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Literatur oder Schund?


Das Interview mit einer Autorin, die Genusskrimis schreibt, hat mich auf die Idee zu diesem Blogbeitrag gebracht. Wer die besagte Dame ist, erfährst du gleich im Videobeitrag und am Schluss dieser Zeilen.

Video zum Beitrag

Laufzeit: 5:17

Die Schönheit der Sprache


Kriminalromane galten bei anspruchsvollen Lesern lange Zeit als suspekt. Den Krimis fehle die Schönheit oder Kraft der Sprache. Sie verstricken den Leser in ein Rätsel, zwingen ihn, permanent logisch mitzudenken. Das lenkt den Leser von der tiefgründigen Sprache ab.

Der erste Krimi


Es nicht eindeutig klar, wer den ersten Krimi geschrieben hat. Ein Anwärter dafür ist Edgar Allan Poes Kurzgeschichte «Der Doppelmord in der Rue Morge» von 1841. Mein erster Krimi, den ich gelesen habe, war «Der Richter und sein Henker» von Friedrich Dürrenmatt. Ich erinnere mich, weshalb ich ihn gekauft habe: Weil ein Deutschlehrer schwer krank wurde, musste ich kurzfristig für ihn einspringen. Doch was sollte ich, die ich Wirtschaftsfächer unterrichtete, mit den gelangweilten Schülerinnen und Schüler im Fach Deutsch außer Grammatik anfangen?

Ein Comic als Zugang zu Literatur


Damals, 1996, kam ein Comic zum Krimi von Dürrenmatt heraus. Das brachte mich auf die Idee, mit den Lernenden den Roman von Dürrenmatt zuerst als Comic und danach als Taschenbuch zu lesen. Sie waren alle bald Feuer und Flamme. Als ein Ersatz für den erkranken Lehrer gefunden wurde, gab ich die Deutschstunden wieder ab. Ich weiß nicht, ob die Lernenden nachher weiterhin gute Literatur gelesen haben.

Keiner wie der andere?


Das Grundkonzept ist seit dem Erscheinen der ersten Krimis im 19. Jahrhundert das Gleiche: Ein Mord ist geschehen und die Frage lautet «Wer hat es getan und warum?».

Bis heute wussten unzählige Autoren, das Rätsel um einen Mord immer wieder neu und spannend zu gestalten. Die große Zahl von Krimifans beweist, dass diese Art Literatur noch lange nicht am Ende ist.

Agatha Christie


Sie ist der absolute Star unter allen Krimiautoren. 66 Romane schrieb sie zwischen 1920 und 1973. Schätzungsweise soll sie weltweit über mehr als zwei Milliarden Bücher verkauft haben. Ihre Figur der schrulligen Miss Marple oder des Detektivs Hercule Poirot sind berühmt.

Und die Schweiz?

Quelle: NZZ


Friedrich Dürrenmatt zum Beispiel hat literarisch anspruchsvolle Kriminalromane geschrieben.
Bekannt wurde er mit «Der Richter und sein Henker», «Der Verdacht» oder «das Versprechen». Stellenweise mehrere Seiten lange, verschachtelte Sätze und philosophische Abhandlungen fordern die volle Konzentration beim Leser. Das ist nicht jedermanns Sache.

Heftkrimis


Viele halten Heftkrimis für Trivialliteratur. Sie seien banal, zu seicht, zu brutal. Die Auflagenzahlen der Groschenromane sind trotzdem beeindruckend. Dass man über Heftkrimis die Nase rümpft, ist Ausdruck einer Wertvorstellung, die Krimis in «gute» oder eben «schlechte» einteilt. Meiner Meinung nach, ist es wichtiger, dass Bücher oder Hefte überhaupt gelesen werden, als wenn sie zwar gekauft werden, aber dann ungelesen im Regal Staub einstauben.

Krimipreis


Dass Kriminalromane Literatur sind wie andere Romane auch, beweist der Schweizerische Krimipreis, der 2021 zum ersten Mal verliehen wird. Er steht Autorinnen und Autoren in allen Landessprachen offen. Am Samstag, 18.9.2021 wird er in Grenchen anlässlich des ersten Schweizer Krimifestivals der Schweizer Krimipreis verliehen.

https://schweizer-krimipreis.ch/