zu sehen war, der sich anschickte, das Taxi einzuholen.

Endlich ging das Tor auf, der Taxifahrer fuhr langsam hindurch, beschleunigte danach und ließ das Hotelareal rasch hinter uns immer kleiner werden. Noch mal Glück gehabt, dachte ich, fuhr mit den Fingern über die beiden Körbchen meines BHs, des teuersten, den ich je besitzen würde, und spürte die Edelsteine die ich dort eingenäht hatte.

Zufrieden setzte ich mich aufrechter hin und entnahm einem Fach in meinem Laufgürtel den USB-Stick, den Antonio mir am Abend zuvor im Austausch gegen das schwarze Säckchen mit dem aufgestickten V gegeben hatte, in dem ich die vom Lack glänzenden, grünen Hustenbonbons anstelle der Smaragde gesteckt hatte.

Auf dem Stick prangten die Buchstaben C und S, darob zwei gespannte blaue Segel oder was es sonst darstellen sollte.

Italienisches Schwarzgeld auf einer Schweizer Bank!

War es ein Zufall, dass gerade jetzt, wo die Grossbank UBS die Kunden der von ihr übernommenen CS überprüfte, ein Stick mit Antonella Leopardis Nummernkonto für eine Weile beim Oberkellner versteckt gewesen war? Nur gut, dass ich den Zugangscode herausgefunden hatte, Antonio aber nicht. Mit den Smaragden hatte ich mir ein Vermögen angeeignet und mit dem Stick Zugriff auf ein weit grösseres, das auf Antonellas Nummernkonto bei der CS schlummerte.

 

Fiktion oder Fakten?

Wie weit muss ein Kriminalroman die Wirklichkeit abbilden? Geht es auch ohne Fakten? Sind Recherchen nötig?

Was braucht es für einen Krimi: Fiktion oder Fakten?

Ein Krimi muss beides haben, er muss eine gute und überzeugende Mischung aus Fiktion und Fakten liefern. Die Fakten müssen bis ins Details stimmen. Oft ist Spezialwissen für den jeweiligen Kriminalfall notwendig. Weil ein Krimi vom Milieu geprägt wird, braucht es ausserdem eine Menge Hintergrundwissen.

Die Polizei- und Ermittlungsarbeit muss realistisch sein. Zu realistisch darf es aber auch wieder nicht sein. Denn sonst ist die Geschichte nicht spannend. Kriminalfälle werden zum Beispiel nicht in wenigen Tagen gelöst. Man darf von der Realität aber nur dann abweichen, wenn es einen guten Grund gibt. Zum Beispiel ist das Ergebnis einer DNA-Analyse nicht schon nach zwei, drei Tagen da. In Wirklicht bekommt man das erst nach zirka zwei Wochen. Für den Spannungsbogen eines Krimis ist das eindeutig zu lang.

Polizeiarbeit

Für die Polizeiarbeit geht es nicht ohne persönlichen Kontakte zu. Die Arbeit ist komplex und erfordert viel Erfahrung. Für mich als Berufsschullehrerin, die Wirtschaft unterrichtet hat, wäre es undenkbar, dass in meinen Krimis ein Kommissar namens Steinalper vorkommt, ohne dass ich eine Ahnung bekommen habe, wie er in meinen Kriminalfällen vorgehen soll. Ich würde liebend gern, mal in einem Kommissariat arbeiten, um den Alltag der Polizisten zu kennen. Aber das gehe leider nicht, sagte man mir vor gut drei Jahren, als ich angefragt habe. Zum Glück lernte ich einen echten Kommissar kennen, der mich unterstützt, wenn ich Fragen habe zu konkreten Ermittlungen.

Medizin

Immer wieder stosse ich an meine Grenzen, wenn es um medizinische Fragen geht, die es bei einem Kriminalfall immer gibt Wertvolle Inputs gaben mir ein paar Fachbücher zur Rechtsmedizin. Wenn es sehr konkret wird, wie in meinem dritten oder vierten Krimi durfte ich zwei Medizinerinnen meine Fragen stellen.

Fachwissen

Für Spezialgebiete finde ich immer wieder Fachleute, die ich ansprechen kann und die sich Zeit nehmen, um meine Fragen zu beantworten. In meinem zweiten Krimi brauchte ich Kenntnisse übers Tauchen, da die erste Leiche im Gebirgssee auf der Bettmeralp gefunden wird. Der Tote war mit einem Wolfsfell bedeckt. Deshalb brauchte ich Kenntnisse zur Wolfproblematik. Ein Wildhüter gab mir gerne Auskunft. Am wichtigsten für den zweiten Band «Der Tote im Wolfspelz» waren die Informationen über die Verbindungsbahn zwischen den Tourismusstationen Riederalp und Belalp.

Am Schluss des zweiten Krimis stehen die Namen meiner Informanten. Im vierten Krimi habe ich darauf verzichtet. Es waren zu viele und ich wollte ihre Persönlichkeitsrechte schützen.

Der perfekte Mord

Informationen zu einem ganz speziellen Fachgebiet brauchte ich für meinen dritten Krimi «Die Vergeltung des Engels». Die Mordanschläge sollten nahezu perfekt sein: Eine Tatwaffe auf Distanz ohne Spuren zu hinterlassen: Sprengstoff! Ich führte Interviews mit einem Sprengstoffmeister und einem Informanten aus der einzigen Sprengstofffabrik, die es in der Schweiz in Gamsen gibt.

Medium

Im dritten Krimi geht es auch um spirituelle Medien.  Da ich noch nie eine Séance bei einem Medium erlebt habe, wusste ich nicht sehr viel darüber. Zu diesem Themenbereich habe ich ein praktizierendes Medium befragt und als Gegenpol einen Fachmann, der diese Branche sehr gut kennt und ihren Angeboten äusserst kritisch gegenübersteht.

Vor Ort

Meine Krimis spielen alle an Orten, die ich und die die meisten meiner Leserinnen und Leser kennen. Und trotzdem brauchte es eine Recherche vor Ort. Gerade wenn man den Ort immer wieder sieht, schaut man ihn sich nicht mehr richtig an. Es ist mir schon vorgekommen, dass ich durch genaue Betrachtung Details entdeckt habe, die auf den ersten Blick nicht auffallen. 😊

Alles neu …

Mein Logo

Auf meiner Webseite findest du zuoberst jetzt mein neues Logo. Darin erkennt man drei Dinge. In der Mitte liegt aufgeschlagen mein dritter Krimi. Links davon schaut eine Baccara-Rose aus dem Buch heraus. Und rechts zielt eine weibliche Hand mit einer Pistole auf das Buch oder – man könnte auch meinen – auf den Text.

Rose

Warum habe ich diese Komposition gewählt? Die Rose steht dafür, dass meine Krimis nicht blutig sind, sie steht dafür, dass auch das Schöne in meinen Romanen seinen Platz findet. Als Gegenpart zum Verbrecherischen in den Geschichten.

Pistole

Warum die Pistole – eine Glock 19 ? Eine Pistole verbindet man mit einem Krimi. Zudem ist es jene Waffe, mit der die Walliser Polizei ausgerüstet ist. Mein Kommissar – Steinalper – ermittelt ja in der Region des oberen Wallis. In meinen bisherigen Krimis ist die Waffe noch nie zum Einsatz gekommen.

Das alte Logo

In meinem vorherigen Logo war mein Familienwappen zu sehen.: Das Wappen der Imwinkelrieds. Meine Idee dahinter war folgende: Ein Wappen sieht edel aus, steht für Kontinuität und Qualität. Aber: Wer verbindet schon ein Wappen mit einem Krimi, dachte ich mir später. Deshalb habe ich nach einer neuen Idee für mein Logo gesucht.

Ein Logo für ein T-Shirt

Kaum war das neue Logo für die Webseite fertig, hatte ich die Idee, T-Shirts damit bedrucken zu lassen. Weil es sich um ein Foto handelt, wäre das doppelt so teuer geworden wie ein einfacher Schriftzug. Nach einigem Nachdenken und Entwerfen von mehreren Varianten habe ich mich für etwas ganz anderes entschieden. Sieh selbst:

Auf dem Bild trage ich ein T-Shirt von ESPRIT in der Grösse XS. (Ich habe normalerweise Konfektionsgrösse 38). In meinem zarten Alter bevorzuge ich eher weite Halsausschnitte und einen lockeren Schnitt.

Falls du auch ein solches T-Shirt haben möchtest, melde dich bei mir. Für Fr. 30.- plus Porto unter Angabe der gewünschten Grösse (XS, S, L, XL) und deiner Adresse sende ich es dir gerne zu. (brigitte.imwinkelried@gmail.com)

Mein vierter Krimi

Endlich war die Schreibpause vorbei! Mein Lektor gab mir grünes Licht, mit meinem vierten Krimi zu beginnen.

Doch aller Anfang ist schwer. Das gilt auch für das Schreiben. Und auch dann, wenn man schon mehrere Bücher geschrieben hat. Schreiben ist nicht wie Skifahren. Hat man mal gelernt, wie man auf den Brettern herumkurvt, verlernt man es nimmer mehr.

Beim Schreiben ist es viel schwieriger. Man muss es jedes Mal wieder von neuem lernen. Klar, die Erfahrung hilft. Aber ohne Schweiß, Enttäuschungen und unzählige Überarbeitungen geht es nicht. Das muss man aushalten können.

Am schönsten ist das Schreiben, wenn man in einen FLOW gerät. Wenn ich im Flow bin, ist das Schreiben beglückend. Ich bin dann völlig vertieft in die Story, die ich schreibe. Ich leide mit, wenn Steinalper etwas schief geht. Wenn er Schwierigkeiten hat, den Täter ausfindig zu machen. Und ich freue mich mit ihm, wenn er mit Lisa, seiner Partnerin, wieder Frieden schließt.

Quiz

Ich habe mir neue Figuren für meinen vierten Krimi ausgedacht. Es sind alles junge Leute. Sie verbindet meine neue Story. Im Video stelle ich dir diese Personen vor. Eine von ihnen wird umgebracht. Finde heraus, wer von den 6 Personen ermordet wird. Schreib mir deine Antwort und gewinn einen meiner Krimis.

Laufzeit: 5 Minuten

Krimi-Abend in Münster

Die Sache mit der Projektion

Ich war gerade daran, die Lautsprecher, den Beamer und den Laptop zu verkabeln.

«Brigitta, schau mal», sagte Eveline Imoberdorf, die Leiterin der Regionalbibliothek Obergoms.

Schnell lief ich zu ihr hin. Sie stand neben einer eingerollten Projektionsleinwand, die schätzungsweise sechs Meter lang war.

«Die bekommen wir bestimmt nicht aufs Podest, wo du sitzen wirst. Die ist viel zu schwer», sagte Eveline stirnrunzelnd.

Die Leinwand war riesig und viel zu groß für die Bilder, die ich mit meinem Beamer projizieren wollte. «Welch ein Ungetüm. Nein, das geht wirklich nicht. Viel zu umständlich.»

Wir schauten uns gegenseitig an und überlegten, was wir tun könnten.

«Es geht immer was schief», sagte ich seufzend zu ihr. «Mal fehlt das Verlängerungskabel, mal findet man die Unterlagen nicht mehr. Ich habe schon alle möglichen Pannen erlebt. Vor allem beim Filmen.»

Eveline schaute mich ratlos an. «Dabei habe ich mich so gefreut, deine Videos anzuschauen.»

André, mein Lebenspartner, der sich mit der Buchhändlerin Kathrin Dietzel am Büchertisch unterhalten hatte, hatte gehört, welches Problem Eveline und ich hatten.

«Nehmt doch die weisse Wand da drüben.» Er deutete auf die weiße Fläche zwischen den zwei Fensterreihen, vor denen gelbe Vorhänge die die Fenster verdeckten.

Ich wusste sofort, dass das das mit der weissen Wand klappen würde, denn ich habe früher, als es noch keine Flachbildschirme gab, oft Filme auf unsere Wohnzimmerwand projiziert. Das Heimkino klappte damals tipptopp.

Als ich alle Geräte installiert hatte, war uns klar: Die weisse Wand war goldrichtig. Die Zuschauer konnten die Videos in guter Qualität geniessen, egal, wo sie sassen. Zudem gab mir die Lampe des Beamers genügend Licht zum Lesen. 🙂

im Alten Gemeindessaal

Knapp vor halb Acht hatte ich alles installiert und vorbereitet und war bereit. Es konnte losgehen.

Schon kamen die ersten Besucher, darunter auch Heinz Schild, der ehemalige Leiter des Regionaljournals am Radio, und seine Frau Vreni, sie waren extra aus Bern angereist. Welche ein Wiedersehen: Wir hatten uns vor über zehn Jahren auf Mallorca kennengelernt, wo die beiden mit ihrem Sohn Mike Laufwochen organisierten.

Im alten Gemeindesaal von Münster war der Platz knapp.

Immer mehr Besucher strömten durch die Tür des alten Gemeindesaals in Münster. Zusätzliche Stühle worden immer wieder geholt und hingestellt, bis der Raum keinen Platz mehr bot.

Die Masken

Alle Besuchter trugen ihre Gesichtsmasken, so wie es vorgeschrieben war. Personen, die ich sehr gut kenne, konnte ich ohne weiteres identifizieren, bei allen anderen, die ich kaum kenne, bei denen gelang mir das nicht.

Schade! Wie kann ich mir eine Person einprägen, wenn ich nur die obere Hälfte des Gesichts sehe, ihren Gesichtsausdruck aber nicht? So hatte ich keine Chance, alle diejenigen persönlich zu begrüßen, die ich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen habe, oder die ich an diesem wunderbaren Abend neu kennenlernen konnte.

Die Buchvorstellung

Moderator Reinhard Eyer führte gekonnt durch den Abend. Mit seinen Fragen versuchte er, den Besuchern ein Bild von meinem dritten Krimi «Die Vergeltung des Engels» zu verschaffen.

Den Anlass habe ich angereichert mit vier Videos:

  • Vorstellung Reinhard Eyer, meinen Moderator, und mir
  • Den Hauptfiguren in meinen Krimis
  • Den Schauplätze in meinem dritten Krimi im Goms
  • Dem Buchtrailer

Das Publikum applaudierte nach jedem Video. Als ich am Ende der Veranstaltung Bücher signierte, wurden meine Videos sehr gelobt: So viel Abwechslung, so gut gemacht, so gute Musik in den Videos. Das hat mich glücklich gemacht, weil meine grosse Arbeit Anklang gefunden hatte.

Ich signierte nicht nur meine Bücher, sondern stempelte auf Wunsch den Krimi. Aus neun Stempeln konnte man auswählen. Mein Neffe hatte die Stempel mit seinem 3D-Drucker im November fabriziert.

Quiz

Hatten alle immer gut aufgepasst? Das wollte ich herausfinden. Und ja, das hatten sie. Diejenigen, die die richtige Antwort auf meine Fragen wussten, bekamen von mir eine Schachtel Pralinen geschenkt.

Was für ein wunderbarer Abend!

Geschenk überreicht von Eveline Imoberdorf

Mordfall im Goms

Ihr Stil liest sich leicht. Die Geschichten, die sie schreibt, berühren mich. Nathalie Benelli ist eine Klasse für sich in der Redaktion des Walliser Boten, unserer einzigen Lokalzeitung. Als stellvertretende Chefredaktorin schultert sie jeden Tag viel Arbeit, damit die Zeitung attraktiv ist.

Quelle: RRO

Ausserdem

Wenn ich in der Kolumne «Ausserdem» des Walliser Boten sehe, dass ihr Lockenkopf mit dem zauberhaften Lächeln unterhalb des Textes zu finden ist, bin ich sicher, dass ich nach der Lektüre ein Schmunzeln nicht unterdrücken kann. Eine willkommene Prise Heiterkeit vor dem Sportteil.

Interview

Das Interview mit Frau Benelli war äusserst interessant. Ich merkte gleich, wie stark Presseleute zeitlich unter Druck stehen. Die Tagesaktualität bringt die Pläne oft durcheinander. Hut ab für die Leute, die es tagtäglich schaffen, eine tolle Zeitung herauszubringen!

Aus dem Walliser Boten:

Über mich

Ich rede nicht gerne über mich. Lieber höre ich anderen zu, was sie erzählen. Aber als Autorin habe ich gelernt, genau das zu tun: Über das, was ich tue, zu reden, auch vor der Kameralinse meines Handys. Im Video erfährst du, was mich am Genre Kriminalroman fasziniert, und um was sich meine drei Krimis drehen.

Laufzeit: 5:40